Stellungnahme des DIJG zur Pressemitteilung der Bundesärztekammer Oktober 2013

sowie zur Antwort der Bundesregierung vom Februar 2008 auf die Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen

Zusammenfassung:

Um der betroffenen Menschen willen setzt sich das DIJG auch weiterhin für Selbstbestimmung und Freiheit ein. Dazu gehört auch die Freiheit, eine Therapie einzugehen mit dem Ziel der Abnahme homosexueller Empfindungen.

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass bei Klienten, die sich das wünschen, mit Hilfe geeigneter Therapien eine Abnahme homosexueller Empfindungen häufig möglich ist.

Eine Schädlichkeit dieser Therapien konnte nicht nachgewiesen werden.

1. Zur Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 22.10.2013 zur Homosexualität

Dort heißt es:
„Homosexualität ist keine Erkrankung und bedarf deshalb keinerlei Heilung.“

1973 strich in einer damals umstrittenen Entscheidung der für die Einordnung psychischer Krankheiten zuständige Amerikanische Psychiaterverband (APA) Homosexualität aus der Diagnoseliste. 1992 folgte die WHO und strich Homosexualität aus dem auch in Deutschland gültigen ICD-Code. Seitdem gilt Homosexualität nicht mehr als Krankheit. Doch bedeutet das, dass es keine Therapieangebote mehr geben sollte für Menschen, die unter ihrer homosexuellen Neigung leiden, die ihre Homosexualität als „ichdyston“, als nicht zu ihnen gehörend erleben, und die sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Empfindungen wünschen?

Heute geht es hier um das Recht der Selbstbestimmung.

Klienten können selbst bestimmen, wie sie mit ihren Gefühlen und Neigungen umgehen, ob sie homosexuellen Sex praktizieren möchten und wie sie leben wollen. Selbstbestimmung spielt im Umgang des Einzelnen mit seinen Gefühlen, seien sie homosexuell oder heterosexuell, eine entscheidende Rolle.

Es geht um das in einer Demokratie selbstverständliche und unveräußerliche Recht des Einzelnen, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und im Einklang mit den eigenen Wertvorstellungen zu leben. Es geht um individuelle Sinnfindung und um das Recht auf eigene Lebensziele.

Therapien werden aus unterschiedlichsten Gründen aufgesucht, dazu einige Beispiele:

Ein Mann merkt, dass er seiner Ehefrau nicht treu sein kann, obwohl er es möchte. Er möchte eine Scheidung vermeiden und sucht deshalb eine Therapie auf. Ein anderer merkt, dass er nicht Nein sagen kann, wo es nötig wäre und dass er dadurch in seinem Alltag immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Eine Frau wird durch die Erinnerung an einen sexuellen Missbrauch geplagt, ihre Gedanken kreisen immer wieder darum. Eine andere spürt, dass sie unter Stress zu ungesundem Essverhalten neigt. Ein Mann kann die Demütigungen und Ausgrenzungen, die er in seiner Kindheit durch seinen Vater und durch Altersgenossen erfahren hat, nicht vergessen, sie haben ihn tief verletzt.

Sehr ähnlich ist es mit Menschen, die ihre homosexuellen Gefühle als konflikthaft und belastend erleben und Veränderung in ihrem Leben suchen. Diese Menschen sind der Auffassung, dass die Homosexualität nicht wirklich zu ihnen gehört, sie steht nicht im Einklang mit ihrem Selbstbild oder ihrem Lebensentwurf; sie erleben sie deshalb als ichdyston.

Es geht also um persönliche Belastungen. Menschen möchten sich selbst, ihr Verhalten, ihre Gefühle und Beweggründe besser verstehen, um dadurch auch eine Veränderung ihres Verhaltens, ihres Denkens und ihrer Gefühle zu erreichen. Sie möchten das, was sie als seelisches Problem und seelisches Leid erleben, bewältigen. Dazu wünschen sie sich Unterstützung durch feinfühlige und achtsame Therapeuten: Therapeuten, die es auch respektieren und unterstützen, wenn ein Klient sich eine Veränderung seines sexuellen Verhaltens und eine Abnahme seiner homosexuellen Gefühle wünscht.

Entscheidend für das Aufsuchen einer Therapie ist nicht die Frage nach der „Krankheit“, sondern der persönliche Leidensdruck, der innere Stresslevel, eine innere Unzufriedenheit. Es wäre unethisch, leidenden und belasteten Menschen die Hilfe, die sie sich wünschen, zu verweigern.

„Heilung“ in diesem Zusammenhang heißt daher nichts anderes als dies: seelisches Leid bewältigen. Es meint Linderung, Abnahme und Loswerden von innerem Stress, innerer Belastung und seelischen Schmerzen.

Insofern bedarf Homosexualität keiner Therapie. Sehr wohl aber hat der Einzelne, wenn er das will, das Recht, eine Therapie einzugehen mit dem Ziel einer Abnahme homosexueller Empfindungen.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Bundesärztekammer:

Direkte und indirekte Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sind allerdings häufige Ursachen für negative psychische und physische Erkrankungen.“

In der Tat leiden homosexuell lebende Menschen häufiger an psychischen und physischen Problemen und Erkrankungen. Die amerikanische Homosexuellenorganisation GLMA zählt die häufigsten Risiken auf, die mit der männlichen Homosexualität verbunden sein können: Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Suizidalität, Drogenabhängigkeit sowie eine höhere Rate an sexuell übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis, AIDS und HP-Virusinfektionen, die zu Krebs führen können.1

Bei homosexuell lebenden Frauen ist die Rate an Substanzenabhängigkeiten höher als in der Allgemeinbevölkerung.2

Statistiken zufolge gibt es innerhalb homosexueller Männerpartnerschaften mehr Gewalt als in heterosexuellen Partnerschaften.3

Homosexuell lebende Männer machen nur einen kleinen Prozentsatz der Bevölkerung aus. Doch laut Robert Koch Institut, Berlin, betreffen 68% der HIV-Neuinfektionen Männer, die Sex mit Männern haben.4

Studien zeigen, dass homosexuelle Männerbeziehungen nur sehr selten monogam sind. Eine holländische Studie weist darauf hin, dass das Risiko einer HIV-Infektionsübertragung bei den Männern in fester homosexueller Partnerschaft erheblich höher war als bei den Männern ohne solche Partnerschaft. 86% der HIV-Neuinfektionen betrafen Männer in fester Partnerschaft. Als Grund wird angegeben, dass Männer auch in festen homosexuellen Beziehungen nicht monogam leben, sich aber seltener an die Safer-Sex-Regeln halten.5

Die Behauptung in der Pressemitteilung, diese Erkrankungen und Probleme seien im Wesentlichen durch Diskriminierung hervorgerufen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Zwei Beispiele:

a) Der homosexuell lebende Forscher Gary Remafedi untersuchte homosexuell und bisexuell empfindende Jungen zwischen 14 und 21 Jahren zur Frage der Suizidversuche. Remafedi kommt zu dem Schluss: „die Suizidversuche konnten nicht erklärt werden mit Diskriminierung, Gewalterfahrung, Verlust an Freundschaften oder der derzeitigen persönlichen Einstellung zur Homosexualität.“ Dagegen belegte Remafedi einen statistischen Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch und Suizidversuch sowie zwischen frühen sexuellen Erfahrungen und Suizidversuch.6

b) Obwohl in den USA wohl immer noch Schwarze eher Diskriminierung erleiden als Weiße, sind die Suizidraten unter schwarzen Männern konstant erheblich niedriger als unter weißen Männern.7

Da die Bundesärztekammer ein Interesse daran haben muss, jeden möglichen Weg zur Reduzierung von HIV-Infektionen sorgfältig zu explorieren – auch von Infektionen, die durch homosexuellen Sex verursacht sind – ist es nicht nachzuvollziehen, warum sie an keiner Stelle zumindest eine Offenheit für die Möglichkeiten von Reorientierungstherapien zeigt. Da ein Ziel dieser Therapien die Abnahme homosexueller Neigungen und die Beendigung homosexuellen Sexualverhaltens ist, können diese Therapien möglicherweise einen Beitrag zur Reduzierung von HIV-Infektionsübertragungen leisten.
 

2. Zur Antwort der Bundesregierung (2008) auf eine Kleine Anfrage vom Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Homosexualität

Die „Kleine Anfrage“ war die Reaktion von Bündnis 90/Die Grünen auf die Tatsache, dass das DIJG für das Christival 2008 ein Seminar zum Thema „Homosexualität verstehen“ geplant hatte.

In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage heißt es:

Die Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, dass Homosexualität einer Therapie bedarf, noch dass Homosexualität einer Therapie zugänglich ist.

Homosexualität bedarf – wie oben ausgeführt – keiner Therapie. Es muss aber der Entscheidung des Einzelnen überlassen bleiben, ob er sich therapeutische Unterstützung zur Veränderung seines Verhaltens und soweit möglich zur Abnahme seiner homosexuellen Empfindungen sucht, sei es, weil er sich durch diese Empfindungen belastet fühlt, sei es, weil er gesundheitliche Risiken eines homosexuellen Lebensstils vermeiden möchte, sei es aus anderen Gründen. Der Einzelne muss für sich selbst entscheiden dürfen, welcher Unterstützung er persönlich bedarf.

Ebenso muss dem Einzelnen auch das individuelle Therapieziel überlassen bleiben. Wenn Klienten, die ein tiefes Unbehagen über ihr biologisches Geschlecht (Geschlechtsdysphorie) haben, sich „geschlechtsumwandelnden Operationen“ unterziehen dürfen, warum sollte es dann Klienten untersagt sein, mit Hilfe gängiger therapeutischer Methoden eine Veränderung ihrer sexuellen Gefühle und Verhaltensmuster anzustreben? Zahlreiche Studien zeigen, dass für Klienten, die ihre Homosexualität als nicht zu ihnen gehörend, als ichdyston empfinden, eine Abnahme homosexueller Empfindungen mit therapeutischer Hilfe oft möglich ist.

Dem trägt auch die Klassifikationsliste psychischer Probleme, der ICD-10-Code, Rechnung. Dort ist die Diagnose „ichdystone Sexualorientierung“ aufgeführt und wie folgt erklärt: „Die Geschlechtsidentität oder sexuelle Ausrichtung (heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder präpubertär) ist eindeutig, aber die betroffene Person hat den Wunsch, dass diese wegen begleitender psychischer oder Verhaltensstörungen anders wäre und unterzieht sich möglicherweise einer Behandlung, um diese zu ändern.“8

Anders als es in der Antwort der Bundesregierung heißt, ist ichdystone Homosexualität in vielen Fällen einer Therapie sehr wohl zugänglich, auch wenn das Ergebnis einer Therapie nicht vorhergesagt werden kann. Wie solche Therapien aussehen können, zeigen neue Therapiebücher wie etwa „Shame and Attachment Loss“ von Joseph Nicolosi, „The Heart of Female Same-Sex Attraction“ von Janelle Hallman oder auch „Weibliche Homosexualität“ von Elaine Siegel.

Für diejenigen, die diese Therapien aufsuchen, zeigt sich häufig, dass ihre homosexuellen Neigungen mit frühen emotionalen Verletzungen zu tun haben. Dazu gehören frühkindliche Bindungsverletzungen in der Beziehung zu den Eltern, insbesondere zum gleichgeschlechtlichen Elternteil, Verletzungen in den Beziehungen zur gleichgeschlechtlichen peer group sowie andere Traumata in Kindheit und Jugend, emotionaler und nicht selten auch sexueller Missbrauch/ sexuelle Übergriffe. Werden diese Verletzungen konstruktiv bearbeitet und Bindungen wiederhergestellt, kann es zu einer Abnahme homosexueller Neigungen kommen.

Als Reaktion auf die Antwort der Bundesregierung reichten 154 Ärzte, Psychologen, Psychiater und Therapeuten eine Petition an die Bundesregierung ein. Darin forderten sie die Bundesregierung auf: „Die wissenschaftlich einseitige Antwort [der Bundesregierung] korrigierend zu ergänzen und explizit auf die erfolgversprechenden Möglichkeiten und die ethische Berechtigung therapeutischer Interventionen zur Minderung unerwünschter, ichdystoner homosexueller Empfindungen hinzuweisen.“ Den Unterzeichnern der Petition ging es darum: „Das Recht von ichdyston homosexuell empfindenden Menschen auf eine erwünschte Behandlung zu schützen“, auch das „Recht auf psychotherapeutische Hilfe zur Veränderung ihrer Orientierung.“9

Der Petitionsausschuss der Bundesregierung stellte dazu abschließend fest, „dass homosexuell empfindende Menschen mit Therapiewunsch in der Wahl ihrer Therapie und ihres Therapeuten oder ihrer Therapeutin nicht eingeschränkt sind. Die Ziele einer Therapie vereinbaren grundsätzlich Patient und Therapeut miteinander. Diese Freiheit von Therapeuten und Patienten ist ausdrücklich zu schützen.“10

Des Weiteren heißt es in der Antwort der Bundesregierung:

Die vor allem in den 60er und 70er Jahren häufig angebotenen so genannten ‚Konversions’- oder ‚Reparationstherapien’ […] werden heute in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt.“

Hier werden Begriffe verwechselt. Die in den 60er und 70er Jahren häufig angebotenen Therapien waren die Aversionstherapien, die zur Behandlung unterschiedlichster Probleme (z.B. auch Suchtverhalten) eingesetzt wurden, die aber zu Recht seit langem nicht mehr angewandt werden. Das DIJG lehnt sie strikt ab.

Der Begriff „Reparationstherapie“ ist unbekannt. Der Fachbegriff Reparativtherapie wurde erst in den 1990er Jahren entwickelt. Er geht auf einen Ansatz von Anna Freud zurück und beinhaltet heute übliche, moderne Therapiemethoden.

Der Begriff „Konversionstherapie“ gehört zum Kampfvokabular von Kritikern von Therapien mit dem Ziel einer Abnahme homosexueller Empfindungen. Das DIJG lehnt den Begriff ab. Er suggeriert, es gebe eine direkte Veränderung von Homosexualität zu Heterosexualität. In Wirklichkeit geht eine Veränderung nur über eine konstruktive Bearbeitung lebensgeschichtlich bedingter seelischer Verletzungen.

Dennoch schreibt Douglas Haldeman, Psychotherapeut und Homosexuellenaktivist: „we must respect the choices of all who seek to live life in accordance with their own identities; and if there are those who seek to resolve the conflict between sexual orientation and spirituality with conversion therapy, they must not be discouraged. It is their choice...“11

Eine der Grundregeln der Reorientierungstherapien ist es zu lernen, sich der homosexuellen Gefühle nicht zu schämen, sondern sie als Sprungbrett zu nutzen, um herauszufinden, ob unter den sexuellen Gefühlen noch andere Gefühle liegen. Männer beispielsweise mit ichdystonen homosexuellen Empfindungen erleben diese als wichtigen „Seismographen“, der ihnen einen Weg zu tieferen Gefühlen zeigt, häufig zu ungestillten emotionalen Bedürfnissen nach Zugehörigkeit zur Männerwelt, nach Wertschätzung und Annahme durch Männer und nach Selbstvergewisserung der eigenen männlichen Identität. So beginnt möglicherweise ihr Weg der Veränderung.

Für das Recht, solche Wege zu gehen, setzt sich das DIJG weiter ein.
 

Copyright: Dr. med. Christl R. Vonholdt, Leiterin des DIJG, Januar 2014

Anmerkungen

1 Top 10 Things Gay Men Should Discuss with their Healthcare Provider [pdf], Zugriff am 21. Januar 2014.

2 Sandfort, T., et al., Same-Sex Sexual Behavior and Psychiatric Disorders: Findings from the Netherlands Mental Health Survey and Incidence Study (NEMESIS), Arch. Gen. Psychiatry 58, 2001, S. 85-91.

3 Whitehead, N., Homosexuality and Co-Morbidities., Zugriff am 21. Januar 2014.

4 Epidemiologisches Bulletin 21/11, Robert Koch Institut 30.5.2011, S. 1.

5 Maria Xiridou et al., The contribution of steady and casual partnerships to the incidence of HIV infection among homosexual men in Amsterdam; in: AIDS, 2003; 17(7): 1029-1038.

6 Remafedi, G., Risk factors for attempted suicide in gay and bisexual youth. Pediatrics, 1991, 87, 6, S. 869-875. Hervorhebung hinzugefügt.

7 African American Suicide Fact Sheet [pdf], Zugriff am 21. Januar 2014.

8 ICD-10-GM-2013 F66.-Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung, Zugriff am 21. Januar 2014.

9 Petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages vom 06.10.2008. Der Text liegt dem DIJG vor.

10 Abschließende Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses. Der Text liegt dem DIJG vor.

11 Haldeman, D. C., Gay rights, patient rights: The implication of sexual orientation conversion therapy. Professional Psychology: Research and Practice, 2002, 33, 3, S. 260-264, Zitat S. 263.

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