Geschichte und Auftrag des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft

Das Institut will auf der Grundlage eines jüdisch-christlichen Menschen- und Weltbildes, gespeist aus den Wurzeln unserer europäischen Geschichte, Orientierungshilfen in Fragen der Lebenskultur und Familie, der Pädagogik und Identitätsfindung, der Ökologie und des weltweiten Diakonats geben.

Das Institut ist das Studien- und Forschungszentrum der ökumenischen Kommunität „Offensive Junger Christen e. V.“ (OJC). Es will auf der Grundlage eines jüdisch-christlichen Menschen- und Weltbildes, gespeist aus den Wurzeln unserer europäischen Geschichte, Orientierungshilfen in Fragen der Lebenskultur und Familie, der Pädagogik und Identitätsfindung, der Ökologie und des weltweiten Diakonats geben.

Zum Institut gehört eine umfangreiche Bibliothek zu den Themen Anthropologie, Kultur, Geschichte, Zeitgeschichte, Philosophie und Sprache, Theologie, sowie zahlreiche Einzelarchive.

Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft wurde 1969 gegründet.

Von Anfang an ging es um die sozialwissenschaftliche und theologische Reflexion dessen, was im pädagogischen Experiment der „OJC-Großfamilie“, dem Zusammenleben von geöffneten Familien mit jungen Erwachsenen aus aller Welt, praktisch gelebt wurde. Das Wort von Dietrich Bonhoeffer, „Die letzte verantwortliche Frage ist ... wie eine nächste Generation weiterleben soll“, war richtungsweisend. Deshalb ging und geht es im Institut zwar um wissenschaftliche Fundierung, nicht aber um ein unbehaustes Wissen, sondern um ein Wissen, das dem Leben dient. Die Ergebnisse fließen zurück in die Lebenspraxis, in Tagungen, Veröffentlichungen und Vortragsdienste. Viktor Frankl hat das Ziel verantwortlicher Pädagogik und Lebenskultur einmal so formuliert: „Wir leben im Zeitalter eines um sich greifenden Sinnlosigkeitsgefühls. In diesem ... Zeitalter muß es sich die Erziehung angelegen sein lassen, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch das Gewissen zu verfeinern, so daß der Mensch hellhörig genug ist, um die jeder einzelnen Situation innewohnende Forderung herauszuhören. ... Dann wird ihm nicht nur ... sein Leben wieder sinnvoll erscheinen, sondern er selbst wird auch immunisiert sein gegenüber Konformismus und Totalitarismus - diesen beiden Folgeerscheinungen des existentiellen Vakuums.“1

In den 1970er Jahren war einer der Schwerpunkte des Instituts die Erforschung krankmachender Strukturen in Jugendreligionen. Ausgelöst durch zwei junge Menschen, die aus Jugendsekten ausgestiegen waren und nun in der OJC mitlebten, begann das Institut, sich mit den Gründen für die Faszination solcher Gruppen und mit den Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft auseinanderzusetzen. Mehrere Publikationen entstanden, sowie eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit. Später befaßte sich das Institut erneut mit dem Thema, diesmal aus dem Blickwinkel der Religionsfreiheit in Europa.

1978 entstand die „Studica“, mitgeprägt vom Wiener Physiker und Zukunftsforscher Hans Millendorfer. Für etwa fünf Jahre trafen sich zweimal jährlich 25 Wissenschaftler und Studenten verschiedenster Fachrichtungen zu jeweils 14 tägiger Lern-, Forschungs- und Lebensgemeinschaft. In späteren Jahren gab es auch Forschung über Totalitarismus und deutsche Zeitgeschichte, vor allem mithilfe des dänischen Bonhoeffer-Forschers Jørgen Glenthøj.

In den 1980er Jahren wurden Sorge und Fürsorge für konkrete Menschen im südlichen Afrika Ausgangspunkt neuer Forschungsarbeit. Wieder begann es mit einer Begegnung. Zwei schwarze Studenten aus einem Township von Pietermaritzburg (Südafrika), die sich der revolutionären Veränderung ihres Landes verschrieben hatten, besuchten die OJC. Ihr Lagebericht führte dazu, daß intensiv den Fragen nach Gewalt, struktureller Gewalt und Gewaltlosigkeit aus politischer, sozialethischer und theologischer Perspektive nachgegangen wurde. Gleichzeitig begann die OJC mit konkreter Hilfe vor Ort: mit Hilfe für Landwirtschaftsprojekte, mit Freizeitangeboten für schwarze Jugendliche und Förderung von Kleinbetrieben für schwarze Frauen. In vielen Gesprächen und durch Sichtung zahlloser Protokolle und Hintergrundpapiere informierten sich die Mitarbeiter über Wunsch und Wirklichkeit im Zusammenhang mit den internationalen Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika und mit der stetigen Eskalation der Gewalt. Charakteristisch für dieses Engagement zur Überwindung der Apartheid ist ein Wort des Theologen Wilhelm Vischer: „Wer Menschen liebt, wird in Politik verstrickt.“ In dieser Zeit entstand nicht nur eine Reihe von Veröffentlichungen über Südafrika. Das vom Institut geförderte Buch „Namibische Passion“ von Pfarrer Siegfried Groth wurde in drei Sprachen übersetzt.

Heute ist ein wachsender Schwerpunkt des Instituts das Thema Lebenskultur und die Zukunft der Familie, Sexualität und Homosexualität. Seit dem evangelischen Kirchentag 1979 fragen Frauen und Männer verstärkt nach Informationen und Hilfe für Weg aus der Homosexualität. Es sind Frauen und Männer, die für sich entschieden haben, an einem Menschenbild der Komplementarität festzuhalten. Neben der Erarbeitung biblisch-anthropologischer und sozialwissenschaftlicher Einsichten in die Zusammengehörigkeit der Geschlechter und Generationen begann das Institut, sich intensiv die wissenschaftliche Forschung zur menschlichen Sexualität und Homosexualität zu erarbeiten und Stellung zu beziehen. Hier - wie auf anderen Gebieten – gibt es eine enge Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Institutionen und Instituten.

Das neue Lebenspartnerschaftsgesetz, das homosexuell lebende Paare der Ehe nahezu gleichgestellt hat, sowie durch ähnliche gesetzliche Regelungen in anderen EU-Ländern, verschärfen die Frage nach den Lebensgrundlagen der nächsten Generation. Der fatale Versuch verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, Elternschaft von der Geschlechterspannung und der Mann-Frau-Beziehung abzukoppeln, um sie völlig neu definieren zu können, bedeutet, daß tiefer über Mutterschaft und Vaterschaft nachgedacht werden muß. Die Versöhnung zwischen den Geschlechtern und Generationen zu fördern, ist deshalb eine der dringendsten gegenwärtigen Aufgaben des Instituts.

Hingewiesen sei noch auf weitere Bereiche der Institutsforschung: weibliche und männliche Identitätsentwicklung; sexueller Mißbrauch; AIDS, vor allem in Afrika.

Ziel ist und bleibt die öffentliche Verantwortung und Orientierung aus christlicher Hoffnung. Dies ist Teil der apologetischen Aufgabe des Instituts und dient der geistlich-geistigen Orientierung da, wo der Glaube als Lebensgrundlage durch die Zeitströmungen herausgefordert wird. „Apologetik, das öffentliche Rechenschaftablegen in der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Weltanschauungen und religiösen Bewegungen, gehört von jeher zum Wesen des christlichen Glaubens.“2 In diesem Kontext bleibt unser öffentlicher Einsatz auch ein Engagement für gesellschaftliche Freiheit. Es geht um den notwendigen Freiraum, in dem das verändernde, Zukunft schaffende Wort von Jesus Christus noch ungehindert gesagt und gehört, ihm geglaubt und gefolgt werden kann. Denn „der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“3

1 Frankl, Viktor E.: Psychotherapie für den Alltag“, Herder 1992, S. 23.
2 EZW-Texte Berlin, Nr. 154, 2000, S.2
3 Böckenförde, E.W., Recht, Staat, Freiheit, Frankfurt 1992, S. 112-113.

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