Stellungnahme zur Presseerklärung des Antidiskriminierungsbüros in Leipzig

von Christl R. Vonholdt

Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) respektiert die Würde, Autonomie und den freien Willen eines jeden Menschen. Wir sind der Auffassung, dass homosexuell empfindende Menschen das Recht haben, eine homosexuelle Identität anzunehmen; sie haben aber ebenso das Recht, einen Weg der Veränderung zu gehen mit dem Ziel der Abnahme ihrer homosexuellen Empfindungen und der Entwicklung ihres heterosexuelles Potentials.

Das DIJG unterstützt insbesondere Menschen, die unter ihrer Homosexualität leiden, d.h. diese als ich-dyston erleben, und sich deshalb Wege der Veränderung hin zur Entwicklung ihres heterosexuellen Potentials ersehnen.
Diesen Menschen ihre selbstbestimmten und selbstgewählten Ziele der Veränderung absprechen zu wollen, ist mehr als paternalistisch. Es ist, als wolle man ihnen sagen, ihre Hoffnung auf Veränderung sei nur verinnerlichte Homophobie. Das ist diskriminierend.

Das DIJG unterstützt die Reparativtherapie, eine erprobte und bewährte Therapieform, die das Ziel hat, homosexuell empfindende Menschen auf ihrem selbstbestimmten Weg der Veränderung hin zur Entwicklung ihres heterosexuellen Potentials therapeutisch zu begleiten. Der Begriff der „Umerziehung“ ist sachlich falsch und für diese Menschen verletzend. Er wird den Biografien zahlloser Menschen, die Veränderung erfahren haben, nicht gerecht.
Die Behauptung, dass solche Therapie schade, entbehrt der wissenschaftlichen Grundlage. Im Gegenteil hat u.a. die umfangreiche Studie von Robert Spitzer gezeigt, dass bei vielen Menschen, die dies wünschten, durch eine Reparativtherapie nicht nur eine Abnahme der homosexuellen Empfindungen erreicht wurde, sondern auch eine Verringerung depressiver Verstimmungen.

Leidenden Menschen das Recht absprechen zu wollen, eine Therapie ihrer Wahl einzugehen und ein Therapieziel ihrer Wahl anzustreben, ist unsensibel und in hohem Mass diskriminierend.

Der frühere Präsident der Amerikanischen Psychologenvereinigung (APA), Robert Perloff äußert sich 2004: „Der Einzelne hat das Recht zu wählen, ob er eine homosexuelle Identität annehmen will oder nicht. Es ist die Wahl des Einzelnen, nicht die Entscheidung einer ideologisch geprägten Interessensgruppe. Einen Psychotherapeuten, der einen Klienten mit Konversionswunsch begleiten möchte, davon abzuhalten, ist Anti-Forschung, Anti-Wissenschaft und antithetisch für die Suche nach Wahrheit.“   

Und Nicholas Cummings, auch früherer APA-Präsident, sagte 2005: „Ich setze mich auf das Entschiedenste für die Freiheit der Wahl für jeden ein, insbesondere für das Recht des Einzelnen, das Ziel seiner Therapie selbst zu wählen.“

Auf der im August 2006 stattgefundenen Jahrestagung der Amerikanischen Psychologenvereinigung stellte der jetzige Präsident, Gerald Koocher, ausdrücklich fest, dass die APA keine Probleme damit hat, dass Psychologen Reparativtherapien anbieten.

Ein homosexueller Lebensstil ist nicht für jeden homosexuell empfindenden Menschen attraktiv. Als DIJG erleben wir, dass Menschen sich bewusst gegen gay-affirmative Therapieangebote entscheiden und sich Reparativtherapieangebote wünschen. Es wäre eine Diskriminierung dieser Menschen, ihre Wünsche nicht ernst zu nehmen und nicht zu respektieren.  

Selbst der bekannte Homosexuellenaktivist Doug Haldemann ist der Auffassung: „Eine ähnliche Sache für viele ist, dass sie ein tiefes Gefühl für ihre religiöse oder spirituelle Identität haben, die manchmal ebenso tief gefühlt wird wie die sexuelle Orientierung. Für einige ist es leichter und emotional weniger eingreifend, eine Veränderung der sexuellen Orientierung zu erwägen, statt sich von einem religiösen Lebensstil zu lösen, der als absolut zentral für das eigene Persönlichkeits- und Sinngefühl angesehen wird… (…) Wie immer wir solche Entscheidung oder ihre psychologischen Beweggründe sehen mögen - haben wir das Recht einem solchen Menschen eine Therapie zu verweigern, die ihm helfen kann, sein Leben so zu führen, wie es seiner Entscheidung nach für ihn richtig ist? Ich denke, das haben wir nicht.“

 
© DIJG Oktober 2010, aktualisiert Mai 2011

Dr. med. Christl Ruth Vonholdt

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft. Arbeitsschwerpunkte: Identität, Identitätsentwicklung, Bindungstheorien, Sexualität, Auseinandersetzung mit den Gender-Theorien, christliche Anthropologie.