Ist Homosexualität biologisch festgelegt?

Informationen zusammengestellt vom DIJG

Ist Homosexualität angeboren und biologisch festgelegt? Nein, dafür gibt es bisher keine Beweise.

Der neuseeländische Sexualwissenschaftler Neil Whitehead fasst die aktuelle Genforschung zusammen: „Man hat nun seit 15 Jahren nach dem Homosexuellen-Gen gefahndet. Die Antwort: Man hat nichts statistisch Signifikantes gefunden. Man hat sogar das gesamte Genom untersucht.“1

Der SPIEGEL schrieb 2010: „Es war viel Lärm um nichts… das postulierte Schwulen-Gen hat sich trotz intensivster Suche bis heute nicht finden lassen. Die beteiligten Forscher haben sich schwer blamiert.“2

Der führende Hirnforscher, Simon LeVay, der selbst homosexuell lebt, erklärt: „Es ist wichtig zu betonen, was ich nicht fand. Ich habe nicht nachgewiesen, dass Homosexualität genetisch ist und habe auch keine genetische Ursache für Homosexualität gefunden. Ich habe nicht nachgewiesen, dass homosexuelle Männer so geboren sind – das ist der häufigste Fehler, der bei der Interpretation meiner Forschung gemacht wird. Ich habe auch kein homosexuelles Zentrum im Gehirn gefunden.“3

Die neuere Zwillingsforschung (2002 und 2008) weist in dieselbe Richtung: Der genetische Einfluss ist gering und soweit er besteht, ist er ein indirekter Einfluss, etwa im Sinne einer angeborenen Neigung, sehr sensibel auf die Umwelt zu reagieren.4

Selbst der Amerikanische Psychologenverband APA, der die Ansicht vertritt, „homosexuelle und bisexuelle Familien“ seien der Ehe zwischen Mann und Frau gleichzustellen, hat seine Auffassung zur Angeborenheit homosexueller Empfindungen geändert. 1998 hatte er noch erklärt, es gebe neue Beweise, die „vermuten lassen“, dass eine sexuelle Orientierung biologisch festgelegt sei. Im aktuellen APA-Statement heißt es vorsichtiger: „Es gibt keine Übereinstimmung zwischen den Wissenschaftlern über die genauen Ursachen... Obwohl viel geforscht wurde zu möglichen genetischen, hormonellen, entwicklungsbedingten, sozialen und kulturellen Einflüssen, gibt es keine Ergebnisse, die den Schluss erlauben würden, dass die sexuelle Orientierung durch einen einzelnen bestimmten Faktor oder bestimmte Faktoren festgelegt ist. Viele sind der Ansicht, dass Natur und soziale Faktoren („nature and nurture“) in komplexer Wechselwirkung stehen.“5

In einem Artikel der „Zeitschrift für sexualwissenschaftliche Forschung“ heißt es: „Die These einer starren, unveränderbaren sexuellen Orientierung wurde in letzter Zeit aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven in Frage gestellt, vor allem durch die Lebenslaufforschung, die Evolutionspsychologie, die ‚Labeling’-Theorien sowie den sozialen Konstruktivismus. Ausgegangen wird in diesen Forschungsfeldern von einer flexiblen sexuellen Orientierung und es wird angenommen, dass sich die sexuelle Orientierung über die Dauer der gesamten Biographie entwickelt. Demzufolge könnte sich die sexuelle Orientierung von Individuen im Lauf ihres Lebens verändern. Sexuelle Orientierung entwickelt sich in dieser Lesart kontinuierlich und wird dabei von individuellen sexuellen und emotionalen Erfahrungen, sozialen Interaktionen und kulturellen Rahmungen beeinflusst.“6

Die Psychiatrieprofessoren und Psychoanalytiker Richard Friedman und Jennifer Downing schreiben: „Auf klinischen Konferenzen hört man von Diskussionsteilnehmern oft, dass Homosexualität genetisch sei und daher festgelegt und unveränderbar. Keine dieser Annahmen stimmt. (…) Die Vorstellung, Homosexualität sei genetisch, ist so reduktionistisch, dass sie von vornherein von der Hand zu weisen ist, das ist ein allgemeines Prinzip in der Psychologie.“7

Was sagen Forscher und Organisationen, die sich für die Anerkennung homosexueller Lebensweisen als alternative, normale Lebensweisen einsetzen?

Martin Dannecker, Professor für Sexualwissenschaften, schreibt in einem Gutachten: „Alle in der Vergangenheit angestellten Versuche, die Homosexualität biologisch zu verankern, müssen als gescheitert bezeichnet werden. Auch in allerjüngster Zeit wurden einmal mehr beträchtliche Forschungsanstrengungen unternommen, das ausschließliche sexuelle und erotische Interesse am eigenen Geschlecht als biologisch determiniert nachzuweisen… Diese Forschungen haben bislang nicht zu tragfähigen und konsistenten Resultaten geführt.“8

Volkmar Sigusch, Sexualwissenschaftler, befindet über die genetische Forschung: „Warum werden vorläufige und unpräzise, methodisch in jeder Hinsicht unkontrollierte und wissenschaftlich nicht bestätigte Einzelbefunde als Titelgeschichten aufgemacht? (…) Man wird eine genetische Ursache der Homosexualität nie finden können, auch wenn das die meisten Menschen, viele Homosexuelle eingeschlossen, ungemein beruhigen würde.“9

Die amerikanische Biologieprofessorin Anne Fausto-Sterling, die selbst lesbisch lebt, äußert über das Argument, Homosexualität sei angeboren: „Es liefert ein juristisches Argument, das zur Zeit tatsächlich ein gewisses Gewicht bei gerichtlichen Entscheidungen hat. Ich halte es für ein sehr wackeliges Argument. Es ist schlechte Wissenschaft und schlechte Politik. Ich habe den Eindruck, dass die Frage, wie wir in unserer Kultur Homosexualität sehen, eine moralisch-ethische Angelegenheit ist.“10

Fazit:

1. Es gibt bisher keine wissenschaftliche Untersuchung, die eine biologische oder genetische Ursache für Homosexualität nachweisen kann. Biologische Faktoren können – im Sinn einer Prädisposition – zu einer größeren Offenheit für eine homosexuelle Entwicklung führen. Das gilt für zahlreiche psychologische Phänomene.11

2. Sexuelle Orientierung ist flexibler und offener, als gemeinhin angenommen wird. Besonders flexibel und offen ist sie in der Zeit der Adoleszenz, dafür gibt es zahlreiche Belege.12

3. Nicht selten geschehen Veränderungen in der sexuellen Orientierung spontan. Veränderungen sind sowohl in Richtung Homosexualität als auch in Richtung Heterosexualität möglich, Veränderungen in Richtung Heterosexualität sind häufiger, die heterosexuelle Orientierung ist wesentlich stabiler, das ist gut belegt.13

4. Eine Fülle von Forschungen zeigt: Motivierte Klienten, die sich eine Veränderung wünschen, können nicht selten auch mit Unterstützung durch geeignete Therapien, geeignete Seelsorge, Selbsthilfegruppen u.ä. eine Abnahme ihrer homosexuellen Empfindungen erreichen.14

© DIJG 2013

Anmerkungen

1 http://www.youtube.com/watch?v=Gq9A40F_P10

2 www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,711227,00.html

3 Nimmons, D., Sex and the brain, in: Discover, März 1994, S. 66. Kursiva hinzugefügt.

4 Siehe die Analyse von Whitehead unter: www.narth.org/docs/isminor.html

5 www.apa.org/topics/sexuality/sorientation.pdf

6 Kinnish, K. et al, Geschlechtsspezifische Differenzen der Flexibilität der sexuellen Orientierung. In: Zeitschrift Sexualforsch 2004, 17, S. 26-45, S. 27.

7 Friedman, R.C., Downey, J.I., Sexual Orientation and Psychoanalysis, New York 2002, S. 39.

8 Dannecker, M., Sexualwissenschaftliches Gutachten zur Homosexualität. In: Basedow, J.: Die Rechtsstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften, Tübingen 2000, S. 339.

9 Sigusch, V., Neosexualitäten, Frankfurt 2005, S. 155, 156.

10 Fausto-Sterling, A.,

11 Homosexualität verstehen - Flyer

12 Lauman, E.O., The Social Organisation of Sexuality, Chicago 1994, S. 283-320. Die soziologischen Daten weisen darauf hin, dass Homosexualität in vielen Fällen kein stabiles Merkmal ist. Zur Adoleszenz: Savin-Williams RC: Prevalence and stability of sexual orientation components during adolescence and young adulthood. Arch Sex Behavior 36, 2007, S. 385-394. Siehe auch: Adoleszenz und sexuelle Orientierung

13 Siehe Fußnote 12. Außerdem: Whitehead, N., Change. Siehe: www.mygenes.co.nz/summary.htm

14 Siehe: Für das Recht auf Therapiefreiheit
Und Können Reorientierungstherapien erfolgreich und gewinnbringend sein?

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