Kinder stark machen – sieben Anregungen für Eltern

Douglas A. Abbott und A. Dean Byrd

1. Vertrauensvolle Beziehungen fördern

Väter und Söhne

Der Psychotherapeut Joseph Nicolosi schreibt, dass Jungen in ihrer Entwicklung einen Vater mit Profil brauchen und rät Vätern: „Profil bedeutet zweierlei: stark und gütig. Ein Kind muss Sie als selbstbewusst, überzeugt und entscheidungsfreudig erleben – und ebenso als unterstützend, einfühlsam und fürsorglich.“1 Wenn Väter ihren Söhnen echte Zuneigung, Wertschätzung und Unterstützung geben, werden die Söhne den Vater respektieren, sich mit ihm identifizieren und ihm nacheifern. Auf diesem Weg entwickeln sie eine sichere männliche Geschlechtsidentität. Der Psychoanalytiker Irving Bieber, der viele Jahre mit homosexuellen Männern arbeitete, zog daraus den Schluss, dass „ein fördernder, warmherziger und unterstützender Vater ein wichtiger Schutzfaktor gegen die Möglichkeit einer homosexuellen Entwicklung des Sohnes ist.“2

Es kann von Vorteil sein, wenn Väter ihren Söhnen helfen, wenigstens eine Sportart auf einem Mindestniveau zu beherrschen. Das können Fußball, Handball, Tennis, Schwimmen, Skateboardfahren, eine Kampfsportart, ein Geländespiel oder anderes sein. Kinder können grausam sein und Gleichaltrige machen sich oft lustig über Jungen, deren Bewegungskoordination noch unausgereift ist, oder die sich vor Situationen fürchten, in denen es etwas rauer zugeht. Wenn ein Sohn üünstlerisch veranlagt, introvertierter und weniger aktiv durchsetzungsorientiert ist, braucht er mehr Zuwendung von seinem Vater.

Alan Medinger, der selbst einen Weg heraus aus der Homosexualität gegangen ist und vielen anderen auf diesem Weg beigestanden hat, rät: „Ein Junge, der von Natur aus zierlicher ist, dessen Bewegungsabläufe unkoordinierter und dessen visuell-räumliche Fähigkeiten – eine Dominanz von Jungen – weniger ausgeprägt sind, wird bei Aktivitäten, die üblicherweise Anerkennung durch andere Jungen und Männer bringen, schlechter abschneiden. Wenn er dann von Natur auch noch eher zurückhaltend ist, kann eine erste Erfahrung von Zurückweisung und Ablehnung dazu führen, dass er sich überhaupt aus der Welt der Männer zurückzieht, und eine solche Erfahrung auch nicht nutzt, um sich mehr anzustrengen.“3

Väter sollten aber ihre Söhne nicht zum Sport zwingen, wenn diese wirklich kein Interesse haben. Sport ist nur eine, wenn auch eine gute Möglichkeit für Väter, ihre Söhne in ihrer männlichen Entwicklung zu unterstützen. Andere Möglichkeiten sind: ein Sohn übernimmt Verantwortung und passt auf jüngere Geschwister auf, er bekommt eine Auszeichnung bei den Pfadfindern oder gewinnt in der Schule einen Lesepreis.

Einem sehr sensiblen Sohn muss der Vater zusätzliche Aufmerksamkeit entgegenbringen. Möglicherweise verhält sich der Junge beständig weinerlich oder sogar „effeminiert“. Vielleicht zeigt er „geschlechtsuntypisches“ Verhalten, spielt mit Puppen, zieht sich Mädchenkleidung an und interessiert sich nur wenig für das aktive, gelegentlich aggressive Spiel, das bei kleinen Jungen üblich ist. Ausgeprägte Geschlechts-Nonkonformität in der frühen Kindheit führt später häufig zu homosexuellem Verhalten.4

Ein sensibler Junge ist auch besonders empfänglich für Gefühlsströmungen in der Familie. Er hat empfindliche Antennen für negative Gefühle im Familiensystem und fühlt sich schnell durch Beschämung, Spott, ja auch sanfte Zurechtweisung verletzt. Kritik („Du musst endlich erwachsen werden! Sei ein Mann!“) nimmt er sich schnell zu Herzen, auch wenn sie gut gemeint ist. Dabei zeigt das Kind die verletzten Gefühle meist nicht offen, sondern subtil in Launenhaftigkeit – von stillem Rückzug bis hin zu Ausbrüchen von destruktivem Verhalten. Solch ein Junge braucht einen Vater, der klar und gezielt mit ihm über das redet, was in der Familie abläuft. So kann er seinem Sohn helfen, positive wie negative Gefühlszustände zu benennen und zu bewältigen.

Väter stärken die Geschlechtsidentitätsentwicklung ihrer Söhne, wenn sie sie teilhaben lassen an dem, was sie selber tun und an den Beziehungen, die sie selber zu anderen Männern haben. Grenzen Sie Ihren Sohn nicht aus und lassen Sie nicht zu, dass er abhängt, wenn er zögert, sich anzuschließen. Nehmen Sie Ihren Sohn mit, wenn Sie am Auto den Ölwechsel vornehmen, wenn sie etwas reparieren, Schnee schippen oder das Vogelhäuschen bauen. Nehmen Sie sich Zeit für regelmäßige Vater-Sohn-Ausflüge, sei es ins Museum, ins Kino, zu einer Wanderung, zum Essen gehen oder Kanu fahren. Die Entwicklung eines sensiblen Sohnes kann auch dadurch gefördert werden, dass er einen Hund hat, der ihm ein Freund ist.
Niemals sollte ein Vater seinen schüchternen, hochsensiblen, musisch oder künstlerisch veranlagten Sohn zurückweisen. „In jedem Jungen,“ so Joseph Nicolosi, „gibt es das tiefe Verlangen, von einem Vater gehalten und geliebt zu werden; von einem Mann, der ihm Mentor ist, in die Welt der Männer eingeführt zu werden und Wertschätzung für die eigene männliche Natur zu erfahren.“5

Väter und Töchter

Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein warmherziger, unterstützender und liebevoll zugewandter Vater die geschlechtliche Identitätsentwicklung seiner Tochter erheblich beeinflusst.6 Liebevolle Väter sollten ihren Töchtern auch in angemessener Weise eine körperlich ausgedrückte Zuneigung entgegenbringen.

Jede Art sexuellen Missbrauchs durch den Vater dagegen ist verheerend und kann die natürliche, normale Reifung der heterosexuellen Ausrichtung stören. Jeanette Howard, eine ehemalig homosexuell empfindende Frau, schreibt über den Vater: „Eine der wichtigsten Aufgaben des Vaters ist es, seine Tochter als weibliches Wesen wertzuschätzen… Seine Auffassung von ihr drückt Wertschätzung oder Missbilligung auf eine Weise aus, wie es die Mutter nicht kann…. Der Vater kann das Selbstvertrauen der Tochter in ihre weibliche Identität stärken.“7 Wenn sich eine Tochter sicher, geborgen und von ihrem Vater beschützt fühlt, kann sie diese Gefühle im Erwachsenenalter auf heterosexuelle Beziehungen übertragen.

Mütter und Söhne8

Mütter sollten eine warmherzige, liebevolle und fürsorgliche Beziehung zu ihrem Sohn entwickeln. Eine gute Nähe des Jungen zu seiner Mutter fördert ebenfalls seine Männlichkeit. Mütter sollten ihre Söhne aber nicht verhätscheln oder überbehüten. Viele homosexuelle Männer berichten von einer überbehütenden und allzu mitfühlenden Mutter. Bei einem verletzten, verängstigten, empfindlichen oder kranken Sohn ist es Aufgabe der Mutter, ein Gleichgewicht zu finden zwischen mitfühlender Umarmung und sachlicher, standfester Ermutigung, die es ihm ermöglicht, sich Angst, Schmerz und Unbehagen zu stellen.

Die Mutter muss lernen, typisches Jungenverhalten bei ihrem Sohn zu tolerieren: Rennen, Springen, Raufen und tatkräftiges Anpacken. Innerhalb vernünftiger Grenzen sollte sie es ihm erlauben, sich schmutzig zu machen und es auch mal etwas ruppiger zugehen zu lassen. Natürlich muss die Mutter Grenzen setzen und destruktivem Spiel eine andere Richtung geben, aber Jungen spielen anders als Mädchen, und möglicherweise muss eine Mutter aggressivere Haltungen und Verhaltensweisen ihres Sohnes hinnehmen und sich an der energiegeladenen Aktivität ihres Sohnes freuen.

Mütter sollten ihren Sohn nicht gegenüber ihrem Ehemann vorziehen, selbst wenn es Probleme in der Ehe gibt und der Sohn mehr auf die Mutter eingeht und mitfühlender als der Vater ist. Sonst identifiziert sich der Sohn womöglich mit ihr (d.h. eifert ihr nach und nimmt sie als Rollenvorbild), anstatt eine Bindung zum Vater einzugehen.9 Dazu Joseph Nicolosi: „Wenn eine Mutter keine emotional sichere Beziehung zu einem Mann hat, versucht sie womöglich unbewusst, ihre emotionalen Bedürfnisse von ihrem Sohn gestillt zu bekommen. Sie hat dann eine übermäßig intime, ungesunde Verbindung zu ihm, die zwar scheinbar ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt, dem Sohn aber nicht gut tut.“10

Geschiedene Frauen oder solche, die nie verheiratet waren, haben vielleicht schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht, die gewalttätig, kontrollierend oder unsensibel waren. Dennoch sollten Mütter bewusst darauf verzichten, alle Männer herabzusetzen und zu verunglimpfen („Männer sind so gefühllos!“, „Männer sind dumm!“ usw.), denn damit untergraben sie die Männlichkeit ihres Sohnes.
Alleinerziehende Mütter an sich erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit eines Sohnes, sich homosexuell zu entwickeln. Wichtig ist, wie eine Mutter über Männer redet und ob sie die Männlichkeit ihres Sohnes unterstützt.

In anderen Familien kann es sein, dass der Vater zwar körperlich anwesend, aber emotional nicht präsent ist und nicht beteiligt, sondern distanziert. Hier ist die Herausforderung für Mütter sogar noch größer. Die Mutter muss versuchen, eine positive Haltung gegenüber Männern zu bewahren und das auch ihrem Sohn vermitteln, auch wenn der Vater zuhause inkompetent ist. Hier gibt es keine einfachen Antworten. Die Mutter sollte die Männlichkeit ihres Sohnes unterstützen und ihre Enttäuschung und Wut über den Ehemann loslassen. Das ist keine optimale Lösung, aber unter manchen Umständen noch das Beste.

2. Eine gute Ehe aufbauen

Eine gute und gesunde Ehe hat einen positiven Einfluss auf die heterosexuelle Entwicklung des Kindes. Ein Ehepaar, das einander Liebe und Respekt zeigt, ist ein starkes Vorbild für ein Kind und motiviert es zur Entwicklung einer reifen heterosexuellen Orientierung. Dabei geht es nicht um „typische“ Rollen. Die Mutter kann Leistungssportlerin oder Ingenieurin sein und der Vater Musiker und unsportlich. Wesentlich ist, dass das Kind spürt, dass Vater und Mutter einander liebhaben und dabei ihr Mannsein und Frausein selbstbewusst leben.11

Eltern, die in einer liebevollen, treuen, einander zugewandten Ehe miteinander verheiratet sind, sind zudem ein Schutzfaktor, was die Gefährdung ihrer Kinder bezüglich promisker Verhaltensweisen oder sexuellen Experimentierens angeht.

Unterschiedliche Familienprobleme können zu Verunsicherungen in der Geschlechtsidentität eines Kindes und bezüglich der sexuellen Präferenz von Jugendlichen beitragen.12 Wenn Sie eine Veränderung für Ihre Familie wünschen, seien Sie auch offen für die Möglichkeit einer Ehetherapie.

3. Gesunde gleichgeschlechtliche Freundschaften

Gleichgeschlechtliche Freunde sind wesentlich für die Entwicklung einer sicheren Geschlechtsidentität. Jungen brauchen Jungen, Mädchen brauchen Mädchen, und zwar über viele Jahre hinweg. Jungen bringen das Jungenhafte in anderen Jungen zum Vorschein; Mädchen stärken das Weibliche in anderen Mädchen.

Im Teenageralter sollte ein Kind Freunde beider Geschlechter haben. Verabredungen in geschlechtsgemischten Gruppen sind angemessen. Sie verringern die Versuchung der Kinder und auch den Druck auf sie, schon sexuell intim zu werden.

Wenn Teenager homosexuelle Neigungen haben oder bezüglich ihrer sexuellen Orientierung verunsichert sind, ist die stillschweigende Duldung von heterosexuellem Sex keine Hilfe, um eine heterosexuelle Orientierung zu fördern. Vorfrühe heterosexuelle Erfahrungen können das Problem der Homosexualität nicht lösen, sie tragen nur zu weiteren Verwirrungen und Verunsicherungen bei und meist zu weiterem sexuellen Experimentieren.

4. Schutz vor Sexualisierung durch die Medien

Die Medien – Musik, Fernsehen, Filme, Internet, Jugendzeitschriften – stellen heterosexuellen und homosexuellen Sex als attraktive Möglichkeiten dar. Sie verführen Jugendliche, ihre Gedanken, Gefühle und Verhalten beständig um Sex kreisen zu lassen.

Dieser Sexualisierung können Vater und Mutter am besten gemeinsam entgegenwirken, indem sie u.a.

• mit kleinen Kindern gemeinsam gute Musik hören, gemeinsam gute Filme und Bücher anschauen. Wenn die Kinder älter werden, werden sie sexualisierte Darstellungen eher von selbst zurückweisen.

• begrenzen, was ihre Kinder im Fernsehen oder Internet sehen. Was Kinder sehen, beeinflusst ihr Denken, ihre Gefühle und ihr Verhalten.

• darauf achten, dass ihre heranwachsenden Kinder sich angemessen kleiden und dieses Thema auch direkt mit ihnen ansprechen.

Kinder sind oft überfordert, wenn sie alleine Entscheidungen treffen müssen. Sie brauchen Eltern, die ihnen zuhören, aber auch klare Grenzen ziehen und je nach Alter des Kindes bestimmte Dinge einfach nicht erlauben.

5. Hilfe bei sexuellem Missbrauch

Kinder, die sexuell missbraucht wurden, sind häufiger verunsichert, was ihre sexuelle Identität angeht. Sexueller Missbrauch kann eine heterosexuelle Entwicklung blockieren und eine homosexuelle Entwicklung fördern. In jedem Fall beeinträchtigt er die Entwicklung einer reifen Heterosexualität.13 Kinder, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind, brauchen in jedem Fall angemessene, professionelle Hilfe.

6. Eine auf Werten basierende Sexualaufklärung

Eltern sollten ihren Kindern ihre Werte und Überzeugungen, was Sexualität betrifft, klar und direkt mitteilen. Das geschieht am leichtesten, wenn die Kinder und ihre Eltern eine vertrauensvolle Beziehung zueinander haben. Der Grundstock dafür wird entscheidend in den ersten Lebensjahren des Kindes gelegt.

Eltern müssen ihren Kindern über viele Jahre hinweg präzise und rechtzeitige Sexualaufklärung geben. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass Eltern beides oft nur mangelhaft tun.14


Vermitteln Sie die Bedeutung und den Wert von Heterosexualität

Ob Sie religiös sind oder nicht – Sie können Ihrem Kind vermitteln, dass alle Menschen auf Grund ihres leiblichen Bauplans, ihres Körpers, auf ein heterosexuelles Leben hin angelegt sind. Männer und Frauen ergänzen einander; gemeinsam können sie Kindern das beste Umfeld für ihr Aufwachsen geben. Die auf der Ehe zwischen Mann und Frau aufbauende Familie ist die Grundlage jeder Zivilisation. Männer und Frauen sind von Natur aus verschieden, doch ergänzen sie sich und sind zueinander geordnet.

Es ist wichtig, dass Sie Ihr Kind Achtung und Respekt für jeden Menschen lehren. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in der es sehr unterschiedliche Auffassungen gibt. Ein Kind Toleranz zu lehren, bedeutet jedoch nicht, alle Verhaltensweisen gutzuheißen. Familien, die homosexuelles Verhalten nicht gutheißen, können ihre Kinder lehren, Respekt gegenüber jedem zu haben, der homosexuell lebt, ohne dabei jedoch homosexuelles Verhalten gutzuheißen. Achtung und Respekt beziehen sich auf die Person – nicht notwendig auf bestimmte Verhaltensweisen oder Lebensstile.


Leisten Sie Sexualaufklärung

Eltern sind bei dieser Aufgabe oft verunsichert oder nicht ausreichend vorbereitet. Sie scheuen sich, einen klaren Standpunkt einzunehmen. Manche Eltern führen ein einziges gutes Gespräch mit ihrem Kind, wenn es 7, 10 oder 12 Jahre alt ist, verlieren danach aber kein Wort mehr darüber. Gespräche über menschliche Sexualität sollten mit den Kindern über viele Jahre hinweg immer wieder geführt werden. „Eltern sollten ihrem Kind sagen, dass die biologischen Grundlagen der Sexualität die heterosexuelle Norm nahelegen.“15 Eltern können sehr wohl ihre Kinder ermutigen, auf sexuelles Experimentieren – heterosexuell oder homosexuell – und auf Sexualität vor der Ehe zu verzichten.


Sprechen Sie über Unsicherheiten bei der sexuellen Präferenz

Die Pubertät ist eine Zeit der Verwirrung und vieler Unsicherheiten. „Laut Erik Erikson durchlaufen Teenager in komplexen Gesellschaften eine Identitätskrise, eine vorübergehende Phase der Verwirrung und der seelischen Unruhe. In dieser Zeit spielen sie verschiedene Alternativen durch, bevor sie sich für bestimmte Werte und Ziele entscheiden.“16

Ängste und Zweifel darüber, ob sie sexuell attraktiv sind und wovon und von wem sie sich sexuell angezogen fühlen, sind in dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. In der Zeit, in der Jugendliche sich fragen, wer sie sind und wer sie sein möchten, sind sie sehr empfänglich für das, was Freunde, Lehrer oder die Medien meinen.
Einige Jugendliche mögen verwirrt sein über die starken emotionalen Bande, die sie zu gleichgeschlechtlichen Freunden hin ziehen. Andere mögen gelegentlich auch eine aufflackernde homoerotische oder homosexuelle Anziehung verspüren.
„Tief empfundene Zuneigung zu einer Person des eigenen Geschlechts ist an sich kein Anzeichen von Homosexualität. Eltern brauchen nicht den Verdacht zu hegen, ihr Kind sei homosexuell, nur weil es eine enge Freundschaft mit einer Person des eigenen Geschlechts pflegt... Eltern [können] ihrem Kind den Unterschied verdeutlichen zwischen einer engen emotionalen Bindung und einer sexuellen Beziehung.“17

In unserer heutigen sexualisierten Gesellschaft, in der viele promisk leben, spüren manche Jugendliche Zweifel, Unsicherheit oder Verwirrung bezüglich ihrer sexuellen Präferenz. Teenager sind nicht sicher, ob sie sich zum anderen, zum eigenen oder zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen. Diese Unsicherheiten nehmen zu, da Jugendliche angeregt werden, verschiedene sexuelle Verhaltensweisen und Identitäten auszuprobieren. Diese vorübergehende Verwirrung in Bezug auf die eigene sexuelle Neigung ist noch nicht hinreichend erforscht. Viele Eltern und Experten scheinen heute die Ansicht zu vertreten, jede solche Unsicherheit deute auf eine latente Homosexualität hin. Sie weisen die Auffassung zurück, sexuelle Anziehung habe auch etwas mit Wahl zu tun. Die Vertreter der political correctness sind der Ansicht, dass eine Person, die homosexuelles Verlangen verspürt, nur Aufklärung im Sinne einer Ermutigung brauche, die Homosexualität auszuprobieren. Da die heutigen Fachkreise oft einseitig dazu neigen, Homosexualität zu akzeptieren und zu unterstützen, verpassen Berater möglicherweise die Gelegenheit, einem Teenager bei der Stärkung seiner Heterosexualität zu helfen.

Einige Berater interpretieren Unsicherheiten in der sexuellen Präferenz auch als Angst, die ihren Ursprung darin habe, dass der Jugendliche seine vermuteten homosexuellen Wünsche ablehne, also Ausdruck von „verinnerlichter Homophobie“ sei. Solche Berater werden Jugendliche dazu ermutigen, homosexuelle Wünsche als normal und gesund anzusehen und homosexuelles Verhalten auszuprobieren. Diese Autoritäten vertreten möglicherweise – wenn auch nicht immer offenkundig – die heute vorherrschende Überzeugung einer promisken Sexualität: Jeder sei verpflichtet, seine sexuellen Wünsche auszuleben ohne Rückbindung an eine ethische Orientierung. Der Einzelne allein entscheide, was richtig und was falsch sei und Homosexualität sei eine legitime Ausdrucksweise der eigenen Sexualität.

Bevor Jugendliche oder Eltern wissen, wie ihnen geschieht, hat man einem Teenager vielleicht schon pro-homosexuelle Broschüren ausgehändigt und ihn an einen Homosexuellenverband verwiesen, der die Jugendlichen auffordert, ihre „aufkeimende Homosexualität“ zu erforschen. All das kann ohne Wissen oder Zustimmung der Eltern geschehen.

7. Zur persönlichen Verantwortung erziehen

Bei unserem Ansatz zur Homosexualität gehen wir auch davon aus, dass eigenverantwortliches Handeln, dem eine persönliche Gewissensentscheidung zugrunde liegt, ein Schlüsselfaktor ist. Wir möchten Sie ermutigen, mit Ihren Kindern gezielt Gespräche über die Bedeutung von Gewissensentscheidungen zu führen. Jedes moralische Dilemma erfordert eine Entscheidung: man wählt eine Handlungsweise, die entweder im Einklang mit Gottes Willen steht oder diesen missachtet. Auf dieser Grundlage kann sich ein Teenager entscheiden, sexuelles Verhalten außerhalb der Ehe zu meiden.

Wenn ein Teenager verunsichert oder verwirrt bezüglich seiner sexuellen Neigungen ist, dürfen Eltern ihr Kind dafür weder kritisieren noch verurteilen oder gar beschämen. Das führt in der Regel nur zu jugendlicher Rebellion und bewirkt das Gegenteil. Der Teenager zieht sich zurück oder wird depressiv. Wenn er abgelehnt oder getadelt wird oder sich unter Druck gesetzt fühlt, kann er kein eigenverantwortliches Handeln entwickeln. Jetzt erst recht brauchen Ihr Sohn oder Ihre Tochter Ihre liebevolle Unterstützung – ohne dass Sie dabei das homosexuelle Verhalten gutheißen.

Anmerkungen

1 Nicolosi, J., Nicolosi, L. A., A parent‘s guide to preventing homosexuality, Downers Grove IL, InterVarsity Press 2002, S. 30. Bieber, I., Bieber, T., Male homosexuality, Canadian Journal of Psychiatry, 1979, 24, S. 411-415.

2 Bieber, I., A discussion of homosexuality: The ethical challenge, Journal of Consulting and Clinical Psychology, 1976, 44, S. 165.

3 Medinger, A., Growth into manhood, Colorado Springs CO, Water-Brook Press 2000.

4 Bailey, J. M., Zucker, K. J., Childhood sex-typed behavior and sexual orientation: A conceptual and quantitative review, Developmental Psychology, 1995, 31, S. 43-55.

5 Nicolosi, J., Nicolosi, L. A., A parent‘s guide to preventing homosexuality, a.a.O., S. 32.

6 Lauer, R., Lauer, J., The long-term relational consequences of problematic family backgrounds, Family Relations, 1991, 40, S. 377-384. Siehe auch: Petri, Horst, Das Drama der Vaterentbehrung, Herder Verlag Freiburg 1999.

7 Howard, J., Out of Egypt: One woman‘s journey out of lesbianism, Grand Rapids MI, Kregel Publications 2001, S. 106.

8 In dieser gekürzten Version wurde der Abschnitt über Mütter und Töchter nicht aufgenommen. Zur Beziehung zwischen Müttern und Töchtern siehe auch DIJG-Supplement Herbst 2011 „Identitätsentwicklung und weibliche Homosexualität“.

9 Socarides, C., Homosexuality: A freedom too far, Phoenix AZ, Adam Margrave 1995.

10 Nicolosi, J., Nicolosi, L. A., A parent‘s guide to preventing homosexuality, a.a.O., S. 75.

11 Socarides, C., Homosexuality: A freedom too far, a.a.O.

12 Nicolosi, J., Nicolosi, L. A., A parent‘s guide to preventing homosexuality, ebd. Socarides, C., Homosexuality: A freedom too far, ebd.

13 Byrd, A. D. & Cox, S.E., Strict scrutiny of prospective adoptive parents: what children really need, in: A. Scott Loveless & Thomas B. Holman (Ed.), The Family in the New Millennium, Westpoint, Connecticut, Praeger 2007, S. 204-219.

14 Regnerus, M. D., Forbidden fruit: sex and religion in the lives of American teenagers, New York, Oxford University Press 2007.

15 Rekers, G. A., Shaping your child’s sexual identity, Grand Rapids MI, Baker Book House 1982.

16 Berk, L. E., Development through the lifespan, Boston MA, Allyn and Bacon 2001, S. 390.

17 Rekers, G. A., Shaping your child’s sexual identity, a.a.O., S. 21.

Von

  • Douglas A. Abbott

    Ph. D., Professor für Child, Youth, and Family Studies an der Universität von Nebraska. Zu seinen Forschungsgebieten gehören die Entwicklung der sexuellen Identität, die Auswirkungen der politischen Gewalt auf israelische und palästinensische Jugendliche sowie Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Verhalten von Adoleszenten.

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