Ego-dystone Homosexualität – Möglichkeiten der Veränderung

Ein Tagungsbericht 

von Monika Hoffmann 

Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft veranstaltete vom 8.-9. September in Berlin eine Tagung, die sich dem Thema der Veränderungsmöglichkeit von ego-dystoner Homosexualität, d.h. vom Betroffenen als ungewünscht oder belastend erlebter Homosexualität, widmete. Sie richtete sich speziell an Therapeuten und Seelsorger, die mit homosexuell empfindenden Männern arbeiten. Referent war Dr. Joseph Nicolosi, Psychotherapeut und Direktor der „Thomas Aquinas Psychological Clinic“ in Encino, Kalifornien, sowie Präsident der Therapeutenvereinigung NARTH (National Association for Research and Therapy of Homosexuality, www.narth.com). 

Joseph Nicolosi hat im Lauf seines beruflichen Lebens mehr als 1000 homosexuell empfindende Männer, die unter ihren homosexuellen Empfindungen litten, therapeutisch begleitet. Viele von ihnen haben dadurch einen Weg zur Abnahme ihrer homosexuellen Empfindungen und zur Entwicklung ihres heterosexuellen Potentials gefunden. 

Vor rund 60 Tagungsteilnehmern aus zwölf Ländern – Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, Österreich, Schweiz, Italien, Belgien, Holland, Dänemark, England und Deutschland – stellte Nicolosi seinen Ansatz der Reparativtherapie vor. Seine Ausführungen, die er durch aufgezeichnete Therapiesitzungen (Videos), zwei Live-Sitzungen und praktische Übungen mit allen ergänzte, wurden von den Teilnehmern als sehr ermutigend und hilfreich für die Praxis aufgenommen. 

Homosexualität als Ausdruck einer Verunsicherung in der Geschlechtsidentität

Von verschiedener Seite wird immer wieder versucht, die Ursachen von Homosexualität genetisch herzuleiten. Für die These, Homosexualität sei angeboren, fehlen jedoch bis heute einschlägige Studien mit eindeutigen Ergebnissen. Vielmehr beschreiben Sexualwissenschaftler die sexuelle Orientierung als hochkomplex und multifaktoriell. Oft wird sexuelle Orientierung heute als fließend, nicht festgelegt angesehen.  

Frühkindliche Erlebnisse sind neben anderen Faktoren ein Schlüssel zur Erklärung der gesamten weiteren Entwicklung eines Menschen und wirken sich auch auf die Entwicklung der Geschlechtsidentität und auf spätere sexuelle Empfindungen aus. 

Der Begriff „reparativ“ stammt von der Psychoanalytikerin Anna Freud, der Tochter Sigmund Freuds. Sie sah Homosexualität als Ausdruck eines reparativen Antriebs (reparative drive) an. Es geht bei der Reparativtherapie nicht darum, dass Homosexualität zu „reparieren“ wäre; vielmehr ist Homosexualität selbst ein Hinweis darauf, dass ein tiefer Mangel – und zwar die Verunsicherung über die eigene Geschlechts-identität – behoben werden soll. Reparativtherapeuten, so Nicolosi, sind deshalb nicht an der Frage des homosexuellen Ausagierens interessiert, sie konzentrieren sich auf das Heilwerden von seelischen Verletzungen, die zu der Verunsicherung in der geschlechtlichen Identitätsentwicklung geführt haben. 

Die moderne Reparativtherapie geht von einem Zusammenhang zwischen psychoso-zialer Entwicklung und Homosexualität aus und bezieht dabei besonders die Erkenntnisse der Bindungstheorie nach John Bowlby mit ein. Die Bindungstheorie hat – auch empirisch – gezeigt, dass die Entwicklung einer sicheren Bindung zwischen Kleinkind und seiner Bezugsperson die Grundlage für die Fähigkeit ist, stabile und intime soziale Beziehungen im Erwachsenenalter aufrechterhalten zu können. Umgekehrt hat die Erfahrung des Bindungsverlustes negative Folgen für das Kind. Noch im Erwachsenenalter kommt es dadurch zu einem unsicheren Bindungsverhalten, wirken sich Bindungsprobleme in Beziehungsstörungen oder möglicherweise auch in Identitätsproblematiken aus.

Homosexualität als Ausdruck eines Bindungsproblems

Bei der männlichen Homosexualität geht es vor allem um die Erfahrung des Bindungsverlustes gegenüber dem Vater; die notwendige Bindung des Jungen an den Vater oder an eine wichtige männliche Bezugsperson ist nicht gelungen. 

Reagiert beispielsweise ein Vater auf das Verhalten seines kleinen Sohnes aus unterschiedlichen Gründen nicht angemessen, reagiert er aggressiv oder ignoriert den Jungen, wenn dieser sich nach dem Vater ausstreckt, so wird der Junge versuchen, durch Protest oder Clownereien die Aufmerksamkeit des Vaters doch noch auf sich zu ziehen und ihn zur Wiederherstellung einer Bindung zu animieren. Wenn der Junge aber auch dann keine angemessene Reaktion, d.h. Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Zuwendung vom Vater erfährt (Nicolosi sprach von den drei notwendigen „A“: affirmation, attention, affection), löst er möglicherweise die Bindung zum Vater ganz, oder sie bleibt ambivalent. Der Junge isoliert sich, meidet den Vater oder behandelt ihn wie einen Fremden. 

Joseph Nicolosi erklärte, dass dieses Phänomen der inneren Abkoppelung vom Vater oder einer wichtigen Vaterfigur bisher fast ausnahmslos alle seine Klienten betraf. Wenn auch nicht alle Klienten auf Anhieb Probleme in der Beziehung zu ihrem Vater äußerten, so würden diese doch im Lauf der Therapie in unterschiedlichem Maß deutlich werden. Auch Väter homosexuell empfindender Söhne bestätigten diese Erfahrung, wenn sie sagen, dass ihr Sohn als Kind für sie  „unzugänglich“ war. 

Isolationserfahrung

Die in der Kindheit erlebte Missachtung seiner Gefühle und natürlichen Bedürfnisse, z.B. sein Streben nach männlicher Autonomie und nach Bindung an den gleichgeschlechtlichen Elternteil, hat beim Klienten zu einer tiefen Beschämung und Verunsicherung bezüglich seiner männlichen Identität geführt (besonders, wenn diese Missachtung durch den Vater erfahren wurde). Dem Jungen fehlt die Erfahrung der väterlichen – männlichen – emotionalen Nähe und die damit verbundene Bestätigung und Annahme seiner selbst. Die „Einstimmung“, wie Nicolosi betonte, d.h. das Eingehen und sich emotional Einlassen des Vaters auf den Sohn, ist Voraussetzung für den Jungen, um später als Erwachsener mit Empfindungen konstruktiv umgehen zu können und sich emotional (auf sich selbst und auf andere) gut einstimmen zu können. 

Erfährt der Sohn den väterlichen Raum nicht, in dem er auch „negative“ Emotionen wie Aggression, Schmerz, Angst oder Trauer zulassen kann, wird er später große Schwierigkeiten haben, überhaupt Emotionen – besonders in Beziehungen zu Männern – zulassen zu können. Der Klient erlebt sich als Erwachsener dadurch blockiert, in der Beziehung zu anderen und zu sich selbst isoliert.

Homosexualität als reparativer Antrieb

Solange ein Klient sich dieser Blockaden nicht bewusst ist oder sich ihnen nicht stellen will, muss er seine Isolation auf andere Weise zu durchbrechen versuchen. Nicolosi beschrieb Homosexualität auch in dieser Hinsicht als reparativen Antrieb, als Versuch des Klienten, seine Isolation und Verunsicherung in seiner geschlechtlichen Identität zu überwinden. Sexualität, Phantasien und homosexueller Lebensstil werden zum Ersatz für echte Nähe und freundschaftliche Beziehung zu einem anderen Mann. In der gelebten oder phantasierten homosexuellen Beziehung soll eine Verbindung zur Männlichkeit hergestellt und damit die Verletzung bezüglich der eigenen geschlechtlichen Identität reparativ angegangen werden. 

Hier liegt der Schlüssel der Reparativtherapie. Wirkliche Reparation geschieht nicht durch sexuellen, sondern nur durch emotionalen Kontakt mit einem anderen Mann, zuerst mit dem männlichen, emotional präsenten Therapeuten. Da der Klient Schwierigkeiten hat, vertrauensvolle freundschaftliche Beziehungen gerade zu Männern aufzubauen, empfiehlt Nicolosi für die Begleitung einen männlichen Therapeuten oder Seelsorger. Die Begleitung durch eine Therapeutin sei nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Selbstbehauptung versus Scham

Für einen Klienten ist es nicht ohne weiteres möglich, sich auf den Therapeuten emotional einzulassen. Aufgrund der Erfahrungen, die er als Kind und Jugendlicher gemacht hat, trägt er die Botschaft in sich: „Du wirst doch nicht ernstgenommen, auf dich hört sowieso keiner.“ Der Klient erwartet unbewusst, für seine Bedürfnisse, ja für sein Sein, wieder beschämt und kleingemacht zu werden. Wenn der Klient in seiner Kindheit einen Versuch gemacht hatte, sich in seiner Männlichkeit zu behaupten, erlebte er Bestrafung, Ablehnung oder Ausgeschlossen werden. So wurde er zum Beispiel ausgelacht, wenn er als kleiner Junge ganz unschuldig ein Mädchen oder eine Frau bewundernd anschaute; oder er wurde wirsch als Störer abgewiesen, wenn er eine vielleicht über seine Kräfte und sein Vermögen hinausgehende, rauhe und herausfordernde Sportart ausprobieren wollte. Klienten haben solche Situationen als demütigend erlebt, was nicht heißt, dass alle anderen Jungen, die in ähnlichen Situationen waren, dies auch immer so empfunden haben. 

Um der Demütigung und der Beschämung zu entgehen, hat sich der prä-homosexuelle Junge irgendwann entschieden, sein Verhalten zu ändern. 

Diese Verhaltensänderung erklärte Nicolosi anschaulich am Beispiel des „Hechtphänomens“: 

In einem Experiment setzt man einen Hecht in ein Aquarium mit lebenden Guppies. Sofort fängt der Hecht an, alle Guppies, die er sieht, aufzufressen. Dann stülpt man einen unsichtbaren Glaszylinder über den Hecht und trennt ihn so von den Guppies. Wenn der Hecht jetzt versucht, die Guppies zu fressen, stößt er seine Nase schmerzhaft an den Glaszylinder. Entfernt man danach wieder den Zylinder, macht der Hecht keinen Versuch mehr, die Guppies zu fressen, da er den Schmerz antizipiert. 

Der Hecht hat damit seinen natürlichen, biologisch gesteuerten Vitalitäts-Affekt „abgeschaltet“ und durch einen Hemmungs-Affekt ersetzt. 

Dieses Phänomen ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis von Homosexualität. Der homosexuell empfindende Mann hat seinen Vitalitäts-Affekt der Selbstbehauptung abgeschaltet, weil er in der Kindheit für seine männlichen Bestrebungen direkt oder indirekt bestraft wurde. Die in der Kindheit erfahrene Beschämung – dafür, dass er die männliche Welt entdecken und die darin herrschenden Spielregeln lernen wollte – hat er als unausweichliche Tatsache in seinen Gedanken, ja in seinem Körper gespeichert. In den Situa-tionen, in denen heute seine männliche Vitalität z.B. als Initiator gefragt ist, kann er nicht angemessen reagieren, sondern wird von seinen in der Vergangenheit liegenden Erfahrungen dominiert. Der als Kind erlebte Schmerz und die Scham bestimmen auch heute noch seine Reaktion. Er lässt dann passiv geschehen oder reagiert gehemmt, ängstlich, nicht so, wie er es sich wünscht. Die Reparativtherapie konzentriert sich darauf, den Klienten von der Seite des Hemmungs-Affekts der Scham auf die Seite des Vitalitäts-Affekts der Selbstbehauptung und Selbstbejahung zu bringen. 

Emotionale Präsenz des Therapeuten

In der Reparativtherapie ist es besonders wichtig, dass der Therapeut emotional präsent ist. Durch ungeteilte Aufmerksamkeit und inneres Mitgehen schafft der Therapeut einen Raum für den Klienten, in dem dieser zu den in seinem Körper gespeicherten Affekten Zugang bekommen kann. Die innere Beteiligung des Therapeuten wurde auf der Tagung in den aufgezeichneten Video- und Live-Therapie-sitzungen sehr sichtbar, auch durch den intensiven Augenkontakt zwischen Therapeut und Klient und durch wiederholte Fragen des Therapeuten wie: „Haben Sie den Eindruck, dass ich innerlich mit Ihnen mitgehe, dass ich bei Ihnen bin?“ 

Durch die in der emotionalen Verbindung mit dem Therapeuten gewonnene Sicherheit kann der Klient die körperlichen Empfindungen, die mit seinen in der Vergangenheit liegenden schmerzlichen Erfahrungen verbunden sind, wahrnehmen und benennen. Der Klient lernt, dass nicht die schmerzlichen Emotionen an sich unerträglich sind, sondern das frühe Verlassensein, die Zurückweisung durch die Eltern (den Vater), die mit diesen Emotionen verbunden waren.

Reintegration abgespaltener Aspekte des Selbst

Ein Moment der Heilung und Veränderung entsteht, wenn der Klient für ihn zuvor Unerträgliches und darum von ihm Abgespaltenes plötzlich fühlen kann und er gleichzeitig die Fürsorge und emotionale Unterstützung des Therapeuten erfährt. So kann er die zuvor durch Scham abgespaltenen Aspekte des eigenen Selbst wieder integrieren. Dies hat oft auch positive Auswirkungen hinsichtlich psychosomatischer Beschwerden, die sich dadurch verringern können. 

Die Erfahrung der Reintegration einst abgespaltener Affekte erlaubt dem Klienten ein authentischeres und freieres Reagieren. Auf zwischenmenschlicher Ebene wird dies dadurch erkennbar, dass er mehr Energie in Beziehungen zu anderen Menschen investiert und sich weniger mit sich selbst beschäftigen muss. In dem Maß, in dem Vertrauen und Zuversicht in der Zweierbeziehung zwischen Klient und Therapeut wachsen, gewinnt der Klient Sicherheit, affektiven Austausch auch mit anderen Männern zu wagen. Erst danach kann er authentische Beziehungen mit Frauen eingehen.

Erfolg der Therapie

Nicolosi betonte, dass es sich bei der Reparativtherapie um ein Therapiekonzept handelt, das auch bei anderen Problematiken, die mit frühkindlichem Bindungsverlust einhergehen, erfolgreich angewandt werden kann. Die von ihm weiterentwickelte Reparativtherapie sei eine Möglichkeit, relativ schnell Erfolge zu sehen. Eine Therapie für Menschen mit ego-dystoner Homosexualität dauere durchschnittlich zwei Jahre, dann sei das vom Klienten gewünschte Ziel oft erreicht. Viele seiner Klienten seien heute verheiratet und fühlten sich in diesem Lebensstil viel wohler. 

Nicolosi sprach von einer dreigeteilten Erfolgsrate. Ein Drittel der Klienten erfahre eine anhaltende und stabile Veränderung nicht nur des Verhaltens, sondern auch der Gefühle und des Begehrens. Ein weiteres Drittel erfahre eine erhebliche, wenn auch keine vollständige innere Veränderung, die sich aber in zahlreichen Lebensbereichen positiv auswirke. Ihre Persönlichkeit, insbesondere ihre männliche Geschlechtsidentität werde gestärkt, ihre Konflikt- und  Beziehungsfähigkeit verbessere sich, Depressionen nehmen ab. Bei einem weiteren Drittel lägen oft zusätzliche Problematiken, z.B. Alkoholmissbrauch oder psychische Mehrfachprobleme vor, die eine Veränderung deutlich verlangsamen könnten. Manchmal seien auch Klienten von Verwandten oder Freunden geschickt, hätten jedoch selbst wenig Motivation zu einer Veränderung. 

Menschen mit ego-dystoner Homosexualität suchen vergeblich Anlaufstellen

In einer Plenumsveranstaltung während der Tagung wurde klar: Menschen mit ego-dystoner Homosexualität treffen auf fast unüberwindliche Hürden, wenn sie therapeutische Hilfe für ihr selbstgewähltes Ziel der Abnahme homo-sexueller Neigungen und der Entwicklung ihres heterosexuellen Potentials suchen. Ein Psychotherapeut aus der Schweiz äußerte, die Veränderungsmöglichkeiten bei ego-dystoner Homosexualität seien vielen Therapeuten nur unzureichend oder nicht bekannt. Auch in der Schweiz würde von führenden Wissenschaftlern immer noch behauptet, die homosexuelle Orientierung sei Schicksal und unveränderbar. Solche, die öffentliche Diskussion beherrschenden und als wissenschaftlich geltenden Äußerungen, die das Thema einseitig darstellten, hätten zur Folge, dass die Not vieler Menschen und ihr Wunsch nach Veränderung weder ernst genommen noch respektiert würden. 

Ein Psychotherapeut aus Italien bestätigte dies. Für Menschen, die ihre Homosexualität als ich-dyston erlebten, gäbe es in der italienischen Öffentlichkeit nur eine Antwort und die würde auch in den Medien sehr publik gemacht: „Lebe homosexuell. Deine Hoffnung auf ein anderes Leben kannst Du begraben.“ Gruppen, die die Homosexuellenideologie verbreiten, würden zudem durch verschiedene politische Organisationen finanziell unterstützt.

Umso hoffnungsvoller stimmte der Bericht aus Lettland. Dort hat das Parlament 2005 die Verfassung dahingehend erweitert, dass Ehe ausdrücklich als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert ist. Dies sei eine gute Basis, so der Vertreter der lutherischen Kirche aus Lettland, um auch Informationen über Veränderungsmöglichkeiten bei ego-dystoner Homosexualität weitergeben zu können, denn gerade viele junge Menschen wünschten sich im Grunde eine Ehe. Menschen mit homosexuellen Empfindungen könnten dann wählen, ob sie homosexuell leben oder sich auf den Weg der Veränderung ihrer Gefühle machen wollten. 

Ausländische Netzwerke

Ein polnischer Teilnehmer berichtete, dass die Möglichkeit von Reparativtherapien bei ego-dystoner Homosexualität in Polen zunehmend bekannter würde. Ein Bedarf bestünde vor allem bezüglich größerer Zusammenarbeit der Therapeuten. Viele von ihnen kämpften allein und isoliert für das Recht ihrer Klienten, eine Reparativtherapie in Anspruch nehmen zu können. 

In Dänemark, Kopenhagen, ist für das nächste Jahr eine europäische Konferenz geplant. Ziel der Veranstaltung ist der Austausch von Erfahrungen und Methoden in der Begleitung von Menschen mit verschiedenen Beziehungskonflikten, auch mit Problemen im Bereich sexueller Empfindungen.

In Italien wird ein internationaler Zweig von NARTH entstehen; in Deutschland gehört das DIJG zum internationalen Zweig (International Chapter) von NARTH. 

Selbsthilfegruppen

Die Leiterin der christlichen Selbsthilfegruppenarbeit „Living Waters Europa“
(www.livingwaterseurope.com) berichtete über ihre Organisation, die 1980 ursprünglich als Selbsthilfegruppe für Männer mit ego-dystoner Homosexualität gegründet worden war. Heute arbeiten Ansprechpartner von Living Waters in vierzehn europäischen Ländern und insgesamt 30 Ländern auf der ganzen Welt mit Kirchen aller Denominationen vor Ort zusammen. Die Arbeit spreche heute Frauen und Männer an, die Hilfe bei verschiedenen Identitätsproblematiken suchten, dazu gehörten nicht nur ego-dystone homosexuelle Empfindungen, sondern auch andere Probleme wie Missbrauchserfahrungen, Sex- und Pornographiesucht und allgemeine Beziehungsschwierigkeiten. 

Ein Teilnehmer aus Ungarn berichtete über eine kleine, nicht-religiös gebundene Selbsthilfegruppe für Männer mit ego-dystoner Homosexualität in seinem Land.

Daneben wiesen die Teilnehmer auf ganz verschiedene, unabhängige Programme in ihren Ländern hin: 

„Odwaga“ (www.odwaga.oaza.org.pl) in Polen, Lublin; „Der neue Weg“ (www.derneueweg.ch)
und „growinglife“ (www.growinglife.ch) in der Schweiz; wuestenstrom (www.wuestenstrom.de)
und ihr Programm „Aufbruch Leben“ in Deutschland und in der Schweiz
(www.wuestenstrom.ch); sowie in Deutschland
die auf dem Zwölf-Schritte Programm basierenden love4you-Seminare; in Dänemark die Organisation „basis“ (www.basis.nu) für Menschen mit Beziehungs- und Identitätskonflikten; genannt wurde auch „setting captives free“,
(www.settingcaptivesfree.com), eine Inter-netorga-nisation mit Sitz in den USA. In der Regel bieten diese Gruppen Hilfe für Menschen mit verschiedenen Beziehungsproblematiken an.  

An der Tagung in Berlin nahmen auch einige Männer teil, die selbst unter homosexuellen Empfindungen leiden und Veränderung suchen. Sie äußerten immer wieder, dass das Angebot professioneller Therapien für Menschen, die ihre Homosexualität als ich-dyston empfinden, völlig unzureichend sei und unbedingt ausgebaut werden solle. Informationsangebote über Ursachen und Therapiemöglichkeiten und auch das Angebot von Selbsthilfegruppen seien Schritte in eine gute Richtung, so die Männer, eine geeignete Therapie könnten sie jedoch nur ergänzen, nicht ersetzen. 

Stimmen von Tagungsteilnehmern

Ein Mann, der seit Jahren auf der Suche nach geeigneter psychotherapeutischer Hilfe ist, äußerte nach der Tagung: „Diese Tagung hat mich auf meinem selbstgewählten Weg der Veränderung weiter vorwärts gebracht als bisher drei Jahre Psychotherapie. So schnell an traumatische Erlebnisse heranzugehen und diese noch einmal zu durchleben und den Schmerz, den diese Erlebnisse mit sich brachten, nicht mehr zu verdrängen, sondern zuzulassen, hat große Spannungen in mir gelöst. Danke, dass ich hier ein Stück mein wahres Selbst, meine wahre Identität finden konnte.“

Ein Osteuropäer erklärte: „Ich habe schon vor 25 Jahren gehört, dass Veränderung möglich ist und mit dem Akzeptieren der eigenen Männlichkeit zu tun hat. Leider habe ich es nicht geglaubt und einige Jahre meine Homosexualität ausgelebt, ohne dabei innere Ruhe zu finden. Nach Jahren der Analyse und 12-Schritte-Arbeit habe ich nun grundlegender verstanden, dass durch Sex mit Männern oder durch pornographische Bilder nie die heilende Verinnerlichung von Männlichkeit erfolgen kann. Nur durch Männer-Freundschaften ohne Erotik kann man das ’fehlende psychische Männliche’ – Ursprung der homoerotischen Anziehung – verinnerlichen.“ 

Für viele der teilnehmenden Therapeuten war die Verbindung von theoretischen Grundlagen mit praktischen Übungen sehr hilfreich: 

„Das Seminar macht Mut, neue Wege zu gehen. Veränderung ist nicht unmöglich! Aus Unsicherheit, Einsamkeit, Trostlosigkeit zu Selbstbehauptung, Selbstbejahung und innerer Einheit mit sich selbst. Joseph Nicolosi hat vor, sein Konzept der Reparativtherapie als Buch zu veröffentlichen. Eine Übersetzung in die deutsche Sprache wäre wünschenswert.“

„Die Affekt-fokussierte Therapie, mit der
Dr. Nicolosi ego-dystone homosexuelle Männer therapiert, hat mich tief beeindruckt. Für mich als Psychotherapeut ist es ein großer Ansporn, ähnlich intensiv zu arbeiten.“

„Für mich war die konkrete Umsetzung unter uns Teilnehmern sehr wichtig und erfahrungsreich. Von der Theorie in die Praxis!“

„Überzeugend waren die Berichte von Klienten (gezeigte Videos), die sich auf dem Weg der Veränderung befinden. Die Tagung und die Darstellung der Reparativtherapie haben mir neue hoffnungsvolle Sichtweisen der Veränderungsmöglichkeiten aufgezeigt.“ 

Monika Hoffmann, lic. iur.

Juristin und Öffentlichkeitsreferentin am Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft.