Stellungnahme des DIJG zu Anfragen bezüglich unserer Arbeit und unseres Engagements zum Thema Homosexualität

1. Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG)

Das DIJG forscht und informiert über zukunftsfähige Lebensgrundlagen in den Bereichen Identität und Identitätsentwicklung, Ehe und Familie, Sexualität, Homosexualität, Anthropologie, Zusammenleben von Kulturen und Religionen. Auf der Grundlage eines jüdisch-christlichen Menschen- und Weltbildes, gespeist aus den Wurzeln unserer europäischen Geschichte, gibt es Orientierungshilfen zu den genannten Schwerpunkten.

Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) ist das Studienzentrum der Kommunität Offensive Junger Christen – OJC e.V. Die OJC ist eine ökumenische Kommunität in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Fachverband im Diakonischen Werk der EKD.

Die Arbeit des DIJG wird durch einen wissenschaftlichen Beirat begleitet, zu dem Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen gehören: 
Prof. Dr. Arnd Barocka; Prof. Dr. Ulrich Eibach; Prof. Dr. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz; Arthur Goldberg, J.D.; Prof. Dr. Inge Scharrer; Dr. med. Mag. phil. Christian Spaemann; Prof. Dr. Manfred Spieker; Dr. Martin Steinbach; Prof. Dr. Hans-Bernhard Wuermeling. 

2. Geschichte und Forschungsschwerpunkte

Das DIJG wurde 1969 gegründet. Anfangs lag einer der Arbeitsschwerpunkte in der Erforschung pathogener Strukturen in Jugendreligionen. Ausgelöst wurde dies durch zwei junge Menschen, die aus Jugendsekten ausgestiegen waren und in der OJC-Kommunität mitlebten. Das DIJG begann, sich mit den Zielen, Methoden und Motiven solcher Gruppen und mit den Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft auseinanderzusetzen. Mehrere Publikationen folgten.
1980 erfolgte eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit (SPD) zum Thema: „Differentielle Wirkungen der Praxis der Transzendentalen Meditation – Eine empirische Analyse pathogener Strukturen als Hilfe für die Beratung.“
Später befasste sich das DIJG erneut mit dem Thema, diesmal aus dem Blickwinkel der Religionsfreiheit in Europa.

In den 1980er Jahren wurden Sorge und Fürsorge für Menschen im südlichen Afrika Ausgangspunkt neuer Forschungsarbeit. Abermals begann dieses Engagement mit einer Begegnung. Eine Gruppe schwarzer Studenten aus Südafrika besuchte die OJC und berichtete über die Nöte in ihrem durch die Apartheid-Politik geprägten Land. Als Folge begann das DIJG, sich intensiv mit Fragen von Gewalt, struktureller Gewalt und gewaltlosen Alternativen zu befassen. Gleichzeitig förderte die OJC Landwirtschaftsprojekte für schwarze Farmer und Kleinbetriebe für schwarze Frauen und engagierte sich im Aufbau medizinischer Versorgung in einer ländlichen Region. Ausgelöst durch eine Begegnung mit dem führenden AIDS-Grundlagenforscher Michael G. Koch (Schweden), der das DIJG besuchte, begann die OJC auch, sich mit der AIDS-Problematik zu befassen. Bis heute engagiert sich die OJC bei AIDS-Projekten im südlichen Afrika und besonders im Kongo.

Seit den 1990er Jahren wurde die Frage der Interkulturalität ein weiterer Seminar- und Forschungsschwerpunkt des DIJG. Die Frage des interkulturellen und interreligiösen Miteinanders im Angesicht eines zusammenwachsenden Europa führte zu mehreren Symposien und Buchpublikationen. In sogenannten Dialogtagungen kamen Experten aus Judentum, Christentum und Islam miteinander ins Gespräch. Das zentrale Thema der Versöhnung führte in der Folge einer ersten Tagungsreihe dazu, dass die OJC 1995 vierzig Holocaust-überlebende Juden, die selber oder deren Vorfahren ehemals in Reichelsheim lebten, zu einer Begegnung in ihre alte Heimat eingeladen hat. Seither gibt es regelmäßige bilaterale Versöhnungsreisen zwischen Deutschen und Israelis, die die OJC durchführt.
Im Horizont des jungen Europa startete die OJC seit 1995 jährliche internationale Baucamps mit jungen Leuten aus aller Welt. Für das Projekt und die Studie „Internationales Baucamp: Bausteine für ein gelingendes Zusammenleben im 21. Jahrhundert“ wurde Dr. Dominik Klenk, Mitarbeiter des DIJG, in 2005 von der BMW-Stiftung mit dem BMW-Award für interkulturelles Lernen ausgezeichnet.

Seit den 1980er Jahren begann das DIJG auch mit seiner Forschungsarbeit zu den Themen Anthropologie, Identität, Identitätsentwicklung, Sexualität, Homosexualität. Später kam verstärkt das Thema Ehe und Familie aus psychologischer, soziologischer, sozialethischer und gesellschaftspolitischer Perspektive dazu. Das DIJG gründete zusammen mit anderen Organisationen die bundesweite Initiative Bündnis Ehe und Familie.

3. Homosexualität

Auch dieser Forschungszweig im DIJG wurde ausgelöst durch junge Erwachsene, die sich in der Folge des Evangelischen Kirchentages in Nürnberg 1979 an uns wandten. Es waren Männer und Frauen, die ihre homosexuellen Impulse als unvereinbar mit ihren Wünschen, Überzeugungen und Lebenszielen ansahen. Sie suchten konstruktive Wege zu einer Abnahme ihrer homosexuellen Impulse und , soweit möglich, zur Verstärkung und Entwicklung ihres heterosexuellen Potentials, kurz, Wege zu einer Veränderung. Wir hatten die Wahl, diese Menschen abzuweisen oder aber sie und ihre Wünsche und Hoffnungen auf Veränderung ernst zu nehmen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Einige von ihnen lebten dann auch zeitweise mit uns in der Kommunität. Das DIJG begann damals, sich intensiv mit der Ursachenforschung sowie mit Therapie- und Veränderungsmöglichkeiten bei ungewünschten homosexuellen Empfindungen zu befassen.

In der Folge dieser Arbeit wurde das DIJG assoziierter Partner von NARTH (National Association for Research and Therapy of Homosexuality), später von "The Alliance for Therapeutic Choice and Scientific Integrity".

3a) Das Recht auf Selbstbestimmung
Das DIJG respektiert die Würde, Autonomie und den freien Willen eines jeden Menschen. Homosexuell empfindende Menschen haben das Recht, eine homosexuelle Identität anzunehmen; sie haben aber ebenso das Recht, einen Weg der Veränderung zu gehen mit dem Ziel der Abnahme ihrer homosexuellen Impulse. Das Recht, eine Therapie mit dem Ziel der Abnahme homosexueller Impulse einzugehen, sollte unveräußerliches Recht sein; es gehört zur Selbstbestimmung und Freiheit eines jeden Menschen. 
Eine freie Gesellschaft muss zudem auch Raum lassen für sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, welches die Kernidentität eines Menschen ist und was Sinn, Ziel und Bestimmung menschlicher Sexualität ist.   
Menschen, die unter ihren homosexuellen Gefühlen leiden und diese als unvereinbar mit ihren Wünschen und Überzeugungen ansehen, sind heute in unserer Gesellschaft eine weithin übersehene und vergessene Minderheit. Das DIJG setzt sich für sie ein.

3b) Das Recht auf Therapie
Leidenden Menschen das Recht absprechen zu wollen, eine Therapie ihrer Wahl einzugehen und ein Therapieziel ihrer Wahl anzustreben, ist unsensibel und diskriminierend. Hier geht es um das freie Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Diese Position des DIJG wird unterstützt von einigen führenden Persönlichkeiten in der Amerikanischen Psychologenvereinigung (APA). 

So äußerte sich der frühere Präsident der Amerikanischen Psychologenvereinigung (APA), Robert Perloff 2004: „Der Einzelne hat das Recht zu wählen, ob er eine homosexuelle Identität annehmen will oder nicht. Es ist die Wahl des Einzelnen, nicht die Entscheidung einer ideologisch geprägten Interessensgruppe. Einen Psychotherapeuten, der einen Klienten mit Veränderungswunsch begleiten möchte, davon abzuhalten, ist Anti-Forschung, Anti-Wissenschaft und antagonistisch zur Suche nach Wahrheit.“1  

Nicholas Cummings, ebenfalls prominentes Mitglied der APA, ist der Überzeugung: „Ich setze mich auf das Entschiedenste für die Freiheit der Wahl für jeden ein, insbesondere für das Recht des Einzelnen, das Ziel seiner Therapie selbst zu wählen.“2

Nach der Jahrestagung der APA 2006 erklärte der damalige APA-Präsident Gerald Koocher, dass die Frage der therapeutischen Intervention bei ich-dystoner homosexueller Orientierung in erster Linie eine Frage der persönlichen Wahlfreiheit des Patienten sei. Therapeuten, so Koocher, haben die zentrale Pflicht, dem Patienten zu helfen, sein Therapieziel zu erreichen, auch das Ziel der Abnahme homosexueller Empfindungen. Natürlich müssten dabei ethische Standards eingehalten und die Patienten umfangreich aufgeklärt werden.3 

Selbst der bekannte US-amerikanische Homosexuellenaktivist Doug Haldemann ist der Auffassung: „Eine ähnliche Sache für viele ist, dass sie ein tiefes Gefühl für ihre religiöse oder spirituelle Identität haben, die manchmal ebenso tief gefühlt wird wie die sexuelle Orientierung. Für einige ist es leichter und emotional weniger eingreifend, eine Veränderung der sexuellen Orientierung zu erwägen, statt sich von einem religiösen Lebensstil zu lösen, der als absolut zentral für das eigene Persönlichkeits- und Sinngefühl angesehen wird… (…) Wie immer wir solche Entscheidung oder ihre psychologischen Beweggründe sehen mögen – haben wir das Recht einem solchen Menschen eine Therapie zu verweigern, die ihm helfen kann, sein Leben so zu führen, wie es seiner Entscheidung nach für ihn richtig ist? Ich denke, das haben wir nicht.“4

Reorientierungstherapien können verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologisch orientierte oder affekt-fokussierte Therapien sein. Therapien, die das Ziel einer Abnahme homosexueller Neigungen haben, können wirksam sein. Das haben zuletzt u.a. die Studien von R. Spitzer, Columbia Universität New York (2003), die neue Langzeitstudie von S.L. Jones und M.A. Yarhouse (2007, 2009) gezeigt.5 

Eine Schädlichkeit dieser Therapien ist nicht nachgewiesen, das bestätigt ebenfalls die Studie von Spitzer. „Im Gegenteil“, so Spitzer, „sie [die Klienten] berichteten, dass diese in verschiedener Hinsicht hilfreich waren auch über die Veränderung der sexuellen Orientierung hinaus.“6  

3c) Wofür wir uns einsetzen 
Für persönliche Wahlfreiheit
Nach wie vor entscheiden sich Männer und Frauen mit homosexuellen Empfindungen, ihre homosexuellen Gefühle nicht auszuleben. Ein homosexueller Lebensstil ist für sie nicht attraktiv. Sie wollen auch keine homosexuelle Identität annehmen. Obwohl sie die Möglichkeit einer gay-affirmativen Therapie hätten, lehnen sie diese für sich ab und suchen therapeutische und seelsorgerliche Wege zur Abnahme ihrer homosexuellen Impulse. Das DIJG unterstützt diese Menschen.

Für das Recht auf freien Zugang zu Informationen
Jeder hat die Freiheit, sich seine Auffassung über Homosexualität zu bilden. Das DIJG setzt sich dafür ein, dass Informationen über mögliche Ursachen und mögliche Veränderung homosexueller Empfindungen für jeden frei zugänglich sind. Wir wissen noch längst nicht alles über Homosexualität. Das DIJG setzt sich für eine unabhängige Forschung ein.

Für das Recht des Einzelnen auf persönliche Selbstbestimmung
Menschen, die ihre homosexuellen Empfindungen als unvereinbar mit ihren Wünschen und Lebenszielen erleben, haben das Recht auf therapeutische, seelsorgerliche und andere Hilfe (z.B. in Selbsthilfegruppen), um ihren selbstbestimmten Weg einer Veränderung gehen zu können.

Für das Recht auf Respekt
Das DIJG fordert Respekt für Menschen, die Wege einer Abnahme homosexueller Empfindungen gegangen sind, gehen oder gehen möchten. Das DIJG wendet sich gegen alle Gesetzesvorhaben, die das Recht des Einzelnen, solche Wege möglicher Veränderung in freier Selbstbestimmung gehen zu können, einschränken.

Anmerkungen

1 Zit. nach Nicolosi, J. (2006). Open Letter to APA President Koocher, APA Convention 2006. Verfügbar unter: http://www.narth.com/docs/nicospeech.html

2 Zit. nach Nicolosi, J. (2006). Open Letter to APA President Koocher, APA Convention 2006. Verfügbar unter: http://www.narth.com/docs/nicospeech.html

3 http://www.narth.com/docs/koocher.htm vgl. hierzu auch die nach dem Kongress abgegebene schriftliche offizielle Stellungnahme der APA:  http://www.apa.org/pi/lgbc/policy/0806koocher.pdf

4 Haldeman, D. (2000). Gay rights, patients’ rights: the implementation of sexual orientation conversion therapy (Paper presented at the meeting of the American Psychological Association). Washington D.C. (S. 3). Zit. nach Byrd, A.D. (2008). The Innate-Immutable Argument Finds No Basis in Science. http://www.narth.com/docs/innate.html

5 Spitzer, R. (2003). Can Some Gay Men and Lesbians Change Their Sexual Orientation? 200 Participants Reporting a Change from Homosexual to Heterosexual Orientation, Archives of Sexual Behavior, 32(5), 403-417. Jones, S.L., & Yarhouse, M.A. (2007). Ex-Gays?: A Longitudinal Study of Religiously Mediated Change in Sexual Orientation. Downers Grove, InterVarsity Press 2007; sowie 2009: http://wthrockmorton.com/wp-content/uploads/2009/08/Jones-and-Yarhouse-Final.pdf Auch die Studie von Karten zeigt, dass Veränderung einer homosexuellen Orientierung möglich ist: Karten, E. Y. et al., Sexual orientation change efforts in men: A client perspective. The Journal of Men’s Studies, 2010,18, 84-102.

6 Spitzer, R., ebd., S. 413.

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