Ichdystone Homosexualität und Therapie

Ein Praxisbericht

Markus S. Hoffmann

Markus S. Hoffman ist Therapeut und langjähriger Leiter der Beratungsorganisation wuestenstrom e.V. Im folgenden Beitrag fasst er Erkenntnisse und Erfahrungen aus über fünfzehnjähriger Praxis zusammen.

In diesem Beitrag geht es vor allem um das Phänomen der männlichen Homosexualität und darum, wie eine mögliche psychologische Begleitung aussehen kann. Grundlage sind die Erfahrungen, die wir in unserer Beratungsarbeit in den letzten fünfzehn Jahren mit über 3.000 homosexuell empfindenden Menschen gemacht haben.

Auch wenn ich nicht für alle homosexuell Empfindenden sprechen kann, möchte ich Wesentliches aus der praktischen Arbeit mit denjenigen weitergeben, die ihre Homosexualität als nicht zu sich gehörend – als „ichdyston“ – erleben.

Im ersten Teil geht es um psychodynamische Hintergründe, die wir beobachten. Im zweiten Teil werden entlang eines Fallbeispieles Grundlinien unserer Begleitung erläutert.

Teil 1: Männliche Homosexualität – Kann das ein Problem sein?

Folgt man dem Psychotherapeuten Udo Rauchfleisch, dann gehen wir „heute davon aus, dass die sexuellen Orientierungen, Hetero-, Bi- und Homosexualität, selbst in keinem ursächlichen Zusammenhang mit psychischer Gesundheit und Krankheit stehen, sondern in sich je das ganze Spektrum von Gesundheit bis Krankheit enthalten.“1 Rauchfleisch deutet damit an, dass es für ihn keine psychischen Ursachen für Homosexualität gibt. Homosexualität, so Rauchfleisch, sei eine „Schöpfungsvariante“, die im „homosexuell geborenen Menschen“ nur da zum Leiden werde, wo er in eine Gesellschaft hineinwachse, die heterosexuell ausgerichtet sei und der Homosexualität mit Ängsten, Repressionen oder moralischen Vorhaltungen begegne.

Völlig anders sieht das der Psychiater und Psychoanalytiker Stavros Mentzos in seinem Buch „Neurotische Konfliktverarbeitung“2. Für Mentzos steht die homosexuelle Objektwahl eines Mannes zum einen im Zusammenhang mit Ablösungs- und Abgrenzungsschwierigkeiten des Jungen von der Mutter, zum anderen mit einer mangelnden Möglichkeit zur Identifikation mit einem schwachen oder (emotional oder real) abwesenden Vater. Mentzos kommt zu dem Schluss: „Alles in allem erscheint mir die Vermutung gerechtfertigt, dass bei einer großen Anzahl von homosexuellen Männern die Homosexualität eine durch spezielle Selbstentwicklungsproblematik erzwungene Lösung mit Abwehr- und Reparationscharakter darstellt.“3

Beispiel 1: Homosexualität als Reparation

Eine von vielen hundert Geschichten von Männern, die ihre Homosexualität als nicht zu sich gehörend empfinden, unterstreicht die Aussage von Mentzos.

Ein Mann, Mitte 30, erzählt, er habe einige Jahre in einer homosexuellen Beziehung gelebt. Allerdings habe er auch in dieser Beziehung das Gefühl einer inneren Minderwertigkeit oder das Empfinden, ein Nichts zu sein, nicht überwinden können. Dieses Empfinden kenne er von Kindesbeinen an. Der Vater – obwohl er äußerlich da war – sei für ihn unerreichbar weit weg gewesen. Ihm gegenüber habe er sich immer unterlegen gefühlt, dabei habe er sich nichts anderes als dessen Liebe gewünscht. Bis heute habe er das Gefühl, ein „Nichts“ und bedeutungslos zu sein, vor allem gegenüber gleichaltrigen Männern. Im Kontakt mit ihnen stelle sich sofort das Empfinden ein, unbedeutend zu sein, gepaart mit der Angst, die Männer könnten das bemerken. Manchmal, so erzählt er, gelinge es ihm, diese Gedanken abzuwehren, indem er einen anderen Mann intellektuell dominiere. Diese Dominanz breche aber irgendwann zusammen und dann bliebe ihm nur noch die Flucht und ein Rückzug. Seine Flucht ende meist in homosexuellen Phantasien, in denen er davon träume, die Stärke eines anderen Mannes in der sexuellen Vereinigung in sich aufzunehmen, was ihm für einen Moment inneren Halt und das Gefühl vermittle, Bedeutung zu haben.

Der Mann scheint die Homosexualität zur Stabilisierung einer Selbstwertproblematik zu verwenden. Ist das aber die angemessene Sicht?

Nach Rauchfleischs Auffassung – und der anderer Psychiater und Psychotherapeuten – müsste man den Mann darin unterstützen, seine „angeborene Homosexualität“ anzunehmen.4 Dabei wird übersehen, dass es nach den Erkenntnissen der modernen Sexualwissenschaften so etwas wie eine „angeborene“ Homosexualität gar nicht gibt. Im Gegenteil. Viele Sexualwissenschaftler halten eine solche Auffassung für ideologisch motiviert.5 Der Sexualwissenschaftler Rolf Gindorf konnte aufzeigen, dass die Vorstellung von einer „angeborenen Homosexualität“ Ende des neunzehnten Jahrhunderts von homosexuell empfindenden Juristen und Medizinern entwickelt wurde. Sie wollten damit ihr gleichgeschlechtliches Begehren vom Etikett des Krankhaften befreien. Nachgewiesen werden konnte ihre These von der „angeborenen Homosexualität“ allerdings bis heute nicht.
Wie kann die Homosexualität des genannten Mannes dann verstanden werden, wenn es keine angeborene Homosexualität gibt?

Mit Rückgriff auf die in der Sexualwissenschaft immer wieder rezipierten Deutungsmuster kann der geschilderte Fall auch so gelesen werden: Die deutschen Sexualwissenschaftler Friedemann Pfäfflin und Eberhard Schorsch ebenso wie der amerikanische Psychiater Robert Stoller stellen aufgrund ihrer Beobachtungen die Theorie auf, dass der Mensch in der Sexualität psychische Inhalte verarbeite. So sagt Stoller, dass der Mensch in seiner Sexualität immer gegen etwas kämpfe.6 Schorsch und Pfäfflin dagegen sprechen in ihren Untersuchungen von einem nicht-sexuellen Abwehr-Sehnsuchts-Konflikt, den Menschen immer wieder in ihrer Sexualität austragen. Schorsch meint, dass sexuelle Lust nicht nur die Abwehr von traumatischen Erlebnissen sei, sondern zugleich „Verschmelzung und Auflösung von Ich-Grenzen einerseits und das Sich-Selbst-Erleben im narzisstischen Hochgefühl des Orgasmus anderseits.“7

Reflektiert man den oben geschilderten Fall mithilfe dieser Theorien, kommt man zu folgender Deutung:

Das Beispiel zeigt einen jungen Mann, der durch das Erleben mit seinem Vater die Wahrnehmung verankert hat, für andere Männer uninteressant oder bedeutungslos zu sein. Die Erfahrung mit dem Vater trägt er als Beschämung in sich. In der Begegnung mit anderen Männern nun bedrängt ihn das innere Empfinden, keine Bedeutung zu haben oder ein Niemand zu sein. Gleichzeitig hat er Angst, dass die anderen Männer diesen innerlich empfundenen Makel aufdecken könnten. Unbewusst erwartet er, auch von ihnen wieder beschämt zu werden. Sein Handeln hat deshalb das Ziel, solche mögliche Beschämung abzuwehren. Zugleich sucht er die Nähe und Verbundenheit mit den anderen Männern – die er mit seinem Vater nie erlebt hat. Nähe und das innere Gefühl, selbst Bedeutung zu haben, kann er aber nur durch den illusionären Rückzug in die sexuelle Phantasie erreichen. Im Hochgefühl der Phantasie, ganz mit einem Mann vereinigt zu sein, gelingt ihm einerseits die Überwindung der Bedrohung durch Beschämung und andererseits die Herstellung eines Selbstempfindens, dass seine Sehnsucht nach Bedeutung und Akzeptanz durch die Nähe zu einem anderen Mann erfüllt werde.

Nicht nur bei Schorsch, Pfäfflin und Stoller, sondern ebenso bei dem Psychoanalytiker und Psychotherapieforscher Otto Kernberg8 oder in neueren Arbeiten zum Thema Bindung und Sexualität9 sind solche und ähnliche Falldeutungen aus dem Bereich der Sexualität zu finden.

Damit ist gesagt: Sexualität und sexuelle Orientierung können sehr wohl Ausdruck eines innerpsychischen Konfliktes sein. Dies kann man aber nur herausfinden, wenn man nicht von vornherein die Wahrnehmung durch die Behauptung einschränkt, Homosexualität dürfe nichts mit dem Erleben von innerpsychischen Konflikten zu tun haben – wie das etwa Rauchfleisch tut10. Rauchfleischs These von der „Schöpfungsvariante“ kann sich übrigens auch auf keine Forschungen zu hormonellen, genetischen oder hirnorganischen Bedingungen stützen.11

Homosexualität als extrapsychische Konfliktlösung

In den Falldarstellungen unzähliger Männer taucht immer wieder der von Schorsch und Pfäfflin beschriebene „Abwehr-Sehnsuchts-Konflikt“ auf. Im Mittelpunkt stehen dabei meist Themen der männlichen Geschlechtsidentität. Konkret beobachten wir sehr oft folgende innerpsychische Konfliktthemen bei homosexuell empfindenden Menschen: Das Thema:

  • „Wer bin ich?“: „Ich fühle mich als Mann in meiner Haut verunsichert, habe aber den Wunsch, mich als Mann zu fühlen.“
  • Das Thema: „Zugehörigkeit zur Gruppe der Gleichgeschlechtlichen“: „Ich gehöre nicht zur Gruppe der anderen Jungs oder fühle mich als Außenseiter, will aber von meinen Geschlechtsgenossen wahrgenommen und angenommen werden.“
  • Das Thema: „Potenz und männliche Leistungsfähigkeit“: „Ich fühle mich weniger potent als andere Männer, strebe aber danach, genauso potent wie sie zu sein.“

Liest man diese Themen- und Konfliktbereiche vor dem Hintergrund der Beobachtungen, die etwa Eleanor Maccoby in ihren entwicklungspsychologischen Studien zur Entwicklung von Geschlechtsidentität gemacht hat, fällt auf: Es handelt sich um zentrale Themen und Entwicklungsschritte, die sich jeder Mann auf dem Weg der Ausreifung einer heterosexuellen Geschlechtsidentität erarbeiten oder die er durchschreiten muss.12 Anders gesagt: Die Männer, die wir in der Beratung erleben, konnten offensichtlich einen bestimmten Schritt auf dem Weg der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität nicht erfolgreich gehen. Sie sind sozusagen bei ihrer Suche nach ihrem Mannsein stecken geblieben. Um ihnen zu helfen, müssen wir verstehen, in welche Sackgasse sie geraten sind, und wie es bei ihnen zu einer homosexuellen Orientierung als „Ausweg“ kam. 

Entwicklung von Geschlechtsidentität und mögliche Sackgassen

Vor allem drei Fragen muss sich ein Junge auf dem Weg zum Mannsein beantworten: „Bin ich ein Mann in einem männlichen Körper?“, „Gehöre ich zu den anderen Männern?“ und „Verfüge ich über männliche Potenz und Handlungsfähigkeit?“ Robert Stoller benennt die für diesen Weg notwendigen Entwicklungsschritte mit den Begriffen Core Gender Identity, Gender Identity und Potency13.
In den Fragen spiegelt sich eine vielschichtige Herausforderung für jeden Jungen. Erik H. Erikson hat in seiner Definition von Identität deutlich gemacht, dass die innere Gewissheit und das Wissen darüber, wer ich bin, in Einklang gebracht werden muss mit dem Vertrauen, dass andere, für mich wichtige Personen, dieses Identitätsgefühl bestätigen14. Es braucht also ein „ich“ und „andere“, ein „innen“ und „außen“. Das Ringen um die Antwort der genannten Fragen geschieht in dieser Spannung von Innen und Außen und ist daher ein Prozess, der nur durch Beziehungen verwirklicht werden kann.

Ähnliches deutet Wolfgang Mertens an, wenn er davon spricht, dass der Mensch zu „gefühlshafter Gewissheit... einer harmonischen Ganzheit“ finden muss. Seiner Ansicht nach hat das viel mit dem Abtrauern von Schwächen und begrenzten Geschlechtsmöglichkeiten zu tun.15

Unter „Geschlechtsmöglichkeiten“ versteht Mertens das Aussehen, die Gaben und Fähigkeiten, den Intellekt etc., die einem jeweiligen Menschen als Ausdruck des eigenen Frauseins oder Mannseins zur Verfügung stehen.

Bricht man die These von Mertens auf das Selbsterleben eines ein bis zwei Jahre alten Jungen herunter, ergibt sich in Verbindung mit Heinz Kohuts16 Selbstpsychologie folgendes Szenario: Wir sehen einen Jungen, der auf der einen Seite auf schier unbegrenzte Geschlechtsmöglichkeiten seines Mannseins blickt, auf der anderen Seite sich aber in diesem grandiosen Empfinden durch sein reales Vermögen und seine Umwelt, die ihn begrenzen, bedroht fühlt. Der Junge empfindet in Bezug auf sein Selbst eine Spannung von Stärke und möglichem Mannsein einerseits sowie Schwäche, die mit der realen Begrenzung seines Mannseins zu tun hat, andererseits. Ganz mit seinem Wachsen und Werden beschäftigt, hat er noch kein klares Bild von seinen tatsächlichen Stärken oder Begrenzungen und Schwächen. Aus der Bindungstheorie wissen wir aber, dass der Junge zu einer „harmonischen Ganzheit“ seines Personseins nicht allein finden kann, sondern, dass er dazu die „feinfühlige“ Begleitung seiner Eltern braucht17. Die Herausbildung von Identität geschieht nur in der Spannung von „innen“ und „außen“.

In dem Geflecht von Herausforderungen und Spannungen verschärfen sich die eingangs genannten Fragen, die der Junge auf dem Weg zu seiner männlichen Identität bearbeiten muss:

  • Die Frage nach der Männlichkeit ist bedroht von der Tatsache, dass der Junge nur Mann in dem ihm mitgegebenen Körper sein kann – mitsamt dessen Begrenzungen. 
  • Die Frage der Zugehörigkeit zu den anderen Männern ist bedroht von der Tatsache, dass kein Mann der bewunderte und geschätzte Freund aller Männer sein kann. Seine ihm mitgegebenen Stärken und Schwächen werden von manchen bestätigt und ertragen, von anderen aber nicht.
  • Noch deutlicher wird die Spannung bei der Frage nach der männlichen Handlungsfähigkeit und Potenz. Jeder Mann verfügt nur über ein bestimmtes Maß an Stärken, die es ihm erlauben, sich handelnd in Szene zu setzen. Dem gegenüber stehen aber auch Begrenzungen und Schwächen, durch die er leicht an den Rand gedrückt und vor allem in der Gruppe der Jungs zum „fünften Rad am Wagen“ degradiert werden kann. 

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, was Mertens mit der Aussage meint, dass die Herausbildung von Identität viel mit dem Abtrauern von begrenzten Geschlechtsmöglichkeiten zu tun hat. Um den Weg des „Abtrauerns“ gehen zu können – und dabei eben nicht beschämt zu werden – braucht der Junge die „feinfühlige“ Begleitung seiner Eltern. Feinfühligkeit meint zunächst, dass die Eltern die kindlichen Signale richtig wahrnehmen.18 Dazu gehört das Wahrnehmen von Bedürfnissen körperlicher Versorgung, wie Essen und Trinken. Dazu gehört aber auch das Wahrnehmen von drei zentralen identitätsstiftenden Bedürfnissen:

  1. das Verlangen des Kindes nach Abgrenzung, verbunden mit dem Wunsch nach einem eigenen Ich und einem eigenen Bild von sich selbst
  2. der Wunsch nach Selbstbehauptung und Erprobung der eigenen Fähigkeitendas
  3. Bedürfnis nach Bindung verbunden mit dem Wunsch nach Regulation von Angst, Unsicherheit, dem Wunsch nach Problemlösung und Bestätigung.19

Das bindungstheoretische Konzept von Feinfühligkeit meint die Aufgabe der Eltern, sich ganz und gar auf den Entwicklungsprozess des Kindes einzulassen und es nicht nur bei der Beantwortung der Frage nach seinem Selbst zu unterstützen, sondern es mittels Bindung auch bei der Regulation von Unsicherheiten, Ängsten und Trauer zu helfen. Der Prozess des Abtrauerns begrenzter Geschlechtsmöglichkeiten geschieht also in der Bindung zu den Eltern.

Eine Antwort auf die Fragen nach seiner Geschlechtsidentität kann ein Junge nur finden, wenn Mutter und Vater seine Art der Männlichkeit auf der einen Seite bestätigen und fördern, ihm auf der anderen Seite aber helfen, über seine Grenzen und selbstempfundenen Schwächen zu trauern oder ihn dabei unterstützen, diese behutsam zu erweitern.

Die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ ist dann die Summe dessen, wie Mutter und Vater auf die genannten Stärken und Schwächen des Jungen eingehen, und welches Bild er dadurch von sich selbst und anderen entwerfen kann. Gelingt dieser Prozess, entwickelt sich aus bindungstheoretischer Perspektive in der heranwachsenden Person ein gesundes „inneres Arbeitsmodell“. Ein solches inneres Arbeitsmodell ist die Einverleibung derjenigen Bindungserfahrungen, die dem Jungen geholfen haben, sein Selbst in der Auseinandersetzung mit seinen Schwächen und Stärken zu formen. Dazu gehört auch die Erfahrung von Trost und Hilfe beim Abtrauern nicht erreichter Geschlechtsmöglichkeiten. Mit Hilfe seines inneren Arbeitsmodells kann eine Person zwei krisenrelevante Aufgaben bewältigen: Erstens die kontinuierliche Herstellung der Antwort auf die Frage, wer man in den eigenen und den Augen anderer ist. Zweitens die Fähigkeit, die Stabilität und Kohärenz des eigenen Personseins auch dann aufrechterhalten, wenn man sich mit Grenzen der eigenen Person konfrontiert sieht oder das innere Gleichgewicht durch Schicksalsschläge ins Wanken gerät. Im inneren Arbeitsmodell ist das Wissen gespeichert, wie im Krisenfall ein Mensch die innere Balance zwischen starken und schwachen Anteilen behalten kann und sich ein Gefühl der inneren Ganzheit erhalten kann, weil er gelernt hat, Nähe und Trost in Beziehungen zu finden.20

Folgt man diesen Ausführungen, so liegt auf der Hand, dass ein Junge kein eindeutiges, abgegrenztes Bild seines Mannseins entwickeln kann, wenn er eine Mutter hat, die seinem Mannsein diffus oder aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte abwehrend gegenüber steht. Es liegt nahe, dass in einem solchen Jungen die diffusen, abwehrenden, vielleicht auch aggressiven Botschaften der Mutter zu einem Bestandteil seines eigenen inneren Bildes werden. Der Junge kann dann sein Selbst nicht klar von der Mutter abgrenzen, was in ihm die Antwort auf seine Frage „Wer bin ich“ vernebelt. Er kommt nicht zu einer realitätsbezogen Balance in der Spannung zwischen den Stärken und Schwächen seines Mannseins. Und er kann seine Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf seine männliche Identität in einer solchen Mutter-Sohn-Beziehung auch nicht regulieren. Stattdessen muss er meist die Mutter hinsichtlich ihrer Ängste dadurch beruhigen, dass er die Impulse seines in ihm aufkeimenden Mannseins zurückhält.

Ähnliches geschieht in der Vater-Sohn-Beziehung, wenn der Vater für den Jungen unerreichbar erscheint, oder dieser auf den Sohn genervt, aggressiv oder abwertend reagiert.21 Ein solcher Vater kann seinen Sohn nicht feinfühlig in dem Bedürfnis nach einer abgegrenzten männlichen Identität unterstützen, der Junge bleibt dem diffusen Bild seiner Stärken und Schwächen ausgeliefert. Ebensowenig lernt der Junge, welche Bedeutung die Nähe zwischen zwei Männern haben kann, wenn man über seine Grenzen trauert oder sich an seinen Stärken freut.

Was dies alles im Horizont männlicher Homosexualität heißen kann, sollen zwei Beispiele verdeutlichen:

Beispiel 2: T., dessen Geschlechtsidentität von den diffusen Ängsten der Mutter beeinflusst wird

T. ist 29 Jahre alt und erfolgreich in der Computerbranche tätig. Er erzählt, dass die Mutter seinem Mannsein immer schon abwehrend gegenüber stand. Ihre gesamte Erziehung war von dem Wunsch durchdrungen, dass T. nicht werden solle wie der Vater. Der war rücksichtslos, vergaß seine familiären Pflichten und hatte Affären mit anderen Frauen. Schon früh übernahm der Junge die Vorstellung der Mutter, dass männliches Verhalten schlecht sei, und folgte ihrem Rat, sich nicht mit Jungs einzulassen. Schon im Kindergarten, so T., hätten ihm die anderen Jungs irgendwie Angst gemacht; jede Begegnung mit ihnen sei von der inneren Vorstellung begleitet gewesen, die anderen könnten ihn ablehnen oder sich ihm gegenüber aggressiv verhalten. Daneben habe T. aber auch die Sehnsucht gehabt, von den anderen Jungs akzeptiert zu werden. Da T. das Bild der inneren Angst nicht habe abschütteln können, sei das Befürchtete schon bald Realität geworden: T. sei von anderen Jungs gemieden worden und habe sich daher in die Gruppe der Mädchen zurückgezogen. Insgeheim habe er aber immer davon geträumt, ein Junge zu sein, der von anderen Jungs akzeptiert und bewundert wird. Dieser Traum habe in seiner Phantasie bald breiten Raum eingenommen. So habe er sich mit Jungs, die im Mittelpunkt standen, verglichen und den phantastischen Glauben in sich entwickelt, dass er auch ein richtiger Junge wäre, wenn er nur den Namen eines anerkannten Jungen tragen würde oder dessen sportlichen Körper besitzen könnte. In der Pubertät habe T. begonnen, diese Wünsche zu erotisieren, was in die Entwicklung eines homosexuellen Begehrens mündete.

T. ist ein Beispiel dafür, wie das Selbstbild eines Jungen durch die Mutter verunsichert werden kann. T. hat die Angst der Mutter vor Männern und ihre Enttäuschung über Männer in das Bild seiner eigenen Geschlechtsidentität aufgenommen. Man kann sagen: T. weiß nicht, wer er ist. Er hat ein „fremdes Selbst“, nämlich das Selbst der Mutter in sich aufgenommen, das ihm vor allem sagt, was er nicht sein darf. T. hat sich in seiner Entwicklung auf die Ängste der Mutter eingelassen und dabei die Frage des eigenen Mannseins zurückdrängen müssen. Gleichzeitig war T. von Beziehungen abgeschnitten, die ihm bei der Beantwortung der Frage „wer bin ich“ – also der Frage nach seiner Geschlechtsidentität – hätten helfen können. Der Weg zum Vater, dem er nicht ähnlich werden darf, war ihm versperrt, ebenso der Weg zu den anderen Jungen. T. kann ihnen nur über die Befürchtungen begegnen, die seine Mutter in ihn gelegt hat. Die daraus resultierende, umfassende Verunsicherung führt dazu, dass T. kein inneres Arbeitsmodell aufbauen konnte, um sein Selbst entlang seiner Stärken und Schwächen differenzieren und wahrnehmen zu können. Es fehlt T. auch die Erfahrung, wie er aus der Beziehung zu Männern Stärkung und Wertschätzung für seine Identität als Mann gewinnen kann. Am Ende ist T. in sich zerrissen: Die Sehnsucht nach seinem Mannsein und der Wunsch, zu den Männern gehören zu wollen, konkurrieren mit der von der Mutter in ihn gelegten Angst vor Männern. Die Frage seiner Geschlechtsidentität verlegt T. daher in die Phantasie. Im Begehren des Mannes, der er selbst gern wäre, kann er kurzfristig seine Angst vor Männern überwinden.

Beispiel 3: N., der sich von seinem Vater zurückgewiesen fühlt

N. ist Anfang zwanzig und studiert Betriebswirtschaft. Er erzählt, dass sich sein Vater eigentlich immer um ihn gekümmert habe. Schon früh habe er sich von ihm aber überfordert gefühlt. Der Vater habe von ihm sportliche Leistungen erwartet, denen er sich nicht gewachsen fühlte und auf die er mit Angst reagiert habe. Für die Angst seines Sohnes hätte der Vater kein Verständnis gehabt. N. habe dadurch schon früh das Gefühl entwickelt, in den Augen des Vaters ein Versager zu sein oder nicht zu genügen. Schnell hätte dieses Gefühl auch die Beziehung zu anderen Jungs bestimmt. So habe er begonnen, in den Gesten und Worten anderer sensibel nach Abwertungen seiner Person zu suchen; in Beziehungen sei er von der Angst bestimmt gewesen, nie den Erwartungen anderer zu genügen. Vor diesem Hintergrund fühle sich N. sehr verunsichert. Auch heute wisse er noch nicht, wer er wirklich sei. Um dem Stress dieses Nicht-Wissens aus dem Weg zu gehen, habe er sich schon früh in einen Tagtraum geflüchtet. Dort träumt er davon, die Identität, die Geschicklichkeit und die Begabung eines anderen Jungen anzunehmen. Denn wenn er so mutig und draufgängerisch wie andere Jungs sein könnte, müsste ihn der Vater doch lieben. Mit der aufkommenden Pubertät sei dieser Traum immer häufiger mit erotischen Phantasien und Bildern durchsetzt und schließlich zum homosexuellen Begehren geworden.

N. ist ein typisches Beispiel für einen Jungen, der sich vom Vaterobjekt überfordert fühlt. Offensichtlich ist, dass der Vater ihn in ein bestimmtes Bild von Mannseins zwingt. Ein feinfühliges Eingehen auf den Jungen findet nicht statt. Dadurch erleidet N. die Beschämung seines in ihm aufkeimenden Mannseins. Durch die Dynamik der Vater-Sohn-Beziehung kristallisiert sich für N. eine innere Selbst- und Objektorganisation heraus, die bis heute sein Beziehungserleben zu anderen Männern bestimmt. In der Nähe von starken Männern fühlt er sich zu einem schwachen, minderwertigen Selbst degradiert. Er hat die Vorstellung, dass er mit seinem Mannsein vor anderen Männern nicht bestehen kann. N. hat nicht nur das Objekt des Vaters, sondern auch andere Männerobjekte negativ besetzt und erlebt sie als zurückweisend. Nur über die Vorstellung der Verschmelzung seines Selbst mit einem idealisierten männlichen Objekt kann N. das Gefühl haben, selbst ein starker Mann zu sein. Gelingt ihm das im Tagtraum, dann ist er für einen Moment von seinem schwachen Mannsein erlöst. Das heißt aber auch: Kommt N. im Alltag in Berührung mit seinem ungelösten Identitätskonflikt, fühlt er sich in seinem Selbst von anderen Männern bedroht. Die Bedrohung und den damit einhergehenden Stress kann er meist nur über homosexuelle Inszenierungen reduzieren.

Die Wahl des gleichgeschlechtlichen Objektes

Oft werde ich gefragt, warum nicht alle Männer, denen feinfühlige Beziehungen in ihrer Kindheit fehlten, eine Homosexualität ausbilden. Tatsache ist, dass Männer zwar unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen können, ihre individuellen Reaktionen auf die Bewältigung lebensgeschichtlicher Konflikte aber sehr unterschiedlich ausfällt. N. und T. sprechen, wie viele Betroffene, die wir beraten, von einer frühen Wahl des gleichgeschlechtlichen Objektes. Diese Wahl hat zwar eine logische Nähe zu dem, was in der männlichen Identitätsentwicklung für sie nicht gelungen ist und entfaltet daher eine hohe reparative Wirkung, sie hätte aber auch anders ausfallen können.

In dieser Sichtweise sehe ich mich bestätigt durch Wolfgang Berner22, der für den Bereich der Paraphilien Ähnliches sagt. Auch er sieht sich mit der Frage konfrontiert, warum Menschen so verschiedenartige sexuelle Inszenierungen zur Lösung ihrer inneren Konflikte entwerfen. Letztlich, so Berner, hat die Wahl einer bestimmten sexuellen Lösung immer auch etwas Zufälliges. Für Berner stellt sich nicht die Frage „warum“ ein Mensch eine bestimmte Paraphilie oder sexuelle Lösung ausbildet. Für ihn zählt nur die Tatsache, dass diese Lösung gewählt wurde und der Mensch dadurch in der Lage ist, die Bedrohung eines inneren Selbstverlustes abzuwenden.

In Anlehnung an den neuropsychologischen Ansatz von Jaak Panksepp formuliert Berner, dass der Mensch immer auf der Suche ist, innere Dissonanzen auszugleichen. Erlebt der Mensch negativen Stress, „Distress“, sucht er nach einer Bewältigungsmöglichkeit. Im Normalfall, so die bindungs- und traumatheoretische Forschung, kann er seinem inneren Arbeitsmodell folgen und findet in Beziehungen Nähe und Trost für das, was ihm Stress bereitet. Fehlt ihm aber die Erfahrung von feinfühligen Beziehungen und kann er deshalb auf kein gesundes inneres Arbeitsmodell zurückgreifen, gerät er in einen Zustand des Beziehungsverlustes, der nach Berner Panik erzeugt. Im selben Augenblick wird das „Such-System“ stimuliert: Der Mensch versucht, etwas zu finden, das den Stress minimiert und stattdessen Lust bringt.

Wie bei N. und T. gezeigt, gelang ihnen die Minimierung ihres Stresses durch die lustvolle Besetzung eines gleichgeschlechtlichen Objektes. Dies war zwar das Ergebnis eines zufälligen Suchprozesses, gleichwohl können beide Männer bis heute durch die homosexuelle Objektwahl ihr als unmännlich empfundenes Selbst stabilisieren und ihre Gefühle von Angst vor wichtigen männlichen Bindungs- und Identifikationsfiguren durch Phantasietätigkeit reduzieren. Für die Begleitung von Betroffenen sind diese Erkenntnisse sehr wichtig.

Zusammenfassung

  • Ichdystone Homosexualität kann als Konflikt in Bezug auf die eigene Geschlechtsidentität konzeptionalisiert werden. Sie ist das Ergebnis von Beziehungserfahrungen, in denen dem Jungen nicht geholfen wurde, zu einer inneren Balance zwischen den Stärken und Schwächen seines Mannseins zu finden. Der hier dargestellte homosexuelle Mann ist daher in seiner Geschlechtsidentität verunsichert und „löst“ diese Unsicherheit durch die erotische Besetzung des gleichgeschlechtlichen Objekts.
  • Der innerpsychische Konflikt ist gekoppelt an einen interpersonalen Konflikt: Die Männer in den geschilderten Fällen verfügen über kein gesundes „inneres Arbeitsmodell“, das ihnen ermöglichen würde, in von Stress belasteten Augenblicken die Kohärenz ihres Selbst entweder in sich selbst oder mit Hilfe von Beziehungen aufrechtzuerhalten. Dies kann, wie in den Fällen angedeutet, nicht nur retrospektiv für die Kindheit und Jugend der Männer beschrieben werden, sondern beeinflusst auch ihren aktuellen Alltag.
  • Der innere Stress kann durch eine homosexuelle Objektwahl reduziert werden. Die Objektwahl muss dabei als zufällige, unbewusste Phantasieleistung des heranwachsenden Kindes verstanden werden. Sie hilft, den durch den Identitätskonflikt ausgelösten Stress durch lustvolle Inszenierung der Reparation des Selbst zu bewältigen.

 

Teil 2: Wie kann man helfen

Am Fall von N. möchte ich exemplarisch Schritte hilfreicher Begleitung aufzeigen. N. kommt in die Beratung, er ist durch seinen christlichen Glauben motiviert und deshalb davon überzeugt, dass gleichgeschlechtlicher Sex nicht gut ist. Ein Zusammenhang zwischen seiner Homosexualität und einem ungelösten Geschlechtsidentitätskonflikt ist ihm nicht bewusst. Schon bald nach Beginn der Beratung verhält er sich ambivalent. Er erscheint nicht zu den Sitzungen oder sagt vereinbarte Termine ohne Angabe von Gründen ab. Als ich ihn darauf anspreche, sagt er mir, dass er sich in einem Dilemma befinde. Er wolle ja auf der einen Seite nach Gottes Wort leben, auf der anderen Seite nehme er sich aber dadurch das, was ihm im Leben Spaß und Lust bereite. Dieses Dilemma ist von vielen Ratsuchenden zu hören. Deshalb steht am Anfang unserer Beratung: 

1. Erarbeiten einer intrinsischen Motivation

In der ersten Phase der Begleitung halte ich mich mit der Darstellung theoretischer Modelle und Deutungen zurück. Ein weit verbreiteter Fehler ist der Glaube an die Allgemeingültigkeit der eigenen Theorie. Ich weiß nicht, ob die oben dargestellten, entlang von zahlreichen Fallbeobachtungen generierten Theorien für alle homosexuell empfindenden Menschen gelten. Ich weiß nur, dass sie für viele Betroffene, die ihre Homosexualität als nicht zu sich gehörend empfinden, zutrifft. Aber ob sie auch die Wirklichkeit von N.s Empfindungen angemessen zu deuten vermögen, muss mit N. sorgfältig expliziert und erarbeitet werden.

Deshalb gehe ich mit N. anfangs nur einer einzigen Frage nach: Ist seine Homosexualität mit einem innerpsychischen Konflikt verbunden?

Um das zu ermitteln, gehe ich mit ihm an solchen Alltagserlebnissen entlang, die ihn belasten und ihn in die homosexuelle Phantasie oder in homosexuelles Ausagieren treiben. Nur wenn die Homosexualität mit einem innerpsychischen Konflikt verknüpft ist, liegt ein sinnvolles Thema vor, das in einem Beratungsprozess bearbeitet werden kann.

Schon bald stellt N. fest, dass seine Alltagsbeziehungen von Gefühlen der Angst eingenommen sind. In der imaginativen Reflexion von Alltagsepisoden, in denen er meist auf signifikante, herausfordernde Männer trifft, kann er die Angst spüren, von ihnen abgelehnt zu werden oder nicht zu genügen. Er berichtet mir von seinem beruflichen Alltag, in dem er diese Ängste hinter Anstrengung und Perfektion verbirgt. In seinem privaten Alltag fühlt er sich einsam. Bald finden wir heraus, dass N. kaum über Kontakte verfügt, in denen er anderen informell im freien und entspannenden Smalltalk begegnet. Alle seine Kontakte sind irgendwie von der gleichen Angst, nicht zu genügen, durchdrungen.
In der christlichen Gemeinde ist N. oberfächlich integriert. Sicher fühle er sich aber auch dort nur, wenn er eine Funktion bekleide, die ihm Rollensicherheit verleihe.

Im Laufe der Zeit kommt N. immer mehr zu der Klarheit: Hauptsächlich selbstbewusste Männer machen ihm Angst und lösen in ihm die Botschaft aus: Du genügst nicht! Werde er im Alltag mit solchen Männern konfrontiert, fühle er sich getrieben, sie durch irgendeine Leistung oder Anstrengung zu übertrumpfen. Letztlich könne aber eine noch so gute Leistung den Stress, den er in solchen Momenten empfinde, nicht deutlich verkleinern. Das gelinge ihm erst, wenn er abends via Internet oder Kopfkino in homosexuelle Phantasien eintauche. Auf die Frage, welche Beziehung er in der sexuellen Phantasie zu dem idealisierten Mann aufnehme, antwortet er: „Keine!“ Er stelle sich vielmehr vor, dass er mit dem Körper des anderen Mannes verschmelze. Erlebe er das, fühle er sich für einen Moment ganz und vollwertig. Wäre er so wie der phantasierte Mann, dann wäre er ein Mann, den andere Männer annehmen könnten.

Nicht bei allen betroffenen Männern, mit denen wir arbeiten, kommen Verschmelzungsphantasien vor. Einige inszenieren in ihren sexuellen Phantasien auch eine emotionale Beziehung zu einem anderen Mann: Sie wollen ihn als Freund und spüren im Moment der Umarmung, dass sie durch diese Form inniger Nähe zu einem vollwertigen Mitglied der Gruppe der Männer werden. Bei anderen geht es in den Phantasien nur um den Körperteil eines idealisierten Mannes, oft den Penis, dessen Größe sie eine besondere Potenz zuschreiben. Von sich selbst denken sie meist, dass sie mit weniger Potenz ausgestattet und „minderwertig“ seien. Was also bei der imaginativen Arbeit zu Tage tritt, ist individuell sehr unterschiedlich.

N. schafft es, sich mittels einer von freier Assoziation getragenen Analyse den Zusammenhang zwischen seinen homosexuellen Gefühlen und seiner inneren Angst, kein richtiger Mann zu sein, zu erschließen. Durch die ständige Praxis der imaginativen Auswertung von Alltagsereignissen und durch im Alltag praktizierte Selbstbeobachtung erkennt er nicht nur kognitiv, sondern auch emotional seine Dynamik: Glaubt er – weil er meint, nicht zu genügen – im Alltag einer Beschämung ausgesetzt zu sein, kann er das Gefühl, „kein richtiger Mann“ zu sein, auch durch Anstrengung und Perfektion nicht niederringen. Er fühlt sich dann so sehr in ein „minderwertiges“, schwaches Mannsein verbannt, dass er sich erst durch die homosexuelle Phantasie, in der er sich das Mannsein eines anderen Mannes auf den Leib träumt, „erlösen“ kann.
Als N. diese Zusammenhänge spürt, entsteht in ihm eine intrinsische Motivation. Aus eigener, tief gefühlter Einsicht möchte er sich jetzt dem seiner Homosexualität zugrundeliegenden Konflikt öffnen. Die Aussicht, ein glücklicheres Leben ohne Ängste führen zu können, wiegt für ihn mehr als das Festhalten an einer lustbesetzten Stressbewältigung.

2. Stabilisierung durch Aufdeckung des maladaptiven inneren Arbeitsmodells

Mancher könnte nun durch den Zusammenhang zwischen Homosexualität und ungelöstem Identitätskonflikt dazu verleitet werden, schnell mit einer Arbeit an der Vergangenheit und den dort erlebten Verletzungen beginnen. Das überfordert aber die meisten Betroffenen.

  • Das Feststecken in einem Identitätskonflikt korreliert ja mit einem Selbstsystem, das sich noch auf einem instabilen Entwicklungsniveau befindet. Vor der Arbeit an den lebensgeschichtlichen Verletzungen muss deshalb die Herausbildung eines hilfreichen inneren Arbeitsmodells gefördert werden. Die Beratungsarbeit muss am Alltag des Betroffenen ansetzen und ihn zunächst befähigen, mit dem Stress in alltäglichen Beziehungen besser umzugehen.
  • Damit ist schon angezeigt, dass ein Identitätskonflikt in vielen Fällen auch mit einer Strukturpathologie korreliert. Betroffenen Menschen fällt oft der Zugang zu ihren Gefühlen schwer, was mit einem Mangel an Introspektionsfähigkeit verbunden ist. Menschen wie N. haben Schwierigkeiten, sich in sich selbst einzufühlen und oft fehlt ihnen die Fähigkeit, sich ein metapsychologisches Verstehen ihres Konfliktes zu erarbeiten. Das müssen sie aber, wenn sie nicht nur Opfer, sondern verändernder Akteur ihres Konfliktes werden wollen.
  • Ein zu schneller Einstieg in die lebensgeschichtliche Arbeit kann deshalb leicht zu einer bloßen Anpassung an den Begleiter führen. Menschen, denen es schwer fällt, sich in ihren Konflikt einzudenken und einzufühlen, übernehmen schnell die Deutungen anderer, was letztlich aber der Anfang einer „Pseudotherapie“ ist.

Deshalb empfiehlt es sich, in der Begleitung zunächst das maladaptive, im Alltag wirksame, innere Arbeitsmodell des Betroffenen zu bearbeiten. Maladaptiv meint, dass der Ratsuchende zwar ein inneres Arbeitsmodell ausgebildet hat; das orientiert sich aber an und ist geprägt von erlittenen negativen Beziehungserfahrungen. Die negativen Beziehungserfahrungen haben die Ausbildung einer kohärenten Selbst- und Objektwahrnehmung verhindert und konnten ihm nicht zu einer inneren Balance zwischen den Schwächen und Stärken seines Mannseins verhelfen.

In N.s Alltag ist das maladaptive, an den lebensgeschichtlichen Verletzungen orientierte innere Arbeitsmodell gut zu beobachten: Begegnet er bestimmten, signifikanten Männern, fühlt er sich zu einem schwachen Selbst „degradiert“. Er kann dann das, was in der Beziehung gefordert ist, nicht mehr richtig und der Realität angemessen einschätzen. Die Angst raubt ihm sozusagen den Verstand, es bleibt ihm nur noch der Rückzug aus der Beziehung oder die Flucht in den Perfektionismus. In solchen Momenten wird N.s Überlebensmuster aktiviert, das ihm hilft, ein gewisses Restselbst zu retten.

Dadurch, dass ich mit N. verschiedene stressbelastete Alltagssituationen analysiere, lernt er, sein Überlebensmuster zu formulieren:

  • Nur wenn ich im Zustand von Angst und Minderwertigkeit das Verhalten von Perfektion und Rückzug zeige und dabei meiner inneren Angst folge,
  • und wenn ich niemals über meine Schwächen rede oder Fragen stelle, um Hilfe zu erhalten, und auch nie meine Wut auf die gefühlte Zurückweisung hin zeige,
  • bewahre ich mir die Chance, vielleicht – wenigstens durch den Perfektionismus – etwas Anerkennung für mein Mannsein zu erhalten und wende die Befürchtung ab, in meinem Mannsein für das Zeigen von Schwäche beschämt zu werden.

Indem N. es formulieren kann, wird ihm klar, in welche Sackgassen ihn sein Identitätskonflikt im Alltag immer wieder führt.
Durch Methoden, wie „das-eigene-Überlebensmuster-erkennen“, die der Ratsuchende mit dem Berater erarbeitet, wird die Grundlage für ein eigenes inneres Konfliktverstehen gelegt. Der Umgang mit den eigenen Gefühlen und die Ausbildung der Introspektionsfähigkeit werden gefördert. 

3. Ein Modell für das Gesunde entwickeln - Strukturierung des Verstehens bzw. einer erwachsenen Instanz

Noch weiß N. aber nicht, wie er aus der Zwickmühle seines Überlebensmusters aussteigen kann. Immer wieder gerät er im Alltag in einen Zustand innerer Angst, dem er meint, nur mit Perfektionismus und Rückzug begegnen zu können. Dadurch rettet er zwar einen Rest seines brüchigen, männlichen Selbst, doch bleibt der Beigeschmack von Unterlegenheit und Minderwertigkeit. Immer noch erscheint ihm seine Zwickmühle sicherer als jede andere Lebensmöglichkeit.

Jetzt versuche ich, dem Ratsuchenden nahe zu bringen, dass wir in dem Überlebensmuster der Situation eines Jungen begegnen, der von Vater und Mutter alleingelassen war. N.s tieferes Problem ist nicht das aus der Not geborene Überlebensmuster, sondern sein Glaube, dass er diese seelischen Zwickmühlen alleine lösen muss.
In der Psychoedukation zeige ich auf, wie Eltern normalerweise einem Jungen helfen, zur Balance zwischen Schwächen und Stärken zu finden, und wie sie ihn in der Bewältigung von Frustrationen unterstützen, wenn er Zurückweisung oder Niederlagen erlitten hat. N. fühlt sich davon sehr angesprochen. Er handelt mit mir die Absprache aus, dass er die erlittenen Zurückweisungen seines Alltags (wie er sie erlebt) künftig in die Beratung mitbringen darf, damit wir dort gemeinsam seinen Konflikt verstehen und lösen, den Stress entsorgen und mit empfundenen Niederlagen umgehen.
Es ist der Weg vom Überleben zum Leben. Gleichzeitig lernt N., ein in seinem Verstand verankertes, kognitiv nachvollziehbares komplexes Problemlösungsverhalten auszubilden. Vereinfacht gesagt, versteht N. nun, wie andere Jungen es geschafft haben, ein gesundes, ausbalanciertes Identitätsgefühl zu entwickeln.
In der Person des Beraters erlebt N. einen feinfühligen Erwachsenen, der ein Modell für ein gesundes, elterliches Agieren ist. N. macht neue Beziehungserfahrungen und erlebt zum ersten Mal, wie ihn ein männliches Objekt bei der Ausbildung eines abgegrenzten Ich unterstützt und mit ihm über nicht erreichte oder nicht erreichbare Geschlechtsmöglichkeiten und Verwirklichungsformen seines Mannseins, wie Gaben, Fähigkeiten, Aussehen, etc., trauert.

Die Arbeit in dieser Phase erstreckt sich über ein Jahr. In diesem Jahr entsteht Vertrauen zu seinem Berater. In N. wächst die Fähigkeit zu fühlen und er kann eine einsichtsbestimmte Wahrnehmung seiner Alltagskonflikte aufbauen. Darüber hinaus kann er die Beziehung zum Berater nutzen, um in der Bewältigung von problematischen Alltagsbeziehungen, von Frustrationen und Enttäuschungen neue Verhaltensweisen zu erlernen.

4. Hinwendung zur Vergangenheit und zur Beschämung des Selbst

N. kann seine Alltagsbeziehungen immer besser managen und hat beim Berater so etwas wie ein emotionales Zuhause gefunden. Durch die Beratung wird er ermutigt, sein Überlebensmuster zu einem hilfreichen Lebensmuster umzugestalten:

  • Er setzt sich im Alltag zunehmend für sein Recht ein, Fragen stellen zu dürfen, seine Gaben einzubringen und sich hinsichtlich seiner Schwächen abzugrenzen.
  • Er nimmt deutlicher Kontakt mit anderen auf, reduziert seinen Perfektionismus und zieht sich nicht mehr so schnell aus Beziehungen zurück.
  • Je öfter ihm das gelingt, desto weniger fühlt er sich niedergeschlagen und ängstlich, sondern aktiv und wahrgenommen. Mit diesem Gefühl und dieser Wahrnehmung geht auch die Reduktion von homosexuellem Begehren einher. Die Reduzierung von innerem Stress, gepaart mit einem besseren Selbstempfinden lässt ihn seltener zum Stressregulator „homosexuelle Phantasie“ greifen.

Bedingt durch die aktive Gestaltung von Beziehungen zu Männern stellt N. nun fest, dass er sich manchmal in einer Art und Heftigkeit von Männern zurückgewiesen und bedroht fühlt, die für die erlebte Alltagssituation nicht angemessen ist.
Jetzt beginne ich mit N., zwischen Alltagsebene und lebensgeschichtlicher Ebene zu trennen. Ab jetzt gehen wir auf die hinter der Alltagssituation aufleuchtende „Ursituation“ bzw. lebensgeschichtliche Situation zurück. Methodisch geschieht das oft, indem sich der Ratsuchende die lebensgeschichtlichen Episoden imaginativ vorstellt. Durch eine deutlich bessere Introspektion ist N. nun dazu in der Lage. In der imaginierten lebensgeschichtlichen Situation kommt N. in wirklichen Kontakt mit dem beschämten Anteil seines Ich. Dort angelangt, arbeitet er sich über verschiedene Phasen und Absicherungen zur Konfrontation mit den Menschen vor, die ihn in der Vergangenheit beschämt, zurückgewiesen und verletzt haben. Ziel dieser affektfokussierten Arbeit ist die Auflösung der Beschämung, die N. körperlich spüren kann. Dies gelingt N., indem er die starken Gefühle des Alltags in die imaginativ erlebte Situation hinein ausdrückt. Dieser Prozess bildet den Kern jeder Begleitung. In ihm findet eine innere „Entstressung“ und „Enttraumatisierung“ des verletzten Anteils statt. N. geht in seinen Emotionen den Weg vom maladaptiven, die Verletzung bewahrenden Gefühl der Angst, hin zum adaptiven Gefühl der Aggression, dem – in seinem Fall – die Trauer folgt.
Dem Ratsuchenden wird also zu einer Durcharbeit der erlittenen Beschämung geholfen. Ziel ist die Etablierung eines selbstbehauptenden Gefühlszustandes. Erreicht ein Ratsuchender diesen Zustand, verändert sich auch die Haltung zu seinen Beziehungen im Alltag.
Für N. geschieht in dieser Phase ein Durchbruch. Er erlebt in der Durcharbeit seines lebensgeschichtlichen Konfliktes nicht nur, was Nähe und Trost in einer Beziehung bedeuten, wenn man aktiv über seine Schwächen und erlittenen Verletzungen trauert; vielmehr findet er auch zur Balance zwischen seinen Schwächen und Stärken. Dies manifestiert sich in seinem Satz: „Ich habe das Recht, mit meinen Stärken und Schwächen gesehen zu werden, und mich von anderen Männern, wie jeder andere Mann auch, ergänzen zu lassen.“ Dieser selbstbehauptende Satz birgt für N. das Recht auf Nähe zu Männern und ermöglicht ihm das aktive Eintreten für seine innere Balance in diesen Beziehungen auch dann, wenn er vom Empfinden der Minderwertigkeit eingeholt wird.

Nach dem Durchschreiten dieser Phase beginnt N. aktiv, seine Beziehungen zu Männern auszubauen. Er investiert sich in Freundschaften, wendet dort seine neue Lebensregel – statt der alten Überlebensregel – an und spürt, wie die innere Balance seines Identitätsgefühls wächst. Gleichzeitig geht das homosexuelle Begehren zurück.

Damit ist N. aber noch nicht am Ziel. Er muss jetzt beginnen, seine Fragen nach der männlichen Identitätsentwicklung abzuarbeiten: „Wer bin ich als Mann mit meinem Mannsein?“, „Gehöre ich zu den anderen Männern und bestätigen sie das Mannsein, das auch ich in mir wahrnehme?“, „Bin ich potent und als Mann handlungsfähig?“

Durch die Überwindung seines alten Überlebensmusters und die Bearbeitung zentraler lebensgeschichtlicher Konflikte hat N. zu einem neuen Lebensgefühl und Lebensmuster gefunden. Es gilt jetzt, den Faden der Entwicklung aufzunehmen und den Weg des Abtrauerns der Begrenzung eigener Geschlechtsmöglichkeiten noch oft zu gehen.

Im Laufe der Zeit kommt es in N. zur Sehnsucht, sein Mannsein mit einer Frau zu teilen. Für N. beginnt damit ein neuer Prozess, der nur gelingen kann, wenn er die Erfahrungen seines bisherigen Weges dabei einbringen kann.

Schluss

Ist Veränderung nun aber immer möglich? – Vereinfacht kann man sagen: Je klarer ein Mensch für sich den Zusammenhang zwischen Identitätskonflikt und homoerotischem Begehren freilegen kann, desto größer ist die Chance einer Veränderung des innerpsychischen Konfliktmusters, was oft zu einer Verminderung homosexuellen Begehrens und zur Entwicklung heterosexuellen Empfindens führt.
Je weniger aber ein Mensch sich eine Präsenz für diese Konflikte erschließen kann, desto geringer ist die Chance auf eine Veränderung der sexuellen Präferenz. Die Gründe, warum es einem Menschen schwer fällt, sich und seine Konflikte zu erfassen, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und kann nicht einfach auf eine fehlende Motivation zurückgeführt werden.
Damit ist gesagt: Veränderung ist nicht immer möglich. Sie ist auch deshalb mit einem langen und steinigen Weg verbunden, weil dabei die Bausteine innerpsychischer Sicherheit berührt werden. Gleichzeitig ist das homosexuelle Begehren manchmal so tief mit der eigenen Konfliktstruktur verbunden, dass eine einfache Auflösung des Begehrens nicht schnell möglich ist. Aber: Vor allem bei jüngeren Menschen machen wir die Erfahrung, dass sie sich schneller verändern.

In gesellschaftlichen Diskurs führt die Frage von Veränderung oder Nicht-Veränderung oft zum Schluss, dass sich eine Beratung, die sich am innerpsychischen Konflikt von homosexuell empfindenden Menschen orientiert, nur dann lohnt, wenn Veränderung sozusagen garantiert werden kann. Dabei wird selten gefragt, was sich Betroffene wünschen. Bei einer kleinen Umfrage, die ein Student im Jahr 2011 im Auftrag seiner Hochschule in unserer Einrichtung durchgeführt hat, trat zu Tage, dass von 33 Befragten 30 ihre Homosexualität selbst dann nicht ausleben wollen, wenn sich nichts an ihrem Empfinden verändert. Für diese Aussagen gab es vor allem zwei Motivationen: Die erste ist das Wissen um den Zusammenhang zwischen männlicher Identitätskrise und Homosexualität, die zweite ist ihr christlicher Glaube.

Es wäre daher verfehlt, die Frage einer Begleitung von homosexuell empfindenden Menschen nur an der Frage der Veränderung fest zu machen, zudem würden wir die Menschen nicht in der Ganzheit ihres inneren Erlebens ernst nehmen.

Markus S. Hoffmann

www.wuestenstrom.de

Dezember 2012


Anmerkungen

1 Udo Rauchfleisch, Interaktionen zwischen Homosexualität und Borderline-Störung; in: Birger Dulz et al, Borderline-Störungen und Sexualität, Schlattauer 2009, S. 126.

2 Stavros Mentzos, Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven, Fischer 1984.

3 ebd. S. 232.

4 ebd. S. 126.

5 Rolf Gindorf., Homosexualität in der Geschichte der Sexualforschung; in: Sexualitäten in unserer Gesellschaft; Hg. R. Gindorf/E.J.Haberle, Berlin/New York 1989, S. 9-32.

6 Robert J. Stoller, Perversion, Die erotische Form von Haß, Psychosozial-Verlag 2001.

7 zitiert nach Gunter Schmidt, Motivationale Grundlage sexuellen Verhaltens; In: Hans Thomae, Psychologie der Motive, Zürich 1983, S. 93.

8 vgl. Otto Kernberg, Liebesbeziehungen Normalität und Pathologie, Klett-Cotta 1995.

9 Bernhard Strauß et al., Bindung, Sexualität und Persönlichkeitsentwicklung. Zum Verständnis sexueller Störungen aus der Sicht interpersonaler Theorien, Verlag W. Kohlhammer 2010.

10 Udo Rauchfleisch, aaO., Schlattauer 2009.

11vgl. u.a. Christl Vonholdt, Anmerkungen zur Homosexualität, Bulletin, Nachrichten aus dem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft, Jg. 10, 1, S. 25-30.

12 Uwe Hartmann, Hinnerk Becker, Störungen der Geschlechtsidentität, Ursachen, Verlauf, Therapie, Springer 2002, S. 23-46 vgl. Eleanor E. Maccoby, Psychologie der Geschlechter, Klett-Cotta 2000.

13 Robert Stoller, Sex and Gender, Science House 1968, vgl. auch Wolfgang Mertens, Entwicklung der Psychosexualität und der Geschlechtsidentität, Kohlhammer 1997(3), S. 24-29.

14 Erik H. Erikson, Jugend und Krise, Klett-Cotta 1970.

15 Wolfgang Mertens, Entwicklung der Psychosexualität und der Geschlechtsidentität, Kohlhammer 1996(2), S. 28.

16 vgl. Heinz Kohut, Die Heilung des Selbst, Suhrkamp 1981, S. 150-170

17 vgl. Gottfried Spangler, Peter Zimmermann (Hg.), Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung, Klett-Cotta 2002.

18 vgl. Gottfried Spangler, Peter Zimmermann (Hg.), Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung, Klett-Cotta 2002.

19 vgl. J. D. Lichtenberg, ... Das Selbst und die motivationalen Systeme. Zu einer Theorie psychoanalytischer Technik, Brandes & Apsel 2000; vgl. auch Michael Klöpper, Reifung und Konflikt. Säuglingsforschung, Bindungstheorie und Mentalisierungskonzept in der tiefenpsychologischen Psychotherapie, Klett-Cotta 2006, S. 100ff.

20 vgl. Elisabeth Fremmer-Bombik, Innere Arbeitsmodelle von Bindung; in: Gottfried Spangler et al., Bindungsforschung, Klett-Cotta 1995, S. 109 – 119.

21 vgl. zur Vergleichbarkeit innerer Arbeitsmodelle mit Objektbeziehungstheorie auch Eve Caligor et al., Strukturiertes Interview Interview zur Erfassung von Persönlichkeitsorganisation (STIPO) – wie verhalten sich Objektbeziehungstheorie und Bindungstheorie zueinander; in: PTT 2004, Ausg. 8, S. 209-216 In der Bindungsforschung wird meist auf die Feinfühligkeit der Mutter als Pflegeperson abgestellt. Untersuchungen zur Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit zeigen allerdings, dass es auch auf die Feinfühligkeit des Vaters ankommt, was sich bei einem Jungen dann auf die Stabilität der Geschlechtsidentität auswirkt.

22 Vgl. Datler et al., Die Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit, 2002 Wolfgang Berner, Perversion, Psychosozial-Verlag 2011.

Von

  • Markus Hoffmann

    leitet die Organisation für Beratung und Seelsorge Wüstenstrom e.V., die Seelsorger und Berater fortbildet und in Deutschland, Schweiz und Österreich Seelsorgegruppen unterhält.

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