Was, wenn ich mich nicht verändere?
Aus dem therapeutischen Alltag
Joseph Nicolosi
Im Laufe der Jahre haben mich viele Männer in meiner Praxis aufgesucht, um Hilfe bei der Veränderung ihrer homosexuellen Orientierung zu finden. Homosexualität ist nicht stimmig für sie, es fühlt sich weder richtig noch wahrhaftig an. Diese Männer sind überzeugt, dass homosexuelle Beziehungen ihr tiefstes Wesen als geschlechtliche Person nicht widerspiegeln und dass sie sowohl körperlich als auch emotional für eine Paarbeziehung mit dem anderen Geschlecht geschaffen sind.
Doch eine Reorientierungstherapie ist ein langer und schwieriger Prozess – ohne eine Erfolgsgarantie. Was, wenn sich der Betreffende nicht verändert? Hat er dann dennoch etwas gewonnen, was von Wert ist?
Für viele ist es überraschend, dass bei der Reparativtherapie generell sehr wenig über Sex gesprochen wird. Bei jeder psychotherapeutischen Behandlung wäre es ein Fehler, sich ausschließlich auf ein bestimmtes Symptom zu konzentrieren. Die Klienten kommen in die Praxis, weil sie ein bestimmtes Problem in ihrem Leben loswerden wollen: eine Essstörung, Spielsucht oder eben unerwünschte homosexuelle Neigungen. Eine gute Therapie nimmt dabei immer die gesamte Person in den Blick. In der allerersten Sitzung sage ich zu meinen Klienten: „Regel Nummer eins: Nehmen Sie das, was ich Ihnen sage, nie als Wahrheit an, es sei denn, sie spüren in Ihrem Inneren: ’Ja, es ist wahr’.“ Die Erfahrungen des Klienten, egal wie sie aussehen, müssen immer höher eingestuft werden als vorgefertigte Theorien und müssen diese gegebenenfalls demontieren.
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