Konflikte sind gemeinsam zu lösen

Ein Kommentar von Prof. Dr. Gerhard Amendt, Gründer des Instituts für Geschlechter- und Generationenforschung an der Universität Bremen.

Die Quintessenz des Interviews der Familienministerin im SPIEGEL wird die Mehrheit im Lande wohl kaum erschreckt haben. Sie erinnerte nämlich daran, dass Ehe und Partnerschaft kein barsches Machtverhältnis ist, in dem Männer die Frauen beherrschen und Frauen sich deren gewalttätigen Machtansprüchen nur entziehen können, indem sie lesbisch werden. Das haben zwar nicht alle Feministen gefordert, aber sie haben dem Unsinn auch nicht widersprochen. Ganz abgesehen davon, dass das sexuelle Begehren weder von Frauen noch von Männern sich wechseln lässt wie ein Hemd und dass lesbische Beziehungen nach dem Stand der Forschung keineswegs himmlische sondern erheblich gewalttätigere Verhältnisse als heterosexuelle Beziehungen sind. Also ein Holzweg gleich aus mehreren Gründen. Offensichtlich gibt es überall Konflikte und nirgendwo eine heile Welt. Konflikte zu lösen ist die nahe liegende Konsequenz auch der Familienministerin. Es hilft niemanden, wenn Frauen und Männer sich gegenseitig verteufeln. Nur, wer wie Frau Alice Schwarzer im polarisierenden Denken in der Tradition ihrer Generation ausweglos verfangen ist, kann an diesem trübsinnigen Phantasma vom feindselig Arrangement der Geschlechter festhalten; und darüber hinaus in dessen Vertiefung und letztlich in der Segregation der vermeintlich Verfeindeten eine Lösung sich ausmalen. Die junge Generation steht diesem Denken fremd und sprachlos gegenüber. Insofern hat Familienministerin Schröder formuliert, was viele auch in der Politik denken, aber bislang nicht zu sagen wagten: Konflikte sind gemeinsam zu lösen, man spricht über sie, und man hat viel mehr Mut das zu tun als vor 50 Jahren in der Generation von Alice Schwarzer. Konflikte in Partnerschaften und Ehen auszusprechen kann schwer sein. Aber es ist erfolgsversprechend, zumal jeder sich Hilfe von außen holen kann. Beziehungskonflikte sind für diese junge Generation - besonders die mit hoher Bildung - weder ein Anlass zum Verzweifeln, noch zur Flucht in Feindbilder und schon gar nicht zur unflätigen Beschimpfung Anderslebender. Es ist gerade mal 10 Jahre her, dass Alice Schwarzer 2001 in der Talk-Show von Johannes B. Kerner auf die karrierestolze und ihrer Erotik selbstgewisse Verona Feldbusch traf. Zwei Generationen mit denkbar unterschiedlichen Lebensentwürfen kreuzten die Klingen. Verona Feldbusch, die sich provokant in ihrer sinnlichen Körperlichkeit und hedonistischen Konsumfreudigkeit präsentierte, bekannte sich ungeschmälert dazu, dass sie Männer liebe, im Gegensatz zu ihrer Kontrahentin im schwarz verhüllenden Gewand, mit besserwisserischer Hektik und einem gerüttelten Maß an wortreicher Boshaftigkeit. Und was musste sie sich von der streng rügenden und sichtbar angewiderten Alice Schwarzer anhören: Frauen, die heute noch Männer lieben, die kann man nur verachten. Das hatte gesessen – ein Unwerturteil vor Millionenpublikum. Das war die Konsequenz einer Vorstellung vom Geschlechterarrangement, das es auf Separatismus abgesehen hatte. Dass das keine Politikkomponente von Familienministerin Schröder sein wird, wohl auch keine verschämt mehr geduldete in ihrem Hause, davon wird man ausgehen können. Andererseits bedarf es kaum irgendwelcher Phantasien, um sich auch das innere Bild von Alice Schwarzer über Männer auszumalen. Sie möchte der Generation der jungen Frauen und Mädchen ihre eignen Standards auf-zwingen. Lasst die Finger von den Männern, oder es triff euch meine Verachtung. Vor zwanzig Jahren mögen einige Frauen sich davor gefürchtet haben. Aber welche junge Frau lässt sich heute zur Aversion gegen das Männliche treiben? Die alten Haudegen der Frauenbewegung haben ihre Verdienste, ja, sogar großen Verdienste. Aber die Zeichen an der Wand, die sollten sie schon lesen.

E-Mail an Prof. Amendt schreiben | Scheidungdungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben | 12. November 2010

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