Studie zur Frage von Veränderungsmöglichkeiten einer homosexuellen Orientierung

Robert L. Spitzer, M.D.

ist Professor für Psychiatrie und Leiter des biometrischen Forschungszentrums am staatlichen psychiatrischen Institut der Stadt New York in den USA. Er ist international bekannt als Experte für psychiatrische Diagnosen sowie für die Klassifikation psychischer Störungen.

Dr. Spitzer spielte eine Schlüsselrolle 1973, als die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft (APA) beschloß, Homosexualität aus der Liste psychischer Störungen zu streichen.

1999, anläßlich der Jahrestagung der Psychiatrischen Gesellschaft, sprach er mit friedlich demonstrierenden ehemaligen Homosexuellen, die für ihr Selbstbestimmungsrecht und das Recht auf Therapie zur Veränderung von Homosexualität demonstrierten. Gespräche mit ihnen führten dazu, daß Dr. Spitzer eine Forschungsreihe begann, um Erfolg und Effektivität von Therapien zur Veränderung der Homosexualität zu prüfen.

Am 9. Mai 2001 auf der Jahrestagung der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft in New Orleans, L.A. stellte er seine neue Studie vor.1 

Die aufgelegten Folien und der darunterstehende Text bildeten die Präsentation der Studie.2 Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Dr. Spitzer.

Folie 1

Dies ist der angemessene Titel für meine Präsentation.

Folie 2

Sexuelle Orientierung bezieht sich auf eine bestehende sexuelle Anziehung, sexuelle Phantasien, Verlangen nach romantischer, gefühlsmäßig von Nähe und Intimität geprägte Beziehung und auf sexuelles Verhalten, das mit Erregung einhergeht. 

Sie bezieht sich im Wesentlichen auf das eigene oder auf das andere Geschlecht.

Sexuelle Orientierung hat wie oben genannt viele verschiedene Dimensionen, jede davon befindet sich auf einer kontinuierlichen Skala [von ausschließlich homosexuell zu ausschließlich heterosexuell].

Folie 3

Es gibt einen fachlichen Konsens darüber, daß homosexuellem Verhalten widerstanden oder darauf verzichtet werden kann oder es umbenannt werden kann. Aber eine homosexuelle Orientierung kann nie verändert werden.

Auch ich vertrat selbstverständlich diese Ansicht.

Folie 4

Aber wie kam es nun, daß ich, Bob Spitzer, der ich mich in einer zentralen Rolle 1973 dafür eingesetzt hatte, daß Homosexualität als psychische Störung von der Diagnoseliste (DSM-II) gestrichen wurde, Zweifel über diesen fachlichen Konsens bekam?

Bei der Jahrestagung der APA 1999 in Washington sprach ich mit einigen Leuten, die dort demonstrierten. Sie behaupteten, daß – entgegen der offiziellen APA-Position – Veränderung der sexuellen Orientierung möglich sei, daß niemandem von einer solchen Veränderung abgeraten werden solle und daß sie selbst Veränderung von der Homosexualität zur Heterosexualität erfahren hätten. 

Ich fragte mich verwundert: Kann es sein, daß einige Homosexuelle tatsächlich ihre sexuelle Orientierung ändern können? Nach intensivem Nachdenken und im Wissen, daß frühere Studien methodisch viele Mängel aufwiesen, kam ich zu dem Schluß: Meine Neugier würde nur dann befriedigt werden, wenn ich selbst eine Studie durchführte.

Folie 5

Die Grundidee war einfach: 

Untersuche die Berichte von Menschen, die behaupten, eine Änderung von einer homosexuellen zur heterosexuellen Anziehung erreicht zu haben. Die Veränderung muß seit mindestens fünf Jahren anhaltend bestehen. 

Folie 6

Die Hauptfragen für die Studie würden sein: 

Ist es möglich, eine genügende Anzahl von Menschen zu finden?

Wenn ja, wie oft ist eine solche Veränderung (in Bezug auf die sexuelle Anziehung) begleitet von anderen Indikatoren der Veränderung?

Gibt es dabei Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Folie 7

Mit der Hilfe von Dr. Richard C. Friedman entwickelte ich das Konzept für ein strukturiertes Telefon-Interview. Es sollte für andere Forscher absolut transparent sein, wie wir die Befragung durchführten. Wir waren überrascht festzustellen, daß frühere Befragungen und Methoden zur Feststellung der sexuellen Orientierung ziemlich ungenügend waren, weil sie sich meist nur auf einzelne Faktoren wie sexuelle Anziehung oder sexuelle Identität konzentrierten. Aus diesem Grund mußten wir einen eigenen Fragebogen entwickeln. Die Pilot-Studie führten wir mit 40 Personen durch, die uns als mögliche Teilnehmer genannt worden waren. Während dieser Phase revidierten wir die Interviewfragen immer wieder. Wir fragten z. B.: „Welche Art von Hilfe haben Sie erfahren?“ „Wie ging es Ihnen vor dem Bemühen um Veränderung?“ „Was ist heute anders?“ „Welche Aspekte Ihrer Homosexualität sind geblieben?“

Folie 8

Wir entwickelten spezielle Fragen für die in der Folie 8 genannten Homosexualitäts-Indikatoren: 

1. Sexuelle Anziehung während eines ganzen Jahres gemessen an einer subjektiven Skala von 100 (ausschließlich homosexuell) bis 0 (ausschließlich heterosexuell). Der/Die Befragte nennt eine Zahl zwischen 100 und 0. 

2. Lustvolle Gedanken oder Tagträume in bezug auf Sex mit jemandem vom eigenen Geschlecht. Antwort: nie, wenige Male im Jahr, wenige Male pro Monat, wenige Male in der Woche, jeden Tag – immer bezogen auf die Zeit eines Jahres.

3. Homosexuelle Phantasien während der Masturbation – Prozentangabe bezogen auf die Gesamtzahl der Masturbationsvorkommnisse.

4. Homosexuelle Phantasien während heterosexuellem Sex – Prozentangabe wie oben.

5. Verlangen nach romantischer, gefühlsmäßiger Intimität – von nie bis nahezu täglich. 

6. Homosexuelles Verhalten mit Erregung. 

Folie 9

Das endgültige, strukturierte Interview, das ich persönlich mit allen Personen durchgeführt habe, dauerte etwa 45 Minuten. Ich übertrug die Angaben im Verlauf des Gespräches direkt in das Entry SPSS Daten-Programm.

Insgesamt waren es 112 Fragen mit fest vorgegebenen Antwortkategorien und 9 offene Fragen, bei denen ich direkt die Antworten der Teilnehmer festhielt.

Der gesamte Datensatz sowie ein Drittel der Interviews (die, von denen es Bandaufzeichnungen gibt) stehen jedem anderen Wissenschaftler zur Verfügung. 

Folie 10

Bei der Suche nach möglichen Probanden fragten wir zunächst nach Männern und Frauen, die eine Veränderung in ihrer homosexuellen Orientierung erfahren hatten, die seit mindestens fünf Jahren anhält. 

Die Aufnahmekriterien für die eigentliche Studie waren dann aber strenger. Um zugelassen zu werden, mußte der Teilnehmer angeben, daß seine sexuelle Anziehung vor der Veränderung hauptsächlich homosexuell war.

Wir verwenden den Ausdruck „Veränderungsbemühung“ statt „Therapie“, da einige der Veränderungen auch durch andere Bemühungen zustande gekommen waren, z. B. durch eine Mentorenbeziehung mit einem Heterosexuellen, was die Betroffenen normalerweise nicht als Therapie ansahen. Ziel des Einzelnen mußte es sein, eine funktionierende Heterosexualität aufbauen zu wollen. 

Weiteres Aufnahmekriterium war: Eine Veränderung auf der Skala der sexuellen Anziehung um mindestens 10 Punkte. 10 Punkte sind nur eine minimale Veränderung, spiegeln aber die subjektive Einschätzung wieder, daß es überhaupt zu einer Veränderung in Bezug auf das Objekt der sexuellen Anziehung gekommen ist. 

Folie 11

An der Studie nahmen 200 Probanden teil, 143 Männer und 57 Frauen. Befragt hatten wir zunächst 274 mögliche Teilnehmer, die wir unter großen Schwierigkeiten innerhalb von 16 Monaten fanden. 74 Personen schieden aus. Bei ihnen hatte zwar eine Verhaltensänderung und eine Änderung der Selbsteinschätzung in Bezug auf ihre Identität stattgefunden. Es hatte aber entweder keine Veränderung in der sexuellen Anziehung stattgefunden oder sie waren vor der Veränderung nicht überwiegend homosexuell orientiert gewesen oder ihre Veränderung hatte noch keine 5 Jahre angehalten.

Folie 12

Die 200 Teilnehmer kamen vorwiegend aus religiösen Ex-Gay Gruppen, die verschiedene Programme für Homosexuelle anbieten, die sich verändern möchten. 

Andere kamen von NARTH, der „Nationalen Gesellschaft für Forschung und Therapie von Homosexualität“, einer Gruppe von Psychologen und Laien, die Homosexualität weitgehend als eine behandelbare Entwicklungsstörung ansehen. „Andere“ waren selbst Therapeuten, die im Bereich der sexuellen Neuorientierung arbeiten oder Teilnehmer, die sich auf Hinweise im Radio oder auf Zeitungsannoncen gemeldet hatten.

Folie 13

Etwa 90% der Befragten gaben an, verschiedene Programme zur Veränderung angewandt zu haben.

Die Folie 13 gibt Antwort auf die Frage: „Welches Programm war das hilfreichste?“ 

Der „Therapeut“ war meist ein Psychologe 

(23%) oder ausgebildeter Berater (12%), selten ein Psychiater (3%). „Andere“ schließt regelmäßige Treffen mit einem heterosexuellen Mentor sowie Bücher zur Selbsthilfe ein, oder – was einige als „geistliche Arbeit“ bezeichneten – eine sich verändernde Beziehung zu Gott.

Folie 14

Soweit es keine entscheidenden Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab, gelten die Angaben in Folie 14 sowohl für die 143 Männer als auch für die 57 Frauen. 

Etwa drei Viertel der Männer und die Hälfte der Frauen waren zum Zeitpunkt der Befragung in einer heterosexuellen Ehe verheiratet. Etwa ein Fünftel war verheiratet, bevor sie eine Veränderung anstrebten und gaben an, daß ihr homosexuelles Verhalten und die homosexuelle Anziehung ihre Ehe bedrohte. Die meisten waren indo-europäischer Herkunft und hatten College-Abschluß.

Folie 15

Die meisten kamen aus protestantischem Hintergrund. 

Die große Mehrheit sagte, daß Religion „außerordentlich“ oder „sehr“ wichtig für ihr Leben ist. Viele nicht-religiöse Therapeuten, die wir um Teilnehmer für die Studie anfragten, zögerten, mit ehemaligen Klienten in Verbindung zu treten. Das kann mit zu dem sehr hohen Anteil von religiösen Teilnehmern beigetragen haben.

Die überwiegende Zahl der Teilnehmer hat sich öffentlich positiv für die Möglichkeit der Veränderung ausgesprochen. Tatsächlich waren fast alle Teilnehmer dadurch motiviert, an der Studie teilzunehmen: Aus ihrer eigenen Erfahrung wollten sie den Beweis bringen, daß Homosexualität verändert werden kann und so auch anderen Hoffnung geben.

Folie 16

Warum wollten die Männer und Frauen Veränderung? Dies sind die am häufigsten genannten Antworten:

Der schwule Lebensstil war emotional unbefriedigend. Meist meinten die Teilnehmer damit die weitverbreitete Promiskuität, stürmische und schmerzhafte Beziehungen, oft mit extremer Eifersucht. Religiöser Konflikt wurde in 79% der Fälle genannt. Der Wunsch, zu heiraten oder verheiratet zu bleiben, spielte besonders bei den Männern eine Rolle.

Folie 17

Die Zeitangaben waren nahezu gleich für Männer und Frauen. Selbstverständlich gab es individuell große Unterschiede. Der Beginn der homosexuellen Anziehung war mit etwa 12 Jahren. Ungefähr 18 Jahre später begann der Veränderungsprozeß, der als hilfreich empfunden wurde. (Zuvor gingen ihm meist ein oder mehrere vergebliche Veränderungsversuche voraus – oft auch bei Therapeuten, die ihnen sagten, sie hätten keine andere Wahl, als ihre Homosexualität zu akzeptieren.) Nach zwei Jahren im Veränderungsprozeß begannen die Probanden, sich sexuell anders zu fühlen. Die allermeisten beschrieben diesen Weg als allmählich, beginnend mit einer langsamen Abnahme der homosexuellen Gefühle und einem allmählichen Aufkommen oder Intensiver-Werden von heterosexuellen Gefühlen. Drei Jahre später, nach fünf Jahren also, war die Veränderung für 78% der Teilnehmer zum Abschluß gekommen. 22% berichteten, daß die Veränderung noch andauere. Sie besuchen weiterhin eine Ex-Gay-Selbsthilfe-Gruppe oder sagen, daß sie wohl in einem lebenslangen Kampf bleiben werden in bezug auf die tieferliegenden Probleme, die ihrer Ansicht nach die Ursache für die homosexuellen Gefühle sind.

Folie 18

Wie homosexuell waren die Teilnehmer vor ihrem Bestreben nach Veränderung?

Erstens: Wie oft fühlten sie sich als Teenager homosexuell angezogen? Um die wichtigsten Ergebnisse hervorzuheben, zeigen wir – wie auf vielen folgenden Folien – jeweils die beiden Extreme „oft“ und „sehr oft“ oder „nie“ und „selten“.

Über 80% der Männer und über 60% der Frauen fühlten sich als Teenager „oft“ oder „sehr oft“ vom eigenen Geschlecht sexuell angezogen.

Folie 19

VieleTeilnehmer hatten als Teenager „nie“ oder „selten“ irgendwelche heterosexuelle Anziehung gefühlt. Das gilt besonders für die Männer.

Folie 20

Mit wie vielen Personen hatte der Teilnehmer homosexuellen Sex vor der Veränderung?

Ein kleiner Teil, und zwar mehr Männer als Frauen, hatte ihren homosexuellen Impulsen widerstanden und nie homosexuellen Sex gehabt.

Wie zu erwarten, hatte eine beträchtliche Anzahl der Männer Sex mit vielen verschiedenen Partnern gehabt.

Folie 21

53% der Männer und 33% der Frauen hatten vor dem Veränderungsprozeß niemals einvernehmlichen heterosexuellen Sex gehabt.

Folie 22

Wir maßen die Veränderung in der sexuellen Orientierung an verschiedenen Indikatoren, indem wir die 12 Monate vor Beginn des Veränderungsprozeßes (bezeichnet als „zuvor“) mit den vergangenen 12 Monaten vor dem Interview (bezeichnet als „danach“) verglichen. 

Folie 23

Die nächsten Folien nehmen Bezug auf verschiedene Indikatoren, immer im Vergleich von „zuvor“ und „danach“.

Die Folie 23 stellt den Indikator „sexuelle Anziehung“ bei Männern und Frauen dar. 100 bedeutet ausschließliche homosexuelle Anziehung und 0 ausschließliche heterosexuelle Anziehung.

Beide, Männer und Frauen, hatten „zuvor“ eine sehr hohe homosexuelle Anziehung gehabt, „danach“ haben beide Geschlechter eine große heterosexuelle Anziehung, Frauen noch mehr als die Männer. Hier wie auch in den meisten folgenden Folien ist beachtenswert, daß die Frauen „zuvor“ oft ähnliche oder etwas geringere Homosexualitäts-Indikatoren als die Männer hatten, „danach“ aber immer größere Heterosexualitäts-Indikatoren haben. 

Folie 24

Wie viele haben sich „zuvor“ als ausschließlich homosexuell eingestuft?

Annähernd die Hälfte der Männer und Frauen.

„Danach“ beschrieben sich 17% der Männer und deutlich mehr Frauen (55%) mit einem Wert von 0, also ausschließlich heterosexuell.

Folie 25

Mit sexuellem Verlangen jemanden des eigenen Geschlechts ansehen oder entsprechende homosexuelle Tagträume mindestens einige Male pro Monat haben:

Dies traf „zuvor“ auf fast alle Teilnehmer zu, „danach“ aber nur für eine viel kleinere Zahl, besonders klein für die Frauen.

Folie 26

Verlangen nach einer romantischen, emotionalen Beziehung mit jemandem vom eigenen Geschlecht haben, mindestens einige Male pro Monat: 

„Zuvor“ war das sehr häufig, „danach“ sehr ungewöhnlich.

Folie 27

Fast alle der 138 Männer und 50 Frauen die „zuvor“ masturbiert hatten, hatten dabei in mindestens 20% der Masturbationsvorkomnisse homosexuelle Phantasien.

Bei den 112 Männern und 39 Frauen die „danach“ noch masturbierten, war das weitaus seltener, wiederum seltener für die Frauen.

Folie 28

Spontane heterosexuelle Phantasien beim Masturbieren ohne den Versuch, solche Phantasien zu produzieren: Bei denen, die masturbierten, war das „zuvor“ ungewöhnlich gewesen (9% der Männer, 26% der Frauen) und „danach“ ziemlich üblich (69% der Männer, 72% der Frauen). 

Folie 29

Wie groß war die Anzahl der Teilnehmer, die „danach“ absolut keine homosexuellen Indikatoren mehr hatten, die also 0 auf der sexuellen Anziehungs-Skala aufwiesen und „nie“ auf der Lust-Gedanken-Skala? Das schloß jeden aus, der z. B. eine 5 auf der Anziehungsskala angab und somit einige Male im Jahr lustvolle Gedanken an homosexuellen Sex hatte. Dies – wir betrachten es eigentlich als unrealistisches Kriterium – traf für 11% der Männer und für 37% der Frauen zu.

Wir setzten ein weniger striktes Kriterium fest, das wir als „nur minimale Homosexualitäts-Indikatoren“ beschrieben. Dafür erlaubten wir Zahlenwerte zwischen 0 bis 10 auf der Anziehungs-Skala, die bis 100 geht, und eine Häufigkeit, die mit „wenige Male pro Jahr“ beschrieben wird. Dies traf auf 29% der Männer und 63% der Frauen zu.

Folie 30

Wie oft ist es den Befragten gelungen, ihr Ziel zu erreichen und in guter Weise heterosexuell zu funktionieren? „Gutes heterosexuelles Funktionieren“ definierten wir so:

1. Letztes Jahr eine liebevolle, heterosexuelle Beziehung gehabt.

2. Die emotionale Befriedigung in der Beziehung war mindestens 7 oder mehr auf einer Skala von 1-10 (10 bedeutet: besser kann es nicht sein; 1 bedeutet: schlechter kann es nicht sein). 

3. Dabei mindestens monatlich heterosexuellen Sex gehabt. Die körperliche Befriedigung beim heterosexuellen Sex war 7 oder mehr (auf derselben Skala 1-10). 

4. Nie oder selten (< 20%) während des heterosexuellen Sex an homosexuellen Sex gedacht.

Diese Kriterien erfüllten 66% der Männer und 44% der Frauen. Viele Frauen sagten, daß sie zwar Rendezvous hatten und sexuelle Erregung empfanden, daß aber die Beziehung nicht zur Ehe führte.

Folie 31

Wir erwarteten, daß ein gutes heterosexuelles Funktionieren nicht so oft erreicht wurde bei Personen, die vor der Veränderung sehr hohe Homosexualitäts-Indikatoren aufwiesen. Wir definierten „sehr hohe Homosexualitäts-Indikatoren“ so:

Als Teenager nie heterosexuelle Anziehung gehabt. Niemals heterosexuellen Sex gehabt. „Zuvor“: nie heterosexuelle Phantasien beim Masturbieren gehabt. „Zuvor“: hohe homosexuelle Anziehung, 95 oder mehr.

33 Männer waren in dieser Gruppe. Bei den Frauen waren es nur 5, zu wenige, um es auszuwerten.

Von den 33 Männern konnten zu unserer Überraschung 67% ein „gutes heterosexuelles Funktionieren“ erreichen.

Folie 32

56 Befragte hatten regelmäßigen heterosexuellen Sex „zuvor“ und „danach“, in fast allen Fällen mit derselben Person, ihrer Frau.

Wir untersuchten drei Variable:

1. Emotionale Befriedigung in der heterosexuellen Beziehung: 7 oder mehr auf einer Skala von 1 -10 (1 bedeutet: schlechter kann es nicht sein, 10 bedeutet: besser kann es nicht sein). Diese emotionale Befriedigung gaben „zuvor“  25% der Befragten an, „danach“ 98%.

2. Körperliche Befriedigung beim heterosexuellen Sex: 7 Punkte oder mehr auf der Skala von 1 -10 (wie oben): „Zuvor“  war das bei 43% der Befragten der Fall gewesen, „danach“ bei 100%.

3. Oft, d.h. in mindestens 20% der Fälle beim heterosexuellen Sex an homosexuellen Sex gedacht. Das war „zuvor“  bei 52% der Probanden der Fall, „danach“ nur noch bei 6%.

Die „danach“-Werte waren für alle drei Variablen sehr ähnlich den „danach“-Werten der 87 Interviewteilnehmer, die zwar „danach“ regelmäßig heterosexuellen Sex hatten, aber „zuvor“  nicht.

Folie 33

Als häufigen Nebeneffekt eines Bemühens um Veränderung der eigenen sexuellen Orientierung wird Depression genannt. Das traf mit Sicherheit nicht auf die Befragten unserer Studie zu, die oft „zuvor“  „starke“ oder „sehr starke“ Depressionen gehabt hatten, „danach“ aber nur selten.

Folie 34

Während der Pilotphase stellten wir fest, daß die Teilnehmer bestimmte, immer wiederkehrende Wege nannten, die ihnen im Veränderungsprozeß geholfen hatten. Folie 34 zeigt, wie oft die Probanden zwei vorgegebene Antwortmöglichkeiten positiv beantworteten.

Folie 35

Die große Frage ist natürlich: Angesichts der Tatsache, daß die Befragten hoch motiviert waren, um den positiven Wert von Therapien zur Veränderung herauszustellen – inwieweit sind ihre Angaben nur Selbstbetrug oder große Übertreibung? Da es keine objektiven Beweise gibt wie z. B. Veränderungen am Penis während des Anschauens erotisch-heterosexueller Stimuli, gibt es keine völlige Gewißheit, daß die Angaben stimmen.

Die folgenden Gründe sprechen aber dafür, daß man die Ergebnisse nicht einfach abtun kann: Die Komplexität und Vielfalt der berichteten Veränderung. Die Breite der Berichte mit den detaillierten Angaben und die Tatsache, daß nur sehr wenige von einer totalen Veränderung sprachen, trägt zur Glaubwürdigkeit der Daten bei. 

Die Befragten hatten z. B. keine Schwierigkeiten, wenn sie gefragt wurden, detailliert ihre heterosexuellen Masturbations-Phantasien zu beschreiben.

Die Allmählichkeit der Veränderung, die langsame Abnahme von homosexuellen Gefühlen und das anschließende allmähliche Entwickeln von heterosexuellen Gefühlen zeigen, daß es nicht einfach eine zurechtgemachte Geschichte ist. 

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, z. B. die größere Leichtigkeit, mit der Frauen sich verändern konnten und daß sie oft schon zu Beginn mehr heterosexuell waren, stimmen mit der wissenschaftlichen Forschung überein. Wenn niemand sich wirklich verändert hätte, wäre es schwierig zu erklären, warum die befragten Frauen von einer größeren Veränderung berichteten als die Männer. 

Folie 36

Wir fragten: „Wie ist es gekommen, daß das, was sie im Veränderungsprozeß gelernt haben, auch ihre Gefühle verändert hat?“

Die Befragten berichteten daraufhin von folgenden Änderungsstrategien, die allgemein in der Forschung als effektive Komponenten psychotherapeutischer Bemühungen anerkannt sind und eingesetzt werden:

Erfahrungen aus der Kindheit und in der Familie mit sexuellen Gefühlen in Verbindung bringen.

Aufbauen einer intensiven emotionalen Beziehung, um ein Veränderung in den sexuellen Gefühlen zu erreichen. Viele Männer beispielsweise berichteten, daß sie erst zu einer heterosexuellen Erregung kamen, nachdem sie eine intensive emotionale Beziehung mit einer Frau eingegangen waren. 

Unterstützung durch Einzelpersonen oder Gruppen. 

Gedanken Einhalt gebieten, z. B. „wenn solche Gedanken kommen, folge ich ihnen nicht“. 

Situationen vermeiden, die homosexuelle Gefühle auslösen.

Dies sind Techniken, die üblicherweise als effektiv in der Psychotherapie eingesetzt werden und die ihren Aussagen Glaubwürdigkeit verleihen. Wir können uns vorstellen, durch welche Mechanismen diese Techniken wirken können.

Folie 37

Wir fassen zusammen: 

Im Gegensatz zur gängigen Einsicht, können einige hoch motivierte Personen durch verschiedene geeignete Anstrengungen eine erhebliche Veränderung ihrer sexuellen Orientierung erfahren. Diese Veränderung betrifft zahlreiche Bereiche, die mit der sexuellen Orientierung zusammenhängen. Diese Personen erreichen ein gutes heterosexuelles Funktionieren. 

Menschen, die weniger weitreichende Veränderung erlebten, waren doch der Überzeugung, daß diese Veränderungen für sie außerordentlich wertvoll sind. 

Totale Veränderung – was ganz allgemein in der Psychotherapie als unrealistisches Ziel angesehen wird – ist ungewöhnlich, besonders bei Männern. 

Folie 38

Therapeuten, die Therapie zur Veränderung anbieten, geben ähnliche Ergebnisse bei etwa einem Drittel ihrer Klienten an. Die Schwierigkeit, die wir hatten, Personen für die Studie zu finden, läßt jedoch vermuten, daß die erheblichen Veränderungen bei unseren Probanden insgesamt eher ungewöhnlich sind. 

Auf der anderen Seite können auch andere Faktoren, z. B. fehlende Bereitschaft, sich auf ein Interview einzulassen und fehlende Bereitschaft von Therapeuten, frühere Klienten zu kontaktieren, dazu beigetragen haben, daß wir Schwierigkeiten hatten, 200 geeignete Probanden zu finden. 

Die vielen möglichen Probanden, die wir von der Studie ausschließen mußten, weisen darauf hin, daß einige Personen, die nach eigenen Aussagen ihre sexuelle Orientierung verändert haben, lediglich ihr homosexuelles Verhalten und ihre sexuelle Identität geändert haben. 

Allerdings wurde diese begrenzte Veränderung von den Betroffenen als erhebliche Verbesserung in ihrem Leben erlebt, denn sie stimmte mit ihrem selbstgewählten Ziel der Verhaltensveränderung und Identitätsveränderung überein, auch wenn die Veränderung geringer als erhofft war. 

Folie 39

Ein besserer Weg, das Konzept der „sexuellen Neuorientierung“ zu erklären ist, sie als ein Abnehmen von unerwünschten homosexuellen Empfindungen und als ein Wachsen des heterosexuellen Potentials zu sehen – und anzuerkennen, daß Änderung für einige möglich ist und daß diese Veränderung einem multidimensionalen kontinuierlichen Prozeß folgt.

Folie 40

Wir machen uns Sorgen, daß diese Forschungsergebnisse mißbraucht werden könnten. Ein Mißbrauch wäre: 

1.) Anzunehmen, daß eine homosexuelle Orientierung für die meisten hochmotivierten Individuen veränderbar ist. 

2.) Den Weg für einige im inneren Konflikt stehende Homosexuelle geringzuschätzen, der zur Veränderung ihres homosexuellen Verhaltens und ihrer sexuellen Identität geführt hat, aber nicht zu einer bedeutsamen Veränderung der sexuellen Orientierung. 

3.) Wenn die Forschungsergebnisse dazu benützt würden, Menschen zu einer Therapie zu zwingen oder wenn ihnen dadurch  Bürgerrechte vorenthalten würden. 

Ich schließe, indem ich wiederhole, was einige der Teilnehmer mir spontan sagten: „Ich habe kein Problem damit zu akzeptieren, daß die meisten Schwulen kein Interesse an Veränderung haben. Ich wünsche mir nur, daß sie akzeptieren können, daß ich ein Recht auf Veränderung habe – und daß ich mich verändert habe.“

Anmerkungen

1 Inzwischen wurde die Studie veröffentlicht in:
Spitzer, Robert L., Can some gay men and lesbians change their sexual orientation? 200 participants reporting a change from homosexual to heterosexual orientation, in: Arch Sex Behavoir, vol. 32, no. 5, Oct. 2003, S. 403-417.

2 Die englischsprachige Originalpräsentation von Robert- L. Spitzer am 9. 5. 2001 bei der APA-Jahrestagung ist beim Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft erhältlich.

Textnachweis: Spitzer, R. L., Copyright: Spitzer 2001, mit freundlicher Erlaubnis des Autors.

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