Ist Veränderung möglich?

Eine Analyse der ersten prospektiven Langzeitstudie


Im Folgenden analysiert und beurteilt George A. Rekers, Ph.D., Professor für Neuropsychiatrie und Verhaltenswissenschaften die erste prospektive Langzeitstudie, die zum Thema Homosexualität und Veränderung erschienen ist. Dabei geht es um Probanden, die an christlich orientierten Beratungsprogrammen1 teilgenommen haben.

Die Studie wurde von den Psychologen Stanton L. Jones, Ph.D. und Mark A. Yarhouse, Psy.D. durchgeführt und ist 2007 als Buch erschienen mit dem Titel: „Ex-Gays? A Longitudinal Study of Religiously Mediated Change in Sexual Orientation.”2

Der frühere Präsident des Amerikanischen Psychologenverbandes, Rogers H. Wright, Ph.D, lobte die Studie für ihre akribische Methodik und schrieb: „Nach dieser sorgfältig durchgeführten Forschung ist eine substanzielle, glaubwürdige Überprüfung des politisch motivierten und politisch korrekten Dogmas angesagt, wonach eine homosexuelle Orientierung unveränderbar sei und Therapien, die sich damit befassen, das Wohl des Klienten gefährden würden. Im besten Fall kann diese Studie sogar die Berufsverbände überzeugen, [endlich] zu dem fast vergessenen Prinzip zurückzukehren: Der Klient hat das Recht zu wählen und der Klient besitzt auch die Fähigkeit dazu.“ (aus der Buchempfehlung am Anfang des Buches. Kursiv im Original.)

 

George A. Rekers


In ihrem wissenschaftlichen Buch legen die Professoren Stanton L. Jones, Ph.D., und Mark A. Yarhouse, Psy.D., ihre empirische Studie zur therapeutischen Veränderung einer homosexuellen Orientierung vor. Für die prospektive Langzeitstudie wurden etablierte, anerkannte psychologische Standardverfahren angewandt. Die beiden Forscher gingen auch der Frage nach, ob Bemühungen zur Veränderung homosexueller Neigungen per se schädlich sind.  

Der 414 Seiten starke Forschungsbericht enthält mehrere Kapitel mit detaillierten Beschreibungen der theoretischen und fachlichen Probleme des Themas, der Beweggründe für die Untersuchung, der angewandten Forschungsmethoden, der Merkmale der Stichprobe der behandelten homosexuellen Probanden, sowie detaillierte Beschreibungen der umfassenden Messmethoden einer Veränderung der sexuellen Orientierung und der quantitativen wie qualitativen Analysen der Resultate, außerdem eine ausführliche Besprechung der theoretischen und klinischen Implikationen der Forschungsergebnisse.

Untersucht wurden die Auswirkungen christlicher Beratungsangebote für Einzelpersonen oder Gruppen bei 98 homosexuellen Klienten in den USA. Die Probandengruppe setzte sich aus 72 Männern und 26 Frauen, die ihre sexuelle Orientierung von homo- zu heterosexuell ändern wollten, zusammen. Auf der Basis mehrerer Messgrößen der gegenwärtig besten Selbsteinschätzungsverfahren im Hinblick auf die sexuelle Orientierung sammelten die Forscher Daten in der frühen Phase der Therapie (Zeitpunkt 1), dann 9 bis 15 Monate später (Zeitpunkt 2) und erneut nochmals etwa 18 Monate später (Zeitpunkt 3). Der vorliegende Forschungsbericht untersucht die Unterschiede in den Angaben zwischen Zeitpunkt 1 und Zeitpunkt 2 und dann zwischen Zeitpunkt 2 und Zeitpunkt 3.

Daten für die Zeitpunkte 4, 5 und 6 sind bereits gesammelt, aber noch nicht analysiert; sie sollen Gegenstand einer späteren Veröffentlichung sein.  

Zum Zeitpunkt 1 betrug das Durchschnittsalter der Probanden 37,5 Jahre, schon recht alt für den Beginn einer Therapie. Viele würden bei diesem Alter von einer ungünstigen Prognose für eine Veränderung der sexuellen Orientierung ausgehen.

Die in den erwähnten Zeiträumen durchgeführten Beurteilungen umfassen anerkannte, zuvor validierte Messverfahren mit Fragen zu sozialen, religiösen und sexuellen Komponenten und zur sexuellen Orientierung, insbesondere die folgenden Verfahren: Chicago Health and Social Life Survey von E. O. Laumann, Parental Bonding Instrument, Spiritual Well-Being Scale, Faith Maturity Scale, Gender Conformity Scale, Einstufungen nach der Kinsey-Skala, Shively and DeCecco Sexual Orientation Ratings, Klein Sexual Orientation Grid, Sexual Orientation Inventory, Sell Sexual Orientation Inventory, Sexual Orientation Thermometer, Millon Clinical Multiaxial Inventory, Survey of Sexual Behaviors and Experiences, Quality of Life Inventory, Religious Coping Activities Survey und Symptom Check List-90-Revised, in deren Rahmen klinische Standardinterviews durchgeführt und aufgezeichnet wurden.  

Jones und Yarhouse untersuchten Probanden, die recht stringente Kriterien für eine homo­sexuelle Ausrichtung erfüllten, und wandten dabei sämtliche etablierte Methoden zur Ermittlung der sexuellen Orientierung an, die einen empirischen Rückhalt aus früheren wissenschaftlichen Untersuchungen haben. Mit den besten zurzeit verfügbaren psychologischen Standardmethoden ermittelten die beiden Forscher zudem das Ausmaß psychischen Leides und spirituellen Wohlergehens.

71 Probanden waren protestantisch, 19 römisch-katholisch, 4 gaben keine Religion an, einer war Moslem und 3 gehörten anderen Religionen an. 90 berichteten von einem Wendepunkt in ihrem Leben, nachdem sie sich Jesus Christus überantwortet hatten.

Bei der Mehrheit der Probanden festigte sich die Wahrnehmung ihrer homosexuellen Ausrichtung zwischen der Pubertät und dem 20. Lebensjahr.

21,9 Prozent der männlichen und 42,3 Prozent der weiblichen Probanden gaben an, in ihrem Leben auch zu sexuellen Handlungen gezwungen worden zu sein. Demgegenüber berichten in einer landesweit erhobenen Probandengruppe aus der allgemeinen Bevölkerung nur 4 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen von sexuellen Erfahrungen unter äußerem Zwang.3 Insgesamt waren die sexuellen Erfahrungen bei den Probanden unterschiedlich: Einige hatten keine oder nur wenige sexuelle Erfahrungen, andere hatten ausgedehnte sexuelle Erfahrungen mit vielen Partnern.

Trotz der praktischen Einschränkungen, die sich bei diesem Forschungsgegenstand für jeden Wissenschaftler ergeben, haben Jones und Yarhouse das Design einer prospektiven Langzeitstudie angewandt, das etablierten, professionellen Standards entspricht. Die Verfasser der Studie übten Zurückhaltung, indem sie ihre Schlussfolgerungen ausschließlich auf ihre systematisch gesammelten und sachgemäß analysierten wissenschaftlichen Daten beschränkten. Unter Einbeziehung ihrer angewandten zahlreichen standardisierten Messverfahren zur Ermittlung der sexuellen Orientierung, des sexuellen Verhaltens und des psychischen und spirituellen Wohlergehens präsentieren die Autoren in dem Kapitel, das die empirischen Resultate der Studie behandelt, umfangreiche detaillierte Daten, auch in Tabellen und Diagrammen.

Ist Veränderung möglich?
Veränderung der homosexuellen Orientierung. Ergebnisse der Studie von Jones und Yarhouse, 2007

Erläuterungen zu den Kategorien

Erfolg, Veränderung zur Heterosexualität (15%): erhebliche Auflösung der homosexuellen Orientierung und substantielle Verän­derung zur heterosexuellen Anziehung.

Erfolg, keine Homosexualität (23%): homosexuelle Anziehung fehlt oder ist nur noch gelegentlich vorhanden, belastet nicht mehr.  

Fortschritt (29%): Abnahme der homosexuellen Anziehung, Proband aber noch nicht zufrieden, geht den Weg der Verän­derung weiter.

Keine Reaktion (15%): keine nennenswerte Veränderung der homosexuellen Orientierung. Proband hat den Veränderungs­prozess zwar nicht abgebrochen, weiß aber noch nicht, wie es weiter gehen kann.

Misserfolg, Verwirrung (4%): keine nennenswerte Verän­derung der sexuellen Orientierung, Weg der Veränderung wurde aufge­geben, Proband hat aber keine homosexuelle Identi­tät angenommen.

Misserfolg, homosexuelle Identität angenommen (8%): Verän­derungsprozess wurde endgültig verlassen, Proband hat eine homosexuelle Identität angenommen.

 

Überzeugende wissenschaftliche Belege

Die Autoren kommen zu der stimmigen Schlussfolgerung: „Das generelle Bild, das sich aus der Analyse unserer Daten ergibt, zeigt, dass die untersuchten Probanden im Durchschnitt eine signifikante Veränderung weg von der homosexuellen hin zur heterosexuellen Orientierung erfahren haben.  Nach empirisch abgeleiteten Standards für die Effektstärke kann die durchschnittliche Verlagerung weg von der homosexuellen Orientierung als mittel bis groß, die durchschnittliche Verlagerung hin zur heterosexuellen Orientierung als klein eingestuft werden. (...) Das überraschendste Teilergebnis, das sich bei verschiedenen Messverfahren immer wieder zeigte, ist, dass diejenige Teilgruppe der Stichprobe, die am wahrscheinlichsten eine signifikante Veränderung erreichte, die „gänzlich homosexuelle“ Teilgruppe war.  Diese Teilgruppe definierten wir auf der Grundlage der Antworten, die die Probanden zum Zeitpunkt 1 gaben. Zu dieser Teilgruppe gehörte, wer bei den Bemessungsdaten für die homosexuell-erotische Anziehung und das Begehren, für das homosexuelle Sexualverhalten in der Vergangenheit und für die Identifikation als homosexuell (d.h. schwul oder lesbisch) Werte oberhalb des Medianwertes dieser Studie hatte. (...) Der gesunde Menschenverstand und die unter Fachleuten vorherrschende Meinung würden davon ausgehen, dass es bei den Probanden dieser Teilgruppe mit der geringsten Wahrscheinlichkeit zu grundlegenden Veränderungen kommen würde. Und dennoch war es beständig gerade diese Gruppe, bei der es zum höchsten Grad von Veränderungen kam. (...) Wiedergabe und Analyse der ’durchschnittlichen Veränderung’ verdecken die Ergebnisse, zu denen es bei Einzelpersonen kam. Die ’durchschnittlichen Veränderungen’ insgesamt enthalten einige dramatische Veränderungen bei Einzelpersonen.“4

Die umsichtige Studie zeigt an Hand überzeugender wissenschaftlicher Belege, dass die beratenden und psychologisch-pädagogischen Maßnahmen der christlich ausgerichteten Seelsorgegruppen bei einem hohen Prozentsatz der Betroffenen zu starken, klinisch bedeutsamen Veränderungen der homosexuellen Orientierung geführt haben. Zudem erbrachte die sorgfältig durchgeführte Untersuchung einer signifikant-großen Zahl von Probanden keine Belege dafür, dass Versuche, die sexuelle Orientierung zu verändern, Schädigungen hervorrufen oder psychische Leiden verursachen.  Mit dieser Studie liegt somit die bislang beste wissenschaftliche Untersuchung vor zu der Frage, ob eine homosexuelle Orientierung verändert werden kann und ob entsprechende Bemühungen per se schädlich sind.

Die Professoren Jones und Yarhouse fanden zuverlässige Belege dafür, dass sich eine homosexuelle Orientierung in signifikantem Maße verändern lässt. Ihre sorgfältige Untersuchung ergab keine Indizien dafür, dass sich aus diesen Veränderungsbemühungen per se seelische, spirituelle oder psychische Schäden ergeben. Im Rahmen meiner akademischen Begutachtung bewerte ich die Studie als die gründlichste, wissenschaftlich aufgebaute empirische Studie zu diesen Fragen, die es bislang gegeben hat.  Da so viele säkulare Psychologen und Psychiater fälschlicherweise vom Gegenteil dieser eindeutigen wissenschaftlichen Belege ausgehen, ist die Studie wegweisend für die therapeutische Behandlung ungewünschter homosexueller Neigungen.

Anmerkungen

1    Die Beratungsprogramme wurden von Gruppen durchgeführt, die damals zum Dachverband "Exodus International" gehörten. 2013 löste sich der Dachverband auf, weil sich immer mehr Gruppen von zentralen Auffassungen des Präsidenten von Exodus, gerade auch zu Fragen von Veränderungsmöglichkeiten, distanzierten. Viele der Gruppen haben sich mittlerweile dem Dachverband "Restored Hope Network" angeschlossen. Die von den unabhängigen Professoren Jones und Yarhouse durchgeführte Studie mit Probanden aus einzelnen Gruppen ist davon unberührt. 

   Jones, S.L., Yarhouse, M.A., Ex-gays? A Longitudinal Study of Religiously Mediated Change in Sexual Orientation, IVP Academic, Downers Grove 2007.

   Laumann, E.O., et. al., The social organisation of sexuality, University of Chicago Press, Chicago 1994, S. 336, Tabelle 9.7.

4    Jones, S.L., Yarhouse, M.A., a.a.O., S. 275-276.

Erschienen in:

Bulletin DIJG Nr. 15, Frühjahr 2008. Text geringfügig verändert 2015.

Von

  • George A. Rekers, Ph.D., FAACP

    Professor für Neuropsychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Medizinischen Fakultät der Universität South Carolina. Autor zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

    Alle Artikel von George A. Rekers, Ph.D., FAACP

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