Die sexuelle Revolution der 68er und ihre Folgen für Ehe und Familie

Jeppe Rasmussen

Sex ist die natürlichste Sache der Welt. Die sexuelle Revolution hat sie zur unnatürlichsten gemacht. Die der modernen Verhütungskultur innewohnende Logik, die die Fruchtbarkeit von Mann und Frau aus dem Erotik- und Geschlechter-Diskurs ausblendet, verändert auch das Gut1 der Ehe und bricht mit der gesamten reformatorischen Tradition2.

Als sexuelle Revolution lässt sich die „Destigmatisierung aller Spielarten nicht-ehelichen sexuellen Verhaltens“3 verstehen, die mit einem steilen Anstieg solcher Aktivitäten in allen – vor allem modernen – Gesellschaften einhergeht. Fast undenkbar wäre dieser Anstieg, wäre Anfang der 1960er Jahre nicht die Antibabypille erfunden worden. Erst sie ermöglichte die Trennung dessen, was seit jeher zusammengehörte: geschlechtliche Vereinigung und Fortpflanzung. Damit war der Boden für die breite, alle sozialen Schichten, kulturellen Gruppen und zunehmend auch Jugendliche erreichende sexuelle Revolution bereitet.

Analysten des Zusammenhanges zwischen Verhütungsmöglichkeiten und sexueller Freizügigkeit erklären häufig beide für wichtige Güter: sie hätten Frauen von der Bindung an Heim und Kinder befreit und ihnen eine bisher nie dagewesene Freiheit (von ungewollten Schwangerschaften) ermöglicht. Verhütung gebe den Frauen die Kontrolle über Anzahl der und zeitliche Abstände zwischen den Geburten und öffne damit die Tür zum Bildungs- und Berufserfolg. Frauen (und Männer) könnten somit sexuelle Beziehungen um der Lust und Befriedigung willen erleben, ohne eine ungewollte Schwangerschaft befürchten zu müssen. Darum seien beide Phänomene uneingeschränkt zu bejahen.

Die andere Seite der Medaille ist zwar durch unzählige empirische Studien belegt, doch kaum ein Wissenschaftler wagt es, sie in Zusammenhang mit der sexuellen Revolution und dem Aufkommen moderner Verhütungsmittel zu stellen. Niemand will den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Erleuchteten und Rechtgläubigen4 riskieren.

Verhütung verändert die Gleichung

Wesen und Bestimmung der Ehe ist es, Mann und Frau als Gatte und Gattin in existenziell umfassender Hinsicht (emotional-geistig, körperlich-leiblich, sozial-ökonomisch) zusammenzuführen (Vereinigung), damit sie den Kindern (Fortpflanzung), die aus ihrer geschlechtlichen Vereinigung hervorgehen, Vater und Mutter sein können. Während die Mutterschaft naturgemäß eindeutig ist und unausweichliche Folgen für die Frau hat, braucht es für die Identifizierung des Vaters und die Bestimmung seiner Zuständigkeit klare konventionelle Rahmen. So ist es eine Leistung der Ehe, „sexuelle Beziehungen zwischen Männern und Frauen zu regulieren, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass Kinder (ihre Mütter und die Gesellschaft) mit der Bürde der Vaterlosigkeit“5 belastet werden. Diese Einsicht hat Maggie Gallagher auf die einfache Formal gebracht: „sex makes babies, society needs babies, and children need mothers and fathers.“6

Die Einführung von modernen Verhütungsmitteln hat das herkömmliche Sinngefüge der sexuellen Kräfte umgeschrieben, das der Naturrechtsphilosoph J. Budziszewski als Zusammenhang von Vereinigung und Fortpflanzung beschreibt.7 Diese beiden Dimensionen gehörten in der abendländischen Tradition zu den Gütern der Ehe.8 Statt eine umfassende Vereinigung in seelisch-geistiger und körperlich-leiblicher Hinsicht zu sein, die in sich für die Hervorbringung neuen Lebens offen ist9, schaltet Verhütung die Dimension der Fruchtbarkeit aus, wodurch der eheliche Liebesakt seine umfassende Bestimmung verliert.10 Der Sex soll nun vor allem und möglichst ausschließlich die aus ihm gewonnene Lust und (Eigen-)Befriedigung gewährleisten.11 Damit verändert sich das Verhalten der Partner: Wenn Geschlechtsverkehr keine Babys mehr hervorbringt, gibt es keinen Grund, die sexuelle Aktivität auf die Ehe zu beschränken. Im Gegenteil, sie soll, so fordert es die sexuelle Revolution, die Sinnhaftigkeit der Ehe als solche infrage stellen. Eine Forderung mit unberechenbaren Folgen.

Folgen12 der sexuellen Revolution

Traditionellerweise hat vor allem die Furcht vor einer außerehelichen Schwangerschaft und die damit einhergehende soziale Stigmatisierung die Mehrheit von vor- oder außerehelichem Geschlechtsverkehr abgehalten. Seit diese Befürchtung technisch durch die Pille sowie weitere Verhütungsmittel und ethisch durch die sexuelle Revolution als unbegründet gilt, sind drastische Verhaltensänderungen zu verzeichnen.

Vorehelicher Geschlechtsverkehr

Galt es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als Ausnahme, dass heranwachsende Mädchen vorehelichen Sex hatten (6 Prozent), war dies hundert Jahre später zur Norm geworden (ca. 75 Prozent).13 Bereits nach Einführung der Pille stieg der Prozentsatz der sexuell aktiven weiblichen Teenager an, doch erst nach der Liberalisierung des Abtreibungsverbots schoss er in die Höhe.14 Diese scheinbar folgenlose Trennung von Ehe und Geschlechtsverkehr hat auch den moralischen Konsens verändert. Während 1994 noch 25 Prozent und 1970 etwa die Hälfte der Befragten in den USA koitalen vorehelichen Sex für „immer“ oder „fast immer falsch“ hielten,15 findet ihn heute die überwiegende Mehrheit akzeptabel.

Familienformen und nicht-eheliche Geburten

Die Folgen zeichnen sich auch in den Familienformen ab, die sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vielfältig verändert haben. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Anzahl und Häufigkeit der Eheschließungen zurückgegangen ist, während nicht-eheliches Zusammenleben (cohabitation) und die Häufigkeit von Scheidungen stark gestiegen sind.

Wohnten in den USA 1960 noch 87 Prozent der Kinder in einem Haushalt mit zwei Eltern, lag die Zahl 2014 bei 69 Prozent. Die Zahl der Alleinerziehenden stieg im selben Zeitraum von 9 auf 26 Prozent. Auch die Beziehungsform der Eltern hat sich gewandelt: Heute lebt weniger als die Hälfte der Kinder (46 Prozent) in einem Haushalt, in dem beide Eltern in erster Ehe verheiratet sind. Das waren 1980 noch 61 und 1960 73 Prozent. Und schätzungsweise die Hälfte aller amerikanischen Kinder wird bis zum 16. Geburtstag erleben, dass mindestens ein Elternteil in einer nicht-ehelichen Gemeinschaft lebt.16 In Deutschland werden gleichartige Zahlen verzeichnet.17 Ähnliche Entwicklungen sind zu beobachten in Bezug auf Frauen, die außerhalb der Ehe Kinder bekommen. Lag um die Jahrhundertmitte der Prozentsatz der Geburten von nicht-verheirateten Frauen in den USA bei etwa 5 Prozent, stieg sie bis 2006 auf knapp 40 Prozent. In anderen Ländern des Westens ist der Anteil zum Teil noch höher: Island: 66%, Schweden: 55%, Norwegen: 54%, Frankreich: 50%, Dänemark: 46% und Deutschland: 33%.

Beide Entwicklungen wirken sich nachteilig auf Kinder und Frauen aus: Zahlreiche Studien belegen, dass es Kindern signifikant besser geht, wenn sie bei ihren leiblichen, miteinander verheirateten Eltern aufwachsen: in Bezug auf schulische Leistung, emotionales Wohlergehen, Vermeidung von vaterlosem Aufwachsen, sexuellem Missbrauch und Kriminalität, um nur einige Bereiche zu nennen.18 Die Schlussfolgerung einer Forschergruppe des Institute for American Values fasst zusammen: „Kinder in durchschnittlich intakten Familien mit verheirateten Eltern entwickeln sich besser als Kinder in durchschnittlichen alleinerziehenden und Stieffamilien, und in Familien mit nicht-ehelichem Zusammenleben.“19

Die Soziologen Sara S. McLanahan und Gary Sandefur, die das Aufwachsen bei alleinerziehenden Eltern umfassend untersucht haben, kommen zu dem Schluss: „Wenn wir gebeten würden, ein System zu entwerfen, das mit Sicherheit die grundlegenden Bedürfnisse von Kindern befriedigt, würden wir uns vermutlich etwas ziemlich Ähnliches wie das Zwei-Eltern-Ideal ausdenken.“20 Auch der Ökonom Timothy Reichert verweist auf die „bittere Pille“, die viele Frauen durch die allgemeine Akzeptanz verhütender Technologien haben schlucken müssen. Sein Fazit ist unmissverständlich: „Die verhütende Revolution hat zu einer massiven Umverteilung von Reichtum und Macht von Frauen und Kindern weg hin zu Männern“ geführt.21

Verhütung und Abtreibung

Eine der am wenigsten beachteten Folgen der sexuellen Revolution ist die Verbindung zwischen Verhütung und Abtreibung. Reichert zeigt in seiner Untersuchung auf, dass „Verhütung eine Nachfrage nach Abtreibung schafft“22. Dies folge logisch aus dem Bemühen der Frauen, durch Verhütung höhere Investitionen in ihre eigene Bildung tätigen zu können.

Schlage dann die Verhütung fehl, werde Abtreibung zur Lösung, um nicht die getätigte Investition zu verlieren, so seine ökonomische Analyse.
Pro-Abtreibungsorganisationen leugnen oft diesen Zusammenhang und argumentieren umgekehrt: Stünde Empfängnisverhütung ohne Einschränkung zur Verfügung, würde sich die Zahl der Abtreibungen bis auf Null reduzieren. Dagegen wendet Scott Lloyd in einer Analyse der Statistiken der US-Abtreibungsindustrie ein: „Während die einzelne Verhütung womöglich einzelne Abtreibungen verhindert, verhindert Verhütung im Ganzen nicht Abtreibung als gesamtgesellschaftliches Phänomen. Vielmehr gelange man aufgrund der relevanten Daten zu der Schlussfolgerung, dass in der Verhütung eine Ursache für die Zunahme der Abtreibung liegt.“23 Die Crux bei der Verhütung ist, dass sie längst nicht so zuverlässig ist, wie vermittelt wird.24 Verhütung fördert vielmehr die Bereitschaft zu „sexuellen Begegnungen und Beziehungen, die sich ohne sie nicht ereignet hätten. Wenn Paare verhüten, lassen sie sich auch auf Sex ein, wenn eine Schwangerschaft ein Problem wäre. Das führt zu einem Wunsch nach Abtreibung.“25 Der amerikanische Supreme Court sieht es ähnlich. Im Planned Parenthood vs. Casey-Urteil (1992), in dem das Recht auf Abtreibung aufrechterhalten wurde, argumentiert er folgendermaßen: „In gewisser Hinsicht hat Abtreibung denselben Charakter wie die Entscheidung, Verhütungsmittel zu verwenden. […] Durch die ökonomische und soziale Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte haben Menschen ihre Intimbeziehungen organisiert und ihre Entscheidungen getroffen […] im Vertrauen auf die Verfügbarkeit von Abtreibung, sollte die Verhütung misslingen.“26 Das war vor 26 Jahren. Heute gibt die Chefin des führenden britischen Abtreibungsdienstleisters BPAS, Ann Furedi, unumwunden zu: „Unsere Daten zeigen, dass Frauen ihre Fertilität nicht durch Verhütung allein kontrollieren können, selbst wenn sie die effektivsten Methoden anwenden. Familienplanung ist Verhütung und Abtreibung. Abtreibung ist Empfängnisverhütung, die Frauen benötigen, wenn die normale Methode versagt.“27 Beide Maßnahmen sind für Furedi untrennbar: „Jede Gesellschaft, die Familienplanung wertschätzt, muss Abtreibung als ein Teil des Empfängnisverhütungspakets schätzen. Abtreibung ist notwendig als Ergänzung zur Verhütung. [...] Die Behauptung, dass Verhütungsmittel Abtreibungen verhindern können, ist eine dem Wunschdenken geschuldete Lüge, kolportiert in den Köpfen derer, die keine Ahnung von der Fehleranfälligkeit der Methoden haben.“28 Allein in den USA sind von 1970-2014 schätzungsweise 45 Mio. Kinder abgetrieben worden. Von 1996-2017 wurden in Deutschland über 2,5 Mio. Kinder abgetrieben.29

Demographische Entwicklung und Unfruchtbarkeit

Kein Wunder, dass heute nicht die in den 1960ern und 1970ern befürchtete Überbevölkerung die gesellschaftliche Debatte prägt, sondern die für den Erhalt der Sozialsysteme problematische demografische Entwicklung.30 Der Kampf gegen die Fruchtbarkeit hat eine hohen Tribut gefordert – und zwar weltweit. Inzwischen lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Ländern, die ihre eigene Bevölkerungszahl nicht aufrechterhalten können (weniger als 2,1 Kind pro Frau).31 Selbst Kevin Kelly, Gründer des Technologie-Magazins Wired und ansonsten vor allem mit technologischen Zukunftsszenarien beschäftigt, warnt vor der „Bombe der Unterbevölkerung“32 und sagt voraus, dass die Kriege der Zukunft um die Arbeitskraft der Jungen ausgefochten werden.

Was sich auf globaler Ebene als sachter Anstieg der Sterilität zeigt, schlägt in gewissen Ländern bereits dramatische Wellen. In Dänemark kam 2015 jedes 12. Kind unter Zuhilfenahme einer Fertilitätsbehandlung auf die Welt, jeder fünfte Mann und mehr als jede zehnte Frau über 50 sind kinderlos geblieben.33 In Deutschland wurden 2015 mehr als 20.000 Kinder nach einer künstlichen Befruchtung geboren, eine Verdreifachung im Vergleich zu 2011.34 Es werden bereits Kinder geboren, die von mehr als zwei Personen abstammen und somit bis zu fünf „Eltern“ haben. Zusammengewirkt haben ein Samenspender, eine Eispenderin, eine Leihmutter und das adoptierende Paar, bei dem das Kind aufwachsen wird.35 Der amerikanische Familienwissenschaftler Steven Nock erklärt: „Ungeachtet der Gründe, sobald Sex und Fortpflanzung getrennt werden, wird Elternschaft als Wahl redefiniert.“36

Neudefinition von Ehe

Die Trennung von Vereinigung und Fortpflanzung, die über Jahrtausende in der Ehe als zusammengehörig gedacht und gelebt wurden, hat eine Lawine ausgelöst, die das Gut der Ehe unter sich begrub. Spätestens mit der Einführung der „Ehe für alle“ wurde deutlich, dass Ehe in ihrem Kern bedeutungslos geworden ist. Es ist nicht auszumachen, was eine so verstandene Ehe von zahllosen anderen Formen des Zusammenlebens unterscheidet, und es ist nur folgerichtig, wenn es dann heißt, dass „Familie ist, wo Kinder sind“, um das familienpolitische Diktum der Schröder-Regierung aus dem Jahr 1998 zu bemühen.

Die Prognosen von Humanae Vitae

In welch paradoxer Weise die Verhütungsmentalität und die sexuelle Revolution jene Warner bestätigt haben, die die Revolutionäre zu widerlegen gedachten, zeigt sich bei der erneuten Lektüre eines päpstlichen Sendschreibens. Wohl kaum eine Veröffentlichung in der Geschichte unserer Zivilisation ist so höhnisch verspottet, missdeutet, ignoriert oder für unzeitgemäß erklärt worden wie die Enzyklika Humanae Vitae von Papst Paul VI. Dabei ist kaum eine Veröffentlichung so umfassend belegt und im Nachhinein von „säkularen, empirischen, postrevolutionären Fakten“37 bestätigt worden. In ihr hatte der Papst die bis 1930 von allen christlichen Kirchen einheitlich vertretene Lehre, wonach sich künstliche Verhütungsmethoden nicht mit der biblischen Lehre vereinbaren lassen, bestätigt und in vierfacher Hinsicht gewarnt: vor einer Zunahme der Sexualbeziehungen außerhalb der Ehe und damit einhergehender ehelicher Untreue, vor dem Aufweichen der allgemeinen Moral, dem Verlust des Respektes seitens der Männer Frauen gegenüber und dem staatlich massierten Einsatz diverser Techniken zur Geburtenkontrolle. Prognosen, die sich alle bestätigt haben. Die Enzyklika zeichnet ein Bild der Ehe als komplementäre Einheit zwischen einem Mann und einer Frau, deren freiwillige, vorbehaltlose, treue und fruchtbare gegenseitige Hingabe in der leiblich-personalen Gemeinschaft die Grundlage der Ehe bildet. Diese Lehre aus Humanae Vitae hat Papst Johannes Paul II. (Karol Wojtyła) in seiner Theologie des Leibes38 meisterhaft weiterentwickelt. In Wojtyłas Augen ist die eheliche Liebe in ihrem Wesen zunächst menschlich, d.h. sie umfasst sowohl die Sinnlichkeit als auch den Geist. Des Weiteren ist sie vollständig; eheliche Liebe sucht nicht ihr Eigenes, sondern fordert eine vollständige Hingabe der einen Eheperson an die andere, was auch die leibliche Dimension dieser Hingabe einschließt. Eheliche Liebe ist zudem treu und exklusiv. Und schließlich ist sie fruchtbar, d.h. eine Liebe, die „sich nicht in der Gemeinschaft der Gatten erschöpft, sondern ihre eigene Fortsetzung und das Entstehen neuen Lebens im Sinn hat.“39 Nur in einer solch gefassten ehelichen Liebe kommen Vereinigung und Fortpflanzung ganzheitlich zum Tragen.

Wojtyłas Theologie des Leibes ist in der Tat „theologischer Sprengstoff“40. Es wäre mehr als wünschenswert, dass der Funke dieser wahrhaft revolutionären Sicht auf die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan auch auf die sexualethischen Erwägungen in der protestantischen Christenheit überspringt, wenn sie sich nun, aus gegebenem Anlass, kritisch mit dem Erbe der 68er auseinandersetzt. Das wäre eine fruchtbare Folge der sexuellen Revolution.

Jeppe Rasmussen ist Diplom-Journalist, er leitet seit 2017 das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft.

Zuerst erschienen in: Confessio Augustana, 2/2018, S. 21-30.

Fußnoten

1 Ein Gut ist ein mögliches Ziel menschlichen Strebens.

2 Die meisten maßgeblichen Denker protestantischer Denominationen haben sich in Wort und Schrift deutlich gegen Verhütungsbestrebungen ausgesprochen. Darunter die Anglikaner Henry Alford, William Dodd, Joseph Hall, und Christopher Wordsworth; die Calvinisten Jacob Alting, Robert S. Candlish, und Cotton Mather; die Evangelikalen Keith Leroy Brooks and Thomas H. Leale; der Hugenotte Jean Mercier; die Lutheraner Johann Albrecht Bengel, Johannes Brunnemann, und Abraham Calovius; die Methodisten Adam Clarke and Richard Watson; die Nonkonformisten Henry Ainsworth, Daniel Defoe, und John Gill; die Presbyterianer John Brown, Robert Dabney, und Melancthon W. Jacobus; und die Puritaner Richard Stock and John Trapp. Vgl. Brian Clowes: What Is Historical Church Teaching On Contraception? In: The Wanderer, 30. März 2015. Verfügbar unter: thewandererpress.com/catholic/news/featured-today/what-is-historical-church-teaching-on-contraception/ [Zugriff am: 15. Juni 2018]

3 Mary Eberstadt: Adam and Eve after the Pill. Paradoxes of the Sexual Revolution. San Francisco 2012, S. 12.

4 Mary Eberstadt: The First Church of Secularism and Its Sexual Sacraments. In: National Review, Juni 2016, www.nationalreview.com/2016/06/its-dangerous-believe-religious-freedom-sexual-revolution/ [Zugriff: 15. Juni 2018]

5 John Corvino and Maggie Gallagher: Debating Same-Sex Marriage. Oxford 2012, S. 96. Zitiert nach: Ryan T. Anderson: Marriage: What It Is, Why It Matters, and the Consequences of Redefining It, In: Backgrounder, Nr. 2775, 2013, S. 2.

6 Zitiert nach Eberstadt 2016, a.a.O., S. 116.

7 J. Budziszewski: On the Meaning of Sex. Wilmington 2012, S. 17-33. Siehe S. 12-21 in diesem Heft.

8 Adam G. Cooper: Life In the Flesh. An Anti-Gnostic Spiritural Philosophy. Oxford 2008, S. 243-254.

9 Budziszewski, a.a.O., S. 27. „Jedes Mal, wenn ich mich sexuell hingebe, tue ich etwas, das eigentlich auf eine mögliche Empfängnis hinzielt. […] Wenn zwei Personen sich einander vollständig hingeben, heißt es, dass sie das, was sie sind, als Ganzes hingeben; was sie als Ganzes sind, schließt ihren Körper mit ein; und diesen Körpern ist das Vermögen eingeschrieben, eine dritte Person ins Leben zu rufen. Es ist Teil dessen, was sie geben und empfangen.“

10 Wer meint, er könne die vereinigende Dimension des ehelichen Aktes genießen bei gleichzeitiger Ausschaltung der Fortpflanzungsdimension, muss ebenso akzeptieren, dass die Fortpflanzungsdimension bemüht wird, wie es in der Reproduktionsmedizin geschieht, ohne die vereinigende Dimension zu bemühen. Wer A von B trennt, kann gegen die Trennung B von A nichts einwenden.

11 Bereits Sigmund Freud hat diese Entwicklung beschrieben: „Anderseits ist es der gemeinsame Charakter aller Perversionen, dass sie das Fortpflanzungsziel aufgegeben haben. In dem Falle heißen wir eine Sexualbetätigung eben pervers, wenn sie auf das Fortpflanzungsziel verzichtet hat und die Lustgewinnung als davon unabhängiges Ziel verfolgt. Sie verstehen also, der Bruch und Wendepunkt in der Entwicklung des Sexuallebens liegt in der Unterordnung desselben unter die Absichten der Fortpflanzung. Alles, was vor dieser Wendung vorfällt, ebenso alles, was sich ihr entzogen hat, was allein dem Lustgewinn dient, wird mit dem nicht ehrenvollen Namen des »Perversen« belegt und als solches geächtet.“ Sigmund Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, XX. Vorlesung, Das menschliche Sexualleben, S. 361 (1916-17).

12 Eine Reihe von Folgen wie uneingeschränkter Pornokonsum, sexuell übertragbare Krankheiten, die Normalisierung von Homosexualität und deviante sexuelle Vorlieben werden in diesem Aufsatz nicht thematisiert.

13 Jeremy Greenwood, Nezih Guner: Social Change: The Sexual Revolution. PSC Working Paper Series 2009, Nr. 12, S. 1.

14 Ebd. S. 30-31.

15 Steven Nock: The Divorce of Marriage and Parenthood. In: Journal of Family Therapy, 2000, Nr. 22, S. 245-363, hier S. 253.

16 Alle Zahlen in diesem Absatz stammen aus „Parenting in America“, 2015, Pew Research Center. Verfügbar unter: www.pewsocialtrends.org/2015/12/17/1-the-american-family-today/ [Zugriff am 15. Juni 2018]

17 Lebensformen der Eltern mit Kindern unter 18 in Deutschland: 1996: Ehepaare: 81%, Lebensgemeinschaften: 5 %, Alleinerziehende: 14%; 2015: E: 70%, L: 11%, A: 20% Siehe Familienreport 2017 des BMFSFJ.

18 Siehe z. B. Linda J. Waite, Maggie Gallagher: The Case for Marriage: Why Married People Are Happier, Healthier, and Better Off Financially. New York 2000; Glenn T. Stanton: Why Marriage Matters. Colorado Springs 1997; Barbara Schneider, Allison Atteberry, Ann Owens: Auf die Familie kommt es an. Familienstruktur und Entwicklung des Kindes. Ergebnisse soziologischer Familienforschung aus den USA. Verfügbar unter: www.dijg.de/ehe-familie/forschung-kinder/biologische-eltern-bedeutung/ [Zugriff am 15. Juni 2018]; Susan L. Brown: Marriage and Child Well-Being: Research and Policy Perspectives. In: Journal of Marriage and Family, 2010, Jg. 72, Nr. 5, S. 1059–1077; A. Dean Byrd (2010): Dual-Gender Parenting for Optimal Child Development. In: Journal of Human Sexuality, Jg. 2, S. 105-124., Kay S. Hymowitz: Marriage and Caste in America: Separate and Unequal Families in a Post-Marital Age. Chicago 2006; Thomas Schirrmacher (Hg.): Der Segen von Ehe und Familieinteressante Erkenntnisse aus Forschung und Statistik, idea Dokumentation, 3/2006.

19 W. Bradford Wilcox (Hg.): Why Marriage Matters, Third Edition. Thirty Conclusions from the Social Sciences. New York 2011, S. 37.

20 Eberstadt 2012, a.a.O., S. 26.

21 Timothy Reichert: Bitter Pill. In: First Things, Mai 2010. www.firstthings.com/article/2010/05/bitter-pill [Zugriff am 15. Juni 2018]

22 Ebd.

23 Scott Lloyd: Can We Be Pro-life and Pro-contraception? In: The National Catholic Bioethics Quarterl, Sommer 2015, S. 234.

24 James Trussell: Contraceptive failure in the United States. In: Contraception, Mai 2011, Nr. 5, S. 397-404.

25 Scott Lloyd: Does Contraception Really Prevent Abortions? In: The Federalist. 18. August 2015. Verfügbar unter: thefederalist.com/2015/08/18/does-contraception-really-prevent-abortions/ [Zugriff am 15. Juni 2018]

26 Planned Parenthood of Southeastern Pa. v. Casey, 505 U.S. 833 (1992), Nr. 856. Verfügbar unter: supreme.justia.com/cases/federal/us/505/833/case.html [Zugriff am 15. Juni 2018]

27 Contraception fails in quarter of abortions, say experts. Verfügbar unter: www.bbc.com/news/health-40520235 [Zugriff am 15. Juni 2018]

28 Ann Furedi: Women are having abortions because their contraception doesn't work. In: The Telegraph, 7. Juli 2017. Verfügbar unter: www.telegraph.co.uk/women/life/women-having-abortions-contraception-doesnt-work/ [Zugriff am 15. Juni 2018]

29 Vgl. de.statista.com/statistik/daten/studie/232/umfrage/anzahl-der-schwangerschaftsabbrueche-in-deutschland/ [Zugriff am 15. Juni 2018]

30 Herwig Birg: Die demografische Uhr tickt unbarmherzig. In: WirtschaftsWoche. 5. März 2015. Verfügbar unter: www.wiwo.de/politik/deutschland/herwig-birg-die-demografische-uhr-tickt-unbarmherzig/11451966-all.html [Zugriff am 15. Juni 2018]

31 World Fertility Patterns 2015. UN, S. 6.

32 Kevin Kelly: The Underpopulation Bomb. Verfügbar unter: www.edge.org/response-detail/23722 [Zugriff am 15. Juni 2018]

33 Professor advarer mod "forfærdelig udvikling" på fertilitetsområdet. Verfügbar unter: nyheder.tv2.dk/samfund/2018-03-13-professor-advarer-mod-forfaerdelig-udvikling-paa-fertilitetsomraadet [Zugriff am 15. Juni 2018]

34 Jährlich mehr als 20.000 Babys nach künstlicher Befruchtung. Verfügbar unter: www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/kuenstliche-befruchtung-2015-wurden-mehr-als-20-000-babys-geboren-a-1183272.html [Zugriff am 15. Juni 2018]

35 Es ließe sich sogar ein Szenario der Mitochondrienersatztherapie denken, in dem es zwei Ei-Spenderinnen gäbe. Eizelle von einer Spenderin mit dem Zellkern einer zweiten Spenderin.

36 Nock 2000, a.a.O., S. 250.

37 Eberstadt 2012, a.a.O., S. 134.

38 Johannes Paul II.: Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan. Eine Theologie des Leibes. Kisslegg 2008.

39 Karol Wojtyła: Person and Community. 1993, zitiert nach: Cooper 2008, a.a.O., S. 249.

40 George Weigel: A Theological Time-Bomb. Abrufbar unter: eppc.org/publications/a-theological-time-bomb/ [Zugriff am 15. Juni 2018]

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