Die Leiblichkeit steht dem im Weg

Warum eine homosexuelle Partnerschaft keine Ehe ist

 Christl R. Vonholdt

Aktuell wird in Politik und Gesellschaft über die rechtliche Einführung einer „Homo-Ehe“ diskutiert. Worum geht es? Was steht auf dem Spiel? Was sind die Unterschiede zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft? Was sind die Auswirkungen auf die nächste Generation?

Zwei Merkmale unterscheiden die Mann-Frau-Beziehung von jeder homosexuellen Partnerschaft: Die leiblich-körperliche Vereinigung und das Potential zur Weitergabe des Lebens. Beides gehört zusammen.

Ein leiblich-körperliches Einssein ist nur in der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau möglich. Während in jeder anderen Form von Beziehung ein Einssein in seelischer oder geistiger Hinsicht möglich ist, bezieht die Ehe in einmaliger Weise die Leiblichkeit des Menschen ein: in der Mann-Frau-Beziehung passen die Genitalien perfekt zueinander und ineinander – und bilden gleichzeitig die schöpferische Einheit, aus der neues Leben entstehen kann. Die Ehe beruht damit auf der einzigartigen leiblichen Komplementarität von Frau und Mann – letztlich auf der biologischen Disposition eines jeden Menschen zur Heterosexualität.

Wie keine andere Gemeinschaft verbindet die Ehe die Geschlechter und Generationen miteinander. So trägt sie in einzigartiger Weise zum Zusammenhalt, zur Integration, zur Stabilität und Solidarität (zwischen Mann und Frau und zwischen den Generationen) und zum Frieden einer Gesellschaft bei. Eugen Rosenstock schreibt: „In der Ehe werden nicht nur leibliche Kinder gezeugt, es wird auch eine Leistung vererbt: der Friedensschluss der Geschlechter. Dieser Friedensschluss wird die Weltanschauung der Kinder bestimmen.“1 Die Kulturleistung der Ehe ist einmalig. Wir können sie nicht hoch genug einschätzen.

Den einzigartigen Anspruch der Ehe unterstreichen zahlreiche empirische Fakten. Seit Jahren vertritt die Schwulenbewegung die Auffassung: In der Partnerschaft zählt die „soziale Treue“ (füreinander einstehen), was nicht zählt, ist die sexuelle Treue. Volker Beck äußerte in einem Interview im „stern“ (19.4.2011): „Ich finde, es kommt auf soziale Treue an. (…) Die Frage, ob mal jemand mit einem anderen ins Bett geht, ist zweitrangig.“

Die wichtigste Studie dazu führte das homosexuell lebende Männerpaar McWhirter und Mattison in den USA durch. Die Psychologen fanden heraus, dass „sexuelle Besitzanzeigen“ die größte Bedrohung für eine homosexuelle Männerpartnerschaft sind und dass langjähriges Zusammenleben nur möglich ist, wenn jeder seinem Partner erlaubt, sexuelle Begegnungen auch mit anderen zu haben: „Die Erwartung, dass Sex außerhalb der festen Beziehung vorkommt, war die Regel bei homosexuellen Paaren und die Ausnahme bei heterosexuellen Paaren.“2

Ein Indiz dafür, dass Sexualität in der Männerpartnerschaft anders als in einer üblichen Ehe gelebt wird, sind auch die aktuellen HIV-Daten. Trotz 25 Jahre AIDS-Aufklärung und Kondomwerbung betreffen 68% der HIV-Neuinfektionen Männer, die sexuelle Beziehungen mit Männern haben. (RKI, Berlin 20113.) Sexuelle Süchte und sexuelle Nötigung – auch innerhalb der Partnerschaft – sind bei homosexuell Lebenden häufiger zu finden.4

Der Mensch hat nicht nur einen Leib, er ist auch Leib. Was dem Leib passiert, betrifft den ganzen Menschen. Anders als die schwule Partnerschaft unterstützt die Mann-Frau-Beziehung die ganzheitlich-personale Integration sexueller Antriebe und damit die personale Ganzheit des Menschen.

In Anlehnung an Eugen Rosenstock können wir sagen: Nur für die Beziehung von Mann und Frau gilt, dass 1+1=1 ist, denn es ist eine neue, umfassende, auch leiblich-körperliche Einheit, und zugleich, dass 1+1= ∞ (unendlich) ist, denn nur die Beziehung von Frau und Mann kann neues Leben hervorbringen und weitergeben – von Generation zu Generation.

Die „Homo-Ehe“ und die nächste Generation

Von Befürwortern der „homosexuellen Ehe“ wird ins Feld geführt, sie nehme der traditionellen Institution nichts; sie sei nur eine Hinzufügung für eine kleine Gruppe. Aus empirisch gut belegter Sicht ist es aber unzulässig, von „Homosexuellen“ als von einer geschlossenen Gruppe zu sprechen. Homosexualität ist in vielen Fällen kein stabiles Merkmal, homosexuelle Gefühle sind weit weniger festgelegt als oft angenommen.5 Die Frage ist deshalb: Was ist Homosexualität? Eine natürliche Variante menschlicher Sexualität? Was bedeutet es dann, dass betroffene Menschen Veränderung suchen, weil sie der Auffassung sind, homosexueller Sex entspreche nicht dem „Bauplan“ des menschlichen Körpers?

Nach jetzigem Stand der Wissenschaft ist Homosexualität weder angeboren noch genetisch festgelegt. Eine Fülle von Studien weist darauf hin, dass in vielen Fällen homosexuelle Gefühle ihre Wurzeln in frühkindlichen seelischen Verletzungen haben. Dabei spielen Bindungsverletzungen in der Beziehung zum gleichgeschlechtlichen Elternteil eine wichtige Rolle; hinzu kommen Verletzungen in der Beziehung zu gleichgeschlechtlichen Gleichaltrigen. Sexueller Missbrauch kann zusätzlich Einfluss nehmen. Homosexuelles Verhalten stellt oft eine Abwehr gegen ein frühes Trauma dar, das die Kern- und Geschlechts-Identität verletzt hat.

Die Einführung einer „Homo-Ehe“ verschleiert diese Zusammenhänge massiv. Sie suggeriert, eine schwule oder lesbische Identität sei etwas Natürliches und Gegebenes. Joseph Nicolosi, ein Psychotherapeut, der mehr als 1000 homosexuell empfindende Männer begleitet hat, schreibt aber: „Die schwule Identität wird nicht ‚entdeckt’, als ob sie etwas Natürliches wäre, das schon ‚da’ wäre. Es ist eine von einer Gruppe gesteuerter, gesellschaftlich anerkannter Prozess der Neu-Erfindung der eigenen Identität, um dadurch emotionale Verwundungen zu verdecken. (…) Sie ist eine kollektive Illusion.“6

Besonders hoch ist die Flexibilität der sexuellen Orientierung in der Adoleszenz. Eine Befragung von fast 35.000 Jungen zwischen 12 und 20 Jahren ergab: 25,9% der 12-Jährigen waren sich unsicher, ob sie heterosexuell oder homosexuell seien. Bei den 18-Jährigen waren es 5%.7 (Im Erwachsenenalter bezeichnen sich nur 2-3% als schwul, lesbisch oder bisexuell.8) Verläuft diese Entwicklung automatisch oder spielt es eine Rolle, dass unsere Gesellschaft bisher die Ehe als Leitbild hatte?

Ist die „Homo-Ehe“ eingeführt, wird sie auch in Schulen vermittelt werden. Schon heute gibt es Kindergarten- und Schulbücher, die die neue „Ehe“ als etwas Selbstverständliches darstellen. In der Folge werden verunsicherte Jugendliche homosexuell experimentieren, um zu sehen, ob sie „schwul“ sind. Teenagern, die fragen, woher ihre homosexuellen Gefühle kommen, wird man keine Antwort mehr geben. Das Angebot zur konstruktiven Auseinandersetzung mit frühen Bindungstraumata – der wichtigste Schlüssel für Menschen, die sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Gefühle wünschen – wird es kaum noch geben. Ist das alles erstrebenswert?

Ein Adoptionsrecht?

Was bedeutet es für das Kindeswohl, wenn homosexuellen Partnerschaften ein allgemeines Adoptionsrecht zugestanden wird?

1. Kinder müssen sich damit auseinandersetzen, dass ihre Herkunft mit anonymer Samenspende oder zunehmend auch mit Leihmutterschaft zu tun hat.

2. Durch das Aufwachsen in einem homosexuellen Haushalt wird dem Kind immer und vorsätzlich eine Mutter- oder Vaterentbehrung zugemutet. Kaum etwas ist in der sozialwissenschaftlichen Forschung der letzten 40 Jahre so gut belegt wie die Tatsache, dass Mutter- oder Vaterentbehrung gravierende, oft lebenslange negative Folgen hat. Ein Kind, das bei Alleinerziehenden aufwächst, kann die „Fehlstelle“ noch betrauern und so konstruktiv bearbeiten. Die „homosexuelle Familie“ erhebt aber den Anspruch, eine „komplette Familie“ zu sein: niemand fehlt, „zwei Erwachsene“ genügen und Geschlecht ist unwichtig. Demgegenüber befinden die führenden Bindungsforscher Deutschlands Klaus und Karin Grossmann: „Wir haben es mit deutlichen Geschlechtsunterschieden im Einfluss der Eltern auf die Entwicklung ihrer Kinder zu tun. (…) Beide zusammen, Vater und Mutter, legen erst die Grundlagen für die psychische Sicherheit und ergänzen einander.“9

3. Bis heute kann keine einzige Studie nachweisen, dass Kinder in homosexuellen Haushalten ebenso gut aufwachsen könnten wie bei Mutter und Vater. Amerikanische Studien legen nahe, dass Kinder mit homosexuell lebendem Vater oder Mutter offener für homosexuelle Beziehungen sind und sich häufiger selbst als „nicht-heterosexuell“ bezeichnen.10

4. In England dürfen im Geburtsregister eines Kindes zwei Frauen als „Eltern“ eingetragen werden. Was bedeutet es für das Selbstverständnis eines Kindes, wenn es sich nicht seines doppelgeschlechtlichen, männlich-weiblichen Ursprungs vergewissern kann?

5. Die aktuelle Forschung hat Hinweise darauf, dass Kinder und Jugendliche, deren Vater eine homosexuelle Beziehung hat, in einem Umfeld aufwachsen, durch das sie einem höheren Risiko für sexuellen Missbrauch ausgesetzt sind.11 Wird hier weiter geforscht?

Ausblick

Homosexuell lebenden Menschen ist in Freiheit, Achtung und Respekt zu begegnen. Die Einführung einer „Homo-Ehe“ aber ist der Versuch, „das grundlegende Konzept und den Ethos des Lebens und der Biologie zu verändern.“ (Charles Socarides)12 Es ist der Versuch, die männlich-weibliche Struktur als Grundpolarität allen Lebens aufzulösen. Dem sollten wir uns entschieden widersetzen.

Oktober 2012

Zuerst erschienen (ohne Fußnoten) in „Die Tagespost“ vom 26.09.2012 unter dem Titel: Die kollektive Illusion der Homo-„Ehe“.

Anmerkungen

1 Siehe: Rosenstock-Huessy, E., Soziologie I, Kohlhammer, Stuttgart 1956, S. 251.

2 McWhirter, D., Mattison, A., The male couple – How relationships develop, Englewood Cliffs, NJ 1984, S. 3.

3 Epidemiologisches Bulletin des Robert Koch Instituts Berlin 21/2011 vom 30.05.2011. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2011/Ausgaben/21_11.pdf?__blob=publicationFile Zugriff 27.09.2012

4 Siehe hierzu: NARTH (Hrsg.)Journal of Sexuality, vol. I, 2009, S. 83 ff.

5 Die wichtigsten Forschungen hierzu wurden von der University of Chicago durchgeführt: Laumann, E.O., The social organisation of sexuality, University of Chicago, Chicago 1994, S. 283-320.

6 Nach Nicolosi, J., Gay as self-reinvention, Zugriff 27.09.2012

7 Remafedi, G., Demography of sexual orientation in adolescents. Pediatrics, 89, 1992, S. 714 f.

8 Siehe Laumann, E.O., The social organisation of sexuality, a.a.O.
Eine repräsentative Befragung aus dem Jahr 2011 fand heraus: Nur 1,7% der Männer zwischen 15 - 44 Jahren bezeichneten sich in der Selbstidentität als schwul. National Health Statistics Report, US Centers for Disease Control and Prevention, CDC, März 2011.

9 Grossmann, K. und K., Bindungen – das Gefüge psychischer Sicherheit, Klett, Stuttgart 2004, S. 16.

10 Siehe: Stacey, J., Biblarz, T. J., (How) does the sexual orientation of parents matter? American Psychological Review 66, 2, 2001, S. 159-183.
A. Dean Byrd, Gender complementarity and child rearing: where tradition and science agree. http://www.narth.com/docs/GenderComplementarityByrd.pdf

Schumm, W.R., Children of homosexuals more apt to be homosexuals? A reply to Morrison and to Cameron based on an examination of multiple sources of data. Journal of Biosocial Science, 2010, 42, S. 721-742.

Regnerus, M., How different are the adult children of parents who have same-sex relationships? Findings from the New Family Structures Study. Social Science Research, 41, 4, 2012, S. 752-770. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0049089X12000610 Zugriff 27.09.2012.
Diese repräsentative Studie kommt auch zu dem Schluss, dass es zahlreiche und bedeutsame Unterschiede gibt zwischen Kindern und Jugendlichen, die bei ihren biologischen Eltern aufwuchsen, gegenüber denen, deren Mutter oder Vater eine homosexuelle Beziehung hatte. Letztere schnitten, so die Studie, in fast allen Bereichen „suboptimal“ ab.

11 Siehe: Regnerus, M., How different are the adult children of parents who have same-sex relationships? Findings from the New Family Structures Study. (Fußnote 10.) „Kinder und Jugendliche, deren Vater eine homosexuelle Beziehung hatte, hatten signifikant häufiger schon (im Vergleich zu denen, die bei ihren biologischen Eltern aufwuchsen)… eine sexuell übertragbare Erkrankung gehabt, sexuellen Missbrauch erlebt...“ (S. 763). Aus der Studie geht im Einzelnen nicht hervor, ob es sich um homosexuellen oder heterosexuellen Missbrauch handelt und ob der Missbrauch in Kindheit, Jugend oder möglicherweise erst im Erwachsenenalter stattfand.
Siehe auch: Und das ist nicht gut so. Adoptionsrecht für homosexuell Lebende missachtet Wohl der Kinder »
Siehe auch die Zusammenstellung einiger Studien in: NARTH (Hrsg.) Journal of Sexuality, vol. I, 2009, S. 84 f.

12 Socarides, Ch., Die Auflösung der heterosexuellen Norm. http://www.dijg.de/homosexualitaet/gesellschaft/aufloesung-heterosexuelle-norm/

Von

  • Christl Ruth Vonholdt

    Dr. med., Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, frühere Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft. Arbeitsschwerpunkte: Identität, Identitätsentwicklung, Bindungstheorien, Sexualität, Auseinandersetzung mit den Gender-Theorien und christliche Anthropologie.

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