Heilung und Veränderung einer verwundeten Sexualität

Wie man einen Frosch abkocht, ohne dass er es merkt.

Signa Bodishbaugh hielt den folgenden, gekürzten Vortrag hielt sie im vergangenen Jahr in Deutschland. Sie wendet sich im zweiten Teil besonders an Frauen von pornographiesüchtigen Partnern.

Vor ein paar Jahren hielt ich in Florida ein ähnliches Seminar wie heute hier. Am Tisch sprachen mein Mann und ich mit einer Teilnehmerin aus Dänemark. Sie fragte uns, ob wir schon einmal in Dänemark gewesen seien. Tatsächlich waren wir erst wenige Wochen zuvor dort gewesen.
„Wart ihr auch in Kopenhagen, meiner Heimatstadt?“
„Ja, für zwei Nächte.“
„Wie hat euch die Stadt gefallen?“
„Nun, es ist eine wunderschöne Stadt.“
„Das hört sich ja nicht gerade begeistert an.“
„Wirklich, die Stadt ist wunderschön. Aber die pornographischen Darstellungen überall haben uns einigermaßen schockiert.“
„Was meint ihr mit Pornographie?“
„Überall waren Bilder von nackten Frauen, wo man hinsah, angefangen vom Flughafen bis zum Telefonbuchumschlag. Das hat uns wirklich erstaunt.“
„Ach, darum kümmern wir uns gar nicht, das ist doch nur etwas für Leute aus der Unterschicht. Uns fällt das gar nicht mehr auf.“
Als sie das sagte, fiel mir die bekannte Geschichte vom Frosch im Wassertopf ein. Wenn man einen Frosch in kochendes Wasser setzt, springt er natürlich sofort heraus. Setzt man den Frosch aber in einen Topf mit angenehm lauwarmem Wasser und erhöht langsam die Temperatur, fällt ihm überhaupt nicht auf, daß er gekocht wird.
Ich kam mir vor wie dieser Frosch, als ich nach Dänemark kam. Ich fühlte mich wie in einen kochend heißen Topf mit Nacktbildern geworfen und sprang gleich wieder heraus.
Aber wenn, wie das zur Zeit in Amerika geschieht, die Temperatur langsam steigt, merkt niemand, was eigentlich geschieht. Nur wenige nehmen wahr, daß die Temperatur steigt. Wir halten das eher für ein wohltuendes Wellnessbad und sind geradezu stolz darauf, daß wir damit umgehen können.

Doch was richtet dieses Übermaß an Pornographie bei uns und bei unseren Kindern an?

Der Preis der Sucht

Eine Folge ist die Zerstörung der Intimität in der Ehe. Obwohl mehr Männer pornosüchtig sind, ist es nicht ausschließlich ein Männerproblem. Ich bin auch schon Frauen mit massiver Pornosucht begegnet. Häufiger allerdings werden Frauen süchtig nach trivialen Liebesromanen mit erotischer Komponente. Wir haben in den letzten Jahren mit zahllosen Pastoren, Jugendleitern oder Bibellehrern zu tun gehabt, die sich von pornographischen Darstellungen angezogen fühlten. Sie haben oft das Gefühl, mit niemandem darüber reden zu können. Manche haben versucht, sich ihren Vorgesetzten anzuvertrauen und prompt ihren Arbeitsplatz verloren. Mehrfach sind Jugendleiter gefeuert worden, weil es hieß, daß sie unter diesen Umständen unmöglich weiter mit jungen Menschen arbeiten könnten. Sie sind verzweifelt auf der Suche nach Hilfe, erfahren aber häufig Ablehnung und Frustration. Irgendwann kommen sie an den Punkt, wo sie glauben, daß ihnen nicht mehr zu helfen ist. Sie führen ein Leben voller Täuschung und Einsamkeit.
Gott hat in jeden von uns das Bedürfnis nach echter Intimität und Nähe gelegt. Wenn dieses Bedürfnis nicht gestillt wird, werden wir entweder den Zugang zu unseren Gefühlen verschließen oder auf andere Weise nach Erfüllung und Befriedigung suchen. Der Versuch, auf diesem Weg angestaute Spannungen und Ängste aufzulösen, führt allmählich zu einem Lebensstil des Täuschens und Verstellens.
Früher mußte man auf der Suche nach pornographischem Material ins Bahnhofsviertel gehen, später war der Weg in ein entsprechendes Geschäft nicht mehr so weit, heute reicht es schon, ins Nebenzimmer zu gehen, wo der Computer steht – und es das Internet gibt.

Die breite Verfügbarkeit von pornographischem Material ist wirklich verblüffend. Ich denke, dafür gibt es zwei Gründe. Zum ersten ist das Geschäft mit Pornographie geradezu unanständig profitabel. Im Internetzeitalter kann man damit unglaublich viel Geld verdienen. Zum zweiten gibt es viele, die nach diesem Material verlangen und so das Geschäft überhaupt erst ermöglichen. Weshalb?
Ein Mitglied unserer Gebetsgruppe beschrieb es so: „Jeder ist ein bißchen neugierig und will wissen, was und wie das ist. Das ist ganz normal, besonders für Teenager. Viele sehen sich Pornos höchstens einmal an, weil sie es widerlich finden. Andere bleiben daran hängen und gucken es sich immer mal wieder an. Aber viele schlucken den Köder samt Haken, der sich dann in ihren Eingeweiden verfängt und bleiben voll und ganz daran hängen.“ So war es auch bei ihm gewesen. Obwohl er wußte, daß das weder für ihn noch für seine Ehe gut war, konnte er sich nicht vorstellen, ohne diese Bilder zu leben. Die Pornos aufzugeben, war für ihn wie das Leben aufgeben.

Die Spirale der Sucht

Es gibt eine typische Abwärtsspirale, die dazu führt, daß jemand Pornos braucht. Bei Pornographie handelt es sich, wie gesagt, nicht um die Art von Nähe, die jeder Mensch braucht, sondern um eine Illusion von Intimität. Wenn wir Intimität und Nähe nicht zum richtigen Entwicklungszeitpunkt in der richtigen Weise erfahren, können wir folgendes beobachten: In uns wachsen Angst und Spannungen und führen zu einem Gefühl tiefer Einsamkeit, das sogar zu körperlichem Schmerz führen kann. Dann kommt die Versuchung. Sie bietet uns das an, was den Schmerz der Einsamkeit erträglich zu machen scheint, z.B. pornographische Bilder. Jetzt beginnt ein Teufels-kreis: Es ist, als ob jemand dich bei deinem Namen ruft, dich meint. Bis hierher ist noch alles in Ordnung, du kannst jederzeit „Nein“ sagen. Aber nach der Versuchung kommt die Verführung, und irgendwann gibst du nach.
Dann ist es, als ob du darin untergetaucht würdest. Jetzt ist Umkehr nicht mehr möglich. Gleichzeitig kommt die Erleichterung, die du dir meistens durch Selbstbefriedigung verschaffst. Nach der Erleichterung kommt die Scham. Du fühlst dich schuldig und bereust es vielleicht auch. Wenn die Reue aber nicht zum Sündenbekenntnis führt, ist das wie die vielen guten Vorsätze am Silvesterabend: „Ich mache das bestimmt nie wieder…“ Aber damit wird das eigentliche Problem ignoriert. Du wiegst dich in einem falschen Gefühl der Sicherheit, bevor Spannung und Angst sich wieder aufbauen und die Spirale von vorne beginnt.
Dieses Muster haben mir Dutzende von Männern geschildert und es war für sie sehr erleichternd zu erfahren, daß sie damit nicht alleine sind.

Schritte in die Freiheit

Doch nur das Wissen darum hilft nicht weiter, denn die Illusion von Intimität läßt immer eine Leere zurück. Der erste Schritt auf dem Weg in die Freiheit ist das Bekennen der Sünde. Der Wunsch, davon befreit zu werden, muß stärker sein als die Hoffnung, nicht dabei ertappt zu werden. Wir müssen Gott erlauben, diese Leere in uns zu füllen. Und wir müssen den falschen Formen der Sexualität eine Absage erteilen, auch wenn wir es vielleicht gar nicht „Pornographie“ nennen würden.
Der Süchtige muß sein Problem ans Licht bringen, um Heilung zu erfahren. Aber auch die Ehepartnerin muß ihre Situation ans Licht bringen. Vielleicht ist sie schockiert oder es ist ihr peinlich, vielleicht fühlt sie sich als Versagerin und ist verunsichert. Ziemlich sicher ist sie zornig, enttäuscht, fühlt sich unzulänglich und verraten. Da gibt es viele Gefühle – und alle sind völlig normal. Wenn sie diese Gefühle aber immer wieder herunterschluckt, wird sie nicht den Frieden erfahren, den sie braucht.

Pornographie in der Ehe

Pornographie in der Ehe hat auch eine geistliche Dimension. Ein Beispiel dazu: Einmal kam eine sehr attraktive Frau, ich nenne sie Carol, auf mich zu und bat mich, mit ihr für ihre Ehe zu beten. Bis vor drei Jahren war die Beziehung zu ihrem Mann einfach nur furchtbar gewesen. Es gab kaum Gespräch und keinerlei Intimität. Dann fand sie heraus, daß er viele Geheimnisse hatte. Irgendwann gab ihr Mann zu, daß er schwer abhängig von Pornographie im Internet war. Das nahm so viel von seiner Zeit in Anspruch, daß er ihr keine Minute mehr gönnen mochte. Weil sie beide eine Beziehung zu Gott hatten, nahmen sie Seelsorge in Anspruch und er sagte der Pornographie ab. Er erfuhr viel Hilfe und Heilung. Ihre Ehe fing wirklich an, gut zu werden. Sogar Sex machte ihr zum ersten Mal in ihrem Leben Spaß. In der Familie ihres Mannes gab es viele Probleme, aber er hatte seinen Eltern vergeben und arbeitete jetzt daran, sich die inneren „Leerstellen“ von Gott füllen zu lassen.

Nun kam sie zu mir zum Gebet mit dem Gefühl, daß etwas mit ihr nicht in Ordnung sei. Nach all der harten Arbeit, die beide in ihre Ehe investiert hatten, nahm sie seit etwa sechs Monaten wahr, daß ihr Mann sich wieder von ihr zurückzog. Wenn sie ihn darauf ansprach, stritt er es jedesmal ab und sagte, das sei ihr Problem, sie bräuchte Hilfe. Also ging sie zu einem Seelsorger. Schließlich begann sie, sich vor sexueller Intimität geradezu zu fürchten. Wir beteten miteinander und ich bat den Herrn, die Gründe für dieses Problem offenzulegen.

Zwei Tage später begegnete ich ihr wieder. Inzwischen hatte sie ihren Mann, der einige tausend Meilen entfernt war, angerufen, ihm von der Konferenz erzählt und gefragt, wie es ihm ginge. Seine Reaktion war die Antwort Gottes auf unser Gebet. Ihr Mann sagte, daß er in der vergangenen Nacht aus tiefstem Schlaf hochgeschreckt sei und wußte, daß er ihr sagen mußte, was er getan hatte: Vor etwa sechs Monaten, als er ziemlich viel Streß an seinem Arbeitsplatz hatte, erwähnten Kollegen eine bestimmte pornographische Website. Er ließ sich auf das Spiel ein, wurde wieder verführt und abwärts ging es auf der Spirale. Es erleichterte seine Spannungen am Arbeitsplatz, und da er es nur im Büro machte, glaubte er, daß seine Frau davon nichts merken würde. Er liebte sie ja und bildete sich ein, niemandem damit weh zu tun. Er war nicht imstande gewesen, ihr die Wahrheit zu sagen. Aber während dieses Telefonats hatte Gott ihn „erwischt“, er konnte es ihr bekennen und sie um Vergebung bitten. Als Carol mir das erzählte, platzte sie geradezu vor widerstreitenden Gefühlen. Sie war wütend, aber gleichzeitig auch froh, daß sie nicht völlig irre gewesen war und sich alles nur eingebildet hatte.

Schmerzhafte Folgen

Was ich jetzt sage, richtet sich hauptsächlich an die Ehefrauen der Betroffenen. Wenn Sie herausfinden, daß Ihr Mann mit Pornographie zu tun hat, werden Sie, ähnlich wie Carol, mit einer Reihe widerstreitender Gefühle zu kämpfen haben. Sie werden sich selbst die Schuld geben: „Wenn ich nur hübscher, schlanker, sonstwas wäre.“ Sie werden ihm die Schuld geben: „Wie kann er mir das antun? Ich werde ihm nie wieder etwas glauben können.“ Es wird schwierig sein, Entscheidungen zu treffen. Jetzt ist jedenfalls nicht der richtige Zeitpunkt anzukündigen, daß Sie ihn verlassen werden, daß Sie es allen Ihren Freunden erzählen und diese Ihre Partei ergreifen werden, oder die Kinder gegen ihren Vater auszuspielen. Es braucht jetzt so wenig Druck von außen wie nur möglich – damit Sie in der Lage sind, auf Gott zu hören. Und Sie müssen Gott hören. Vielleicht brauchen Sie jemanden, der Ihnen dabei hilft. Seien Sie weise in der Wahl der Personen, die Sie bitten, mit Ihnen hinzuhören. Ihre Mutter ist wahrscheinlich nicht die beste Wahl, aber vielleicht ein Pfarrer, ein Gebetspartner, ein Freund oder ein Seelsorger. Auf jeden Fall jemand, der keine vorschnellen und unausgewogenen Urteile über Ihr Leben fällt. Sie brauchen Glaubensunterstützung, nicht unbedingt Sympathiegemeinschaft.

Vergebung – Tor zur Freiheit

Vergebung ist ein Akt des Willens, nicht des Gefühls. Sie haben die Wahl. Aber wenn Sie vergeben wollen, dann können Sie mit Gott im Heilungsprozeß zusammenarbeiten, anstatt durch die Sünde des Nichtvergebens blockiert zu bleiben. Wenn Sie sich entscheiden zu vergeben, dann überlassen Sie das Problem Gott und machen sich nicht selbst zum Richter. Sie vertrauen Gott, das Richtige an Ihnen zu tun. Es bedeutet auch, daß Sie sich und das Unrecht Ihres Mannes getrennt betrachten können. Sie weigern sich damit zuzulassen, daß seine Sünde etwas darüber aussagt, wer Sie sind. Wenn Sie ihm vergeben, bedeutet das nicht, daß das, was er getan hat, harmlos ist. Sie müssen auch gar nicht so tun, als ob Sie das nicht beinahe umgebracht hätte. Das heißt auch nicht, daß das keine Konsequenzen haben wird und Sie, wenn er bekannt und um Vergebung gebeten hat, einfach so tun müssen, als sei nichts gewesen. Aber den Wunsch, Richter und Vollzugsbeamtin zu sein, geben Sie an Gott ab.

Jedesmal, wenn Sie sich entscheiden zu vergeben, ermöglichen Sie Gott, Sie zu heilen. Das gibt Ihnen die Freiheit, mehr und mehr zu dem Menschen zu werden, den Gott in Ihnen sieht. Sie werden nicht mehr durch die Sünde eines anderen bestimmt.
Doch selbst wenn Sie sich nicht mehr durch die Sünde Ihres Mannes bestimmen lassen, haben Sie beide noch ein Problem. Weil Sie und Ihr Mann ein Fleisch sind, leiden Sie beide. Im Bund der Ehe haben seine Handlungen Auswirkung auf Sie. Er kann Sie durch sein Tun zutiefst verletzen.

Kleider machen Leute

Scham ist in dieser Situation eine verständliche Reaktion. Viele Frauen tragen ihre Scham mit sich herum wie ein schlechtsitzendes Kleidungsstück, das längst abgelegt gehört. Scham verbirgt das wahre Selbst und setzt dem Leben eine Maske auf. Sie ist wie eine dunkle Wolke, die uns mit Tod umhüllt. Diese Scham gehört einem anderen. Aber wenn wir sie lange genug „tragen“, paßt sie sich unseren Körperformen an. Wenn wir Gott bitten, uns die Augen zu öffnen, werden wir in der Lage sein, sie zu sehen. Gott liebt es, uns von diesem schlechtsitzenden, häßlichen Kleidungsstück zu befreien und uns mit dem Gewand der Gerechtigkeit zu bekleiden.

Hier eine kleine Übung: Stellen Sie sich vor, wie Sie das häßliche Kleid ausziehen und es Jesus in die Hand drücken. Schauen Sie an, wie es aussieht und was Jesus damit macht. Hören Sie, was er Ihnen sagt. Und nehmen Sie wahr, was er Ihnen statt dessen gibt. Wenn Sie sich entscheiden, die Scham auszutauschen gegen die Liebe Gottes, wird auch das entmachtet werden, was die Sünde Ihres Mannes an Sie bindet. Wenn Sie Ihrem Mann vergeben, können Sie damit beginnen, sich selbst anzunehmen. Das ermöglicht große Schritte in der Heilung Ihrer Ehe.

Wenn Sie sich mit diesen Dingen auseinandersetzen, kommen vielleicht einige Ihrer eigenen Schwierigkeiten hoch. Es kann sein, daß auch Sie schmerzhafter Selbsterkenntnis ausgesetzt sind. Ihre Nerven liegen vielleicht sowieso schon blank. Zeigt Gott Ihnen dann Dinge über Ihre eigene Seele, möchten Sie diesen Prozeß wahrscheinlich lieber abkürzen, weil Sie nicht mehr können. Wenn Sie aber bereit sind, diese „Operation“ durchführen zu lassen und Gott zu erlauben, Ihr Leben wie auch das Ihres Mannes in der Tiefe wiederherzustellen, werden Sie in der Lage sein, damit umzugehen, wenn alte Muster wieder hochkommen und altbekannte Gefühle mitbringen. Es ist die Zeit, sich zu erinnern. In der Freiheit wirklicher Ganzheit zu leben, ist allen Schmerz, den wir jetzt durchmachen müssen, wert.

Heilung braucht Auszeiten

Wenn Sie Ihrem Mann vergeben haben, dauert es möglicherweise, bis Sie ihm wieder aus vollem Herzen vertrauen können. Gehen Sie achtsam mit sich selber um und setzen Sie Grenzen in der Beziehung. Sie brauchen jetzt Ihre ganze Energie für Ihr Heilwerden. Dazu sind Grenzen hilfreich, ganz besonders im Bereich der Sexualität.
Manchmal möchten Sie vielleicht, daß Ihr Mann Sie begehrt, denn das ist ein Zeichen, daß er Sie immer noch attraktiv findet. Dann wieder möchten Sie ihm Ihre Zuneigung zeigen und ihn mit Ihrer Liebe heilen. Aber es wird auch Zeiten geben, wo Sie es kaum aushalten, auch nur im gleichen Zimmer mit ihm zu sein und die Vorstellung, daß er Sie berühren oder gar mit Ihnen schlafen möchte, nur widerlich ist. Solche Stimmungsschwankungen sind nicht ungewöhnlich. Doch wenn Sie während des Heilungsprozesses diese Stimmungsumschwünge ausleben, schafft das nur Verwirrung. Deshalb ist es hilfreich, von vornherein Grenzen festzulegen. Vielleicht brauchen Sie einen Dritten, der Ihnen dabei hilft. Vielleicht beschließen Sie eine dreimonatige völlige Enthaltsamkeit. In einigen Fällen mag es sogar ratsam sein, sich eine Weile zu trennen. Der Sinn dieser Abstinenz ist aber nicht die Abstinenz selbst, sondern daß Sie Ihre ganze Kraft für den Heilungsprozeß zur Verfügung haben. Doch seien Sie nicht geizig damit, nichtsexuelle Wege zu finden, Ihrer Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Ihr Mann muß während dieser Zeit lernen, Erfüllung und Bestätigung bei Gott zu suchen und nicht in der sexuellen Erregung. Und Sie müssen lernen, seiner Liebe, seiner Aufrichtigkeit wieder zu trauen. Das braucht Zeit und sollte auch nicht übereilt werden.
Heilung ist ein Prozeß. Man macht Schritte vorwärts und dann auch wieder rückwärts. Doch es gibt auch Wunder. Vielleicht zeigt Gott Ihrem Mann auf einer Konferenz wie dieser seine sexuelle Abhängigkeit. Er hat seine Sünden bekannt, sich davon losgesagt und ihm ist vergeben worden. Was, wenn er jetzt nach Hause kommt und wieder die ganz normale Beziehung aufnehmen will? Diese Verwandlung an ihm ist enorm, aber Sie möchten am liebsten ein Stopschild aufstellen, weil Sie verwirrt sind.

Ein Geschenk an sie

Darum gilt für die Männer: Respektieren Sie die Gefühle Ihrer Frau, selbst wenn es Ihnen so vorkommt, als würde sie Ihnen in einer Minute vertrauen und in der nächsten wieder nicht, Sie lieben und im nächsten Augenblick hassen. Sie braucht Zeit, um zu erfahren, daß das, was Sie an Umkehr erlebt haben, wirklich trägt. Sie braucht Zeit, um glauben zu können, daß Sie nicht wieder nur versuchen, das Problem zu ignorieren. Ihre Frau hat verdient, alle Zeit zu bekommen, die sie braucht. Vielleicht ist sie vor anderen für Sie eingetreten, hat Sie möglicherweise vor den Kindern entschuldigt und hat Sie nicht verlassen, obwohl sie hinreichend Grund dafür gehabt hätte. Ihr Zeit zu geben, ist Ihr Geschenk an sie. Damit das gutgeht, braucht es ein gerüttelt Maß an Gnade von Gott. Ihr Umgang mit Pornographie war ja der Versuch, mit einem Problem möglichst schnell fertig zu werden mithilfe der „Ich-will-es-jetzt-Mentalität“. Wenn Sie nicht warten können, bis die Liebe zu Ihnen kommt, sind Sie wie ein Kleinkind. Das kann sich jetzt ändern. Sie können wachsen und lernen, die Verhaltensmuster Ihrer Kindheit abzulegen, auf Gott zu hören und ihm zu gehorchen.