Für Freiheit und Selbstbestimmung

Vom 10.-13. August 2006 fand in New Orleans die Jahreskonferenz der Amerikanischen Psychologenvereinigung (APA) statt.
Als die Psychologen am 11. August aus ihren Bussen stiegen, trafen sie auf eine ungewöhnliche Demonstration: Männer und Frauen, die durch therapeutische Unterstützung eine Abnahme ihrer homosexuellen Gefühle erlebt hatten oder sich das wünschten, setzten sich für Therapiefreiheit ein. Sie demonstrierten friedlich für das Recht des Einzelnen, eine Therapie auch mit dem Ziel der Abnahme homosexueller Empfindungen eingehen zu können.

Auf ihren Postern und Plakaten stand: Auch mein Wunsch nach Veränderung hat ethische Grundlagen! – Veränderung ist möglich! – APA, unterstütze auch mein Recht auf Autonomie! – Wirkliche Vielfalt schließt auch mich mit ein! – Es gibt kein Schwulen-Gen! – Selbstbestimmung!

Einige der aus ganz USA angereisten Psychologen waren erstaunt zu hören, dass ihre eigene Organisation, die APA, öffentlich nur die gay-affirmative Therapie unterstützt. Das hatten sie nicht gewusst. Sie waren selbstverständlich davon ausgegangen, dass auch für die APA die Autonomie des Klienten und seine Selbstbestimmung – auch bezüglich seines Therapieziels – oberste Priorität haben.

Für Therapiefreiheit

Die Demonstration blieb nicht ohne Wirkung. Der damalige Präsident der APA, Gerald Koocher, versicherte in der anschließenden offenen Diskussionsrunde, dass die Amerikanische Psychologenvereinigung es respektiere, wenn Klienten sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Gefühle wünschten und dabei therapeutische Begleitung in Anspruch nähmen. Erforderlich sei nur, dass die Therapeuten ihre Klienten vor Beginn der Therapie sachgerecht aufklärten.

Schon 2004 hatte der frühere APA-Präsident Robert Perloff geäußert: „Der Einzelne hat das Recht zu wählen, ob er eine homosexuelle Identität annehmen will oder nicht. Es ist die Wahl des Einzelnen, nicht die Entscheidung einer ideologisch gemünzten Interessensgruppe. Einen Psychotherapeuten, der einen Klienten mit Veränderungswunsch begleiten möchte, davon abzuhalten, ist Anti-Forschung, Anti-Wissenschaft und antithetisch für die Suche nach Wahrheit.“1 

2005 meinte Nicholas Cummings, ebenfalls früherer APA-Präsident: „Ich setze mich auf das Entschiedenste für die Freiheit der Wahl für jeden ein, insbesondere für das Recht des Einzelnen, das Ziel seiner Therapie selbst zu wählen.“2

Das eingangs geschilderte Szenario spielte sich in den USA ab. Doch warum sollte es in Europa weniger Freiheit geben?

Es war zwar keine öffentliche Demonstration, aber dennoch ein eindringlicher Appell Einzelner: An der Jahrestagung des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft (DIJG) im September 2006 – zugleich eine Fortbildung für Therapeuten und Seelsorger in Reparativtherapie – nahmen auch Männer teil, die selbst unter homosexuellen Empfindungen leiden. Sie plädierten eindringlich dafür, die Angebote von Reorientierungstherapien in Deutschland und Europa zu erweitern.

© DIJG Dezember 2010
 

Anmerkungen

1 NARTH-Bulletin Vol. 14, Nr. 2, Herbst 2006, S. 40.

2 NARTH-Bulletin Vol. 14, Nr. 2, Herbst 2006, S. 40.