Homosexuelle Pädophilie, Ephebophilie, Androphilie und Päderastie

Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Überschneidungen

Immer wieder wird in den Medien der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch Kirchenvertreter unterschiedslos als „Pädophilie“ bezeichnet und die Täter als „Pädophile“. Das ist aber irreführend.

Zum einen: Je nach Definition von Pädophilie (siehe unten) können 70% bis 80% der bekannt gewordenen Fälle nicht als Pädophilie bezeichnet werden, da die Opfer keine kleinen Kinder waren, sondern ganz überwiegend prä-adoleszente Jungen (Alter 10-12 Jahre) und adoleszente männliche Jugendliche (Alter 13-17 Jahre).1 Die Missbrauchsfälle weisen somit auf eine Form der Homosexualität hin, die in der Wissenschaft als Ephebophilie bezeichnet wird, als erotisch-sexuelle Neigung von Männern zu Jungen in Pubertät/Adoleszenz.

Zum anderen: Selbst in den 10% bis vielleicht 30% der Fälle, in denen der Begriff Pädophilie zutrifft, waren die meisten Opfer Jungen, nicht Mädchen, sodass diese Vergehen als homosexuelle Pädophilie bezeichnet werden müssen; die Täter sind homosexuelle (vielleicht auch bisexuelle) Pädophile. Die Skandale über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sowie andere Fälle, die in diesem Zusammenhang bekannt wurden, etwa an der Odenwaldschule in Deutschland, müssen in direktem Zusammenhang mit der einen oder anderen Variante einer homosexuellen Orientierung gesehen werden.

Bevorzugtes Alter des Sexual-„Partners“

Um die verschiedenen Varianten homosexueller Anziehung besser verstehen zu können, sind einige Statistiken zum bevorzugten Alter homosexueller Partner hilfreich. Meines Wissens wurden die meisten Daten dazu vor etwa 50 Jahren erhoben, und zwar mit umfangreichen Stichproben homosexuell praktizierender Männer, Therapie-klienten und Sexualstraftäter (von Hans Giese in Deutschland und Kurt Freund in der Tschechoslowakei).2

Nach meiner langjährigen praktisch-therapeutischen Erfahrung auf diesem Gebiet ist das generelle Bild, das sich aus diesen Daten ergibt, auch heute noch gültig.

Bemerkenswert ist zunächst, dass sich der Altersbereich des „idealen“ Sexualpartners bei ca. 65% bis 80% der homosexuell empfindenden Männer im Laufe ihres Lebens kaum ändert. Die Mehrheit von ihnen fühlt sich zu Männern eines ganz bestimmten, festgelegten Altersbereichs hingezogen. Das stimmt mit der gut fundierten und bekannten Gegebenheit überein, dass sich viele oder sogar die meisten der homosexuell empfindenden Männer in Bezug auf Alter, körperliche Eigenschaften und Wesenszüge ihrer Partner zu einem bestimmten „Typ“ hingezogen fühlen.

Etwa 3% bis 5% der Probanden aus den Studien hatten eine Neigung zu männlichen Kindern, die maximal 12 Jahre alt waren: Die Gruppe der homosexuellen Pädophilen. In einer der Studien3 lag für etwa 20% der Befragten das bevorzugte Alter ihres Sexual-„Partners“ zwischen 13 und 20 Jahren: die Gruppe der Ephebophilen. Für ca. weitere 20% lag die untere Altersgrenze ihres bevorzugten Partners bei 17-19 und die Obergrenze zwischen 20 und 30 Jahren: Hier handelt es sich um eine gemischte Gruppe aus Ephebophilen und Androphilen. Androphile sind homosexuell empfindende Männer, die sich zu erwachsenen Männern hingezogen fühlen, in diesem Fall hauptsächlich zu jüngeren Erwachsenen. 35% der Probanden bevorzugten einen 20-25 Jahre alten Partner, nicht jünger; und nur für etwa 12% lag das bevorzugte Alter ihrer Sexualpartner über 25 Jahre.4 Letztere sind Androphile, die sich zu etwas reiferen Erwachsenen hingezogen fühlen.

Bemerkenswert ist, dass nur etwa 10% der befragten Männer einem Partner über 40 Jahren den Vorzug gaben. In 23% war der Partner 10 bis 20 Jahre jünger; in 12% sogar mehr als 21 Jahre jünger. Bei 11% der Befragten war der Partner 11 bis 20 Jahre älter und in 3,5% mehr als 21 Jahre älter.5 Das allgemein „beliebteste“ Alter des Partners lag zwischen 20 und 27 Jahren.

Vereinfacht ausgedrückt geht aus den Studien hervor: 20% der homosexuell empfindenden Probanden bevorzugten adoleszente und prä-adoleszente Jungen und weitere 20% Jungen in der späten Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter. Somit hatten 40% der Probanden ephebophile Tendenzen. 5% hatten pädophile Neigungen. Bei den übrigen Probanden (etwa 55%) war der bevorzugte Sexualpartner ein Mann zwischen etwa 20 und 40 Jahren, nur selten über 40 Jahre.

So wie man zwei Varianten von Ephebophilen unterscheiden kann, können wir auch zwei Varianten von Androphilen unterscheiden: Männer mit einer Präferenz für junge Erwachsene bis zu 30 Jahren (etwa 40% der Androphilen)6, wobei einige von ihnen auch ein sexuelles Interesse an Jungen in der späten Adoleszenz haben, und Androphile mit einer Präferenz für reifere Männer.

Vier homosexuelle Varianten, abhängig vom bevorzugten Alter des Partners

Eine Schlussfolgerung besteht darin, dass die verschiedenen Varianten der Homosexualität nicht klar voneinander zu trennen sind. Es gibt beträchtliche Überschneidungen, insbesondere zwischen Ephebophilie und Androphilie. Dies lässt sich durch die Studienergebnisse von Freund untermauern: Mithilfe eines Plethysmografen „maß“ Freund den Erregungsgrad der Probanden, wenn diese Bilder von unbekleideten kleinen Jungen, Jungen in der Pubertät/Adoleszenz und jungen erwachsenen Männern betrachteten.7 Eine kleine Gruppe der Ephebophilen sprach vor allem auf die Bilder der adoleszenten Jungen an, in einem geringeren Grad allerdings auch auf die Bilder erwachsener Männer. Androphile hingegen reagierten nicht nur auf die Bilder reiferer Männer, sondern auch auf die Bilder der pubertierenden/adoleszenten Jungen.8

Wie ist das mit homosexueller Pädophilie? Gibt es eine Überschneidung zum „benachbarten“ Syndrom, der Ephebophilie? Die plethysmografischen Reaktionen der homosexuellen Pädophilen waren am stärksten ausgeprägt bei den Bildern von Jungen zwischen 5 und 7 Jahren. Allerdings gab es eine niedrigere, statistisch aber nicht signifikante Reaktionsspitze bei den Bildern pubertierender Jungen. Die Ephebophilen ihrerseits zeigten eine gewisse Reaktion auf Bilder von 9-10-jährigen Jungen. Dies sind Hinweise für ein gewisses Maß an Überschneidung zwischen homosexueller Pädophilie und Ephebophilie.

In die gleiche Richtung weist die Tatsache, dass einige der Probanden sowohl wegen sexueller Vergehen gegen kleine Jungen als auch gegen pubertierende/adoleszente Jungen angeklagt waren. Auch Mitteilungen von Klienten während ihrer Therapie weisen darauf hin. Im Laufe der Jahre haben mir mehrere Männer mit einem Interesse an männlichen Jugendlichen und jungen Männern gesagt, dass sie – obwohl sie es nicht wollten – bisweilen ein gewisses erotisches Verlangen nach kleinen Jungen verspürten, wenn sie diese nackt sahen.

Es stimmt zwar: Die Trennlinie zwischen Ephebophilie und Androphilie einerseits und homosexueller Pädophilie andererseits ist eindeutiger als die zwischen Ephebophilie und Androphilie, aber doch nicht so eindeutig wie es aufgrund der genannten Daten erscheinen mag (siehe unten). Zudem sind die gesellschaftliche Ablehnung und der innere Widerstand der Betroffenen gegen mögliche pädophile Gefühle glücklicherweise stark. Sollte dieses Tabu fallen, gehe ich von einer Zunahme pädophiler Interessen und Aktivitäten aus, besonders von Seiten ephebophiler Homosexueller.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob einige der Befragten nicht auch ungenaue Angaben zur unteren Altersgrenze ihrer bevorzugten „Partner“ gemacht haben. In den 1950er Jahren, als die Untersuchungen stattfanden, war es zweifellos angebrachter, die untere Altersgrenze des bevorzugten „Partners“ nicht mit 12 Jahren, sondern mit 15 oder 16 anzugeben. (Dies war auch das von vielen genannte Alter.) Davon abgesehen schließt „bevorzugtes“ Alter des „Partners“ nicht aus, dass bei sich bietender Gelegenheit auch ein „Partner“ akzeptiert würde, der noch ein oder zwei Jahre jünger ist.

Das legt auch eine zufällige Stichprobe unter homosexuell lebenden Männern in San Francisco nahe: 23% der Männer gaben an, einen oder mehrere sexuelle Kontakte mit einem Jungen unter 16 Jahren (dem gesetzlichen Schutzalter) gehabt zu haben, nachdem sie selbst das 21. Lebensjahr vollendet hatten.9 Dasselbe sagten 22% der homosexuell lebenden Männer im Gay Report von 1979.10 Laut letztgenanntem Gay Report gaben 30% der homosexuell aktiven Männer an, sie seien „offen“ für Kontakte mit Jungen unter 16 Jahren.

Es stellt sich die Frage: Entsprechen die 22-23% der Probanden in diesen neueren Studien jener eingangs erläuterten Teilgruppe von Männern, die sich mehr oder weniger ausschließlich für prä-adoleszente und adoleszente Jungen interessierten („exklusive Ephebophile“)? Die Zahlen decken sich auffällig mit den in den älteren Studien genannten Zahlen von 20% für Männer, die Partner zwischen 13 und 20 Jahren bevorzugen. Es ist aber auch möglich, dass sich die 22-23% der amerikanischen Probandengruppen aus einer Mischung von Ephebophilen und Androphilen zusammensetzen.

Die Antwort auf diese Frage ist wichtig, wenn es darum geht, welche Teilgruppe homosexuell aktiver Männer möglicherweise für die sexuelle Belästigung von Kindern und prä-adoleszenten Jungen anfällig ist: nur die Ephebophilen oder auch die Androphilen? Es ist klar, dass diese Kontakte mit Kindern und Jugendlichen in der Regel von den Erwachsenen ausgingen, nicht von den 14-15jährigen Jungen. Leider werden aber Fragen zum bevorzugten Alter des Sexualpartners nur noch selten gestellt, auch nicht in den oben genannten neueren Studien.

Es gibt also offensichtliche Unterschiede zwischen homosexueller und heterosexueller Partnerwahl. Nicht annähernd 20-25% aller erwachsenen heterosexuellen Männer haben sexuelle Kontakte mit Mädchen unter 16 Jahren!

Eine weitere, ähnliche Statistik: Der bevorzugte Partner von 63% aller homosexuellen Männer in der Studie von Giese könnte jünger als 21 Jahre, also u.U. auch minderjährig, sein.11

Bei einer durchschnittlichen Probandengruppe heterosexueller Männer aller Altersstufen würden nicht 63% eine solche Präferenz angeben. Reife heterosexuelle Erwachsene finden eine jüngere Person des anderen Geschlechts möglicherweise attraktiv; sie würden im Normalfall aber nicht eine so deutlich jüngere Person (oder ältere Person) als Partnerin bevorzugen. Zudem ist das bevorzugte Alter der Partnerin nicht so starr fixiert wie bei vielen oder sogar den meisten homosexuell lebenden Männern, sondern „wächst“ mit dem eigenen Alter. Ebensowenig lässt sich feststellen, dass durchschnittlich 23% aller heterosexuellen Männer in einer festen Beziehung mit einer Partnerin leben, die 10 bis 20 Jahre jünger ist als sie, und in weiteren 12% sogar um mehr als 21 Jahre jünger. Noch weniger finden wir eine repräsentative Stichprobe erwachsener heterosexueller Männer sämtlicher Altersstufen, bei der die große Mehrzahl eine Partnerin zwischen 20 und 27 Jahren bevorzugen würde.

In einer neueren Untersuchung mit einer kleinen Stichprobe, bei der homosexuelle und heterosexuelle Männer und Frauen miteinander verglichen wurden, bevorzugten 80% der homosexuellen Männer einen Partner zwischen 15 und 20 Jahren.12 Schließlich ist auch der Anteil der Heterosexuellen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, sehr viel niedriger als die 3% bis 5% bei den homosexuell lebenden Männern. Es sind dies Hinweise auf eine emotionale Unreife homosexueller Partnerwünsche und Freundschaftsfantasien.

Wie schon erwähnt, wünschte sich nur eine kleine Minderheit der homosexuell empfindenden Männer einen Partner, der älter war als sie selbst. Zwar hatten 30% derjenigen mit einer festen Beziehung einen Freund, der älter war als sie; doch nur bei knapp der Hälfte von ihnen war der Altersunterschied groß: bei 11% war der Partner 10-20 Jahre älter, bei 3,5% war er mehr als 21 Jahre älter.

Bei den Männern ohne festen Freund bevorzugten nur 2,5% einen Partner, der älter war als sie, und 7% wünschten sich einen Partner, der entweder so alt war wie sie oder älter.13 Die beiden Untersuchungen von Giese und Freund ergaben insgesamt, dass nur 10% der homosexuell lebenden Männer sich einen Partner wünschten, der über 40 Jahre war. Auch für das Verständnis der Psychodynamik von Homosexualität sind diese Daten bedeutungsvoll.

Zahlreiche Studien zeigen, dass der Mangel an einer zugewandten, warmherzigen Beziehung zwischen Vater und Sohn in der Jugendzeit eine wichtige Rolle in der Biografie homosexuell empfindender Männer spielt (in Kombination mit einem überwiegenden Muttereinfluss). Man könnte daher meinen, dass viele dieser Männer in ihrem Partner eine Art Ersatz-Vater suchen würden. Wenn das so wäre, müsste ein hoher Prozentsatz von ihnen angeben, dass ihr Idealpartner wenigstens 25 Jahre älter sein sollte als sie und/oder sie würden einen Partner suchen, der etwa 40 Jahre alt ist oder älter. Die große Mehrheit homosexuell empfindender Männer sucht aber jugendliche Männer. Das passt zu der Beobachtung, dass sie primär einen Freund, weniger einen Vater, suchen. Auch ein 10-20 Jahre älterer Partner ist eher ein Freund, eine Art älterer Bruder, als ein Vater, obgleich bei ihm manchmal väterliches Verhalten gesucht wird. Das Fehlen einer engen, zugewandten Beziehung zwischen Vater und Sohn, was Kindheit und Jugend später homosexuell empfindender Männer anbetrifft, ist dennoch nicht ohne Bedeutung: In Kombination mit einem zu großen mütterlichen Einfluss wird der Charakter des Jungen dadurch oft als „zu wenig jungenhaft“ oder „zu wenig männlich“ geprägt. Das ist einer der Gründe, warum homosexuelle Männer in ihrer Jugendzeit sich schnell als Außenseiter in der Jungen- und Männerwelt fühlten. Vor allem in der Periode der Adoleszenz führt das dann zu einem intensiven Verlangen nach gleichgeschlechtlichen Freundschaften und zu einer idolhaften Verehrung von jungen Männern.

„Nach Freundschaft strebt mein grenzenloses Sehnen…“

(„For friendship such a boundless longing…“) Dieser Text des homosexuellen niederländischen Dichters Roland Holst findet sich auf dem sogenannten „Homo-Denkmal“ („homo monument“) in Amsterdam. So theatralisch der Ausspruch klingen mag, so sehr trifft er den Kern der Sache. Ursprung und Quelle des homosexuellen Wunsches – in seinen zahlreichen Ausprägungen – ist das starke Verlangen nach Zuneigung in einer gleichgeschlechtlichen Freundschaft. Dieses Verlangen hat seinen Grund in der Isolation und Einsamkeit, die homosexuelle Männer in ihrer Kindheit und Jugend in ihren Beziehungen zur gleichaltrigen gleichgeschlechtlichen peer group empfanden. Sie litten unter einem Minderwertigkeitsempfinden bezüglich ihrer zu entwickelnden Männlichkeit und fühlten sich von der Gemeinschaft der gleichgeschlechtlichen Gleichaltrigen ausgeschlossen. Kurz: Sie hatten das Gefühl, nicht zur Welt der Jungen und Männer dazuzugehören.14

Das Bedürfnis, zu unseren natürlichen sozialen Gruppen dazuzugehören, zur Familie, zu den Brüdern, zu Kameraden etc. ist ein zentraler Antrieb in der Hierarchie der psychischen Antriebe. Bei Kindern ist das besonders auffällig. Sie wollen sein wie die anderen, damit sie fühlen, sie gehören dazu. Wenn dieser Antrieb nicht befriedigt wird, reagiert das Kind mit einer intensiven Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Das meint der Dichter mit „grenzenlosem Sehnen nach Freundschaft“.

Viele Studien zeigen, dass die psychischen Hintergrundfaktoren von erwachsenen Männern mit einer der homosexuellen Neigungen (ephebophil, androphil, pädophil, selbst bei homosexuellen Transsexuellen und Mischformen) einander sehr ähnlich sind. Im Vergleich mit heterosexuell empfindenden Männern hatten diese Männer in ihrer Kindheit und Jugend im Durchschnitt schlechtere Vaterbeziehungen, engere Mutterbindungen und – statistisch besonders signifikant – das Gefühl, unter den gleichgeschlechtlichen Gleichaltrigen ein Außenseiter zu sein.

Pädophilie und Päderastie

Die Definitionen von Pädophilie, Ephebophilie usw. haben mit dem Alter des gewünschten Freundes zu tun. In neueren Veröffentlichungen aus den USA, etwa über die Sexskandale in der katholischen Kirche, werden Erwachsene, die sexuelle „Kontakte“ mit Kindern unter 11 Jahren haben, als Pädophile eingestuft. Erwachsene, die sexuelle „Kontakte“ mit Kindern/Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren haben, gelten als Ephebophile. Diese Einteilung vereinfacht zwar die Statistiken, vom psychologischen Standpunkt aus ist sie aber nicht exakt.

Homosexuelle Pädophilie lässt sich am besten mit der Aussage des homosexuell-pädophilen Schriftstellers André Gide definieren: Interesse an Jungen, bevor sie die ersten Zeichen der Pubertät haben.15 Je nach kulturellen und erbbedingten Faktoren können viele Jungen zwischen 11 und 12 Jahren noch vollständig prä-pubertär und damit für Pädophile attraktiv sein, während das auf andere Jungen in demselben Alter nicht mehr zutrifft. Daraus folgt: Um bestimmen zu können, ob es sich bei einem sexuellen Missbrauch an einem 11- oder 12-jährigen Jungen um Pädophilie oder um Ephebophilie handelt, müssen sowohl das erotische Interesse des Täters als auch die körperliche Entwicklung des Opfers bekannt sein.

Für eine Einteilung, die nur auf dem Alter des Opfers beruht, ist der ältere Begriff der Päderastie nützlicher. Als Päderastie bezeichnet man den sexuellen Missbrauch eines Mannes an Jungen bis etwa 13 Jahre. Vor etwa hundert Jahren lag das Alter hier noch bei 15 oder 16 Jahren.

Was die Jungen anbetrifft: In US-Berichten über sexuellen Missbrauch durch Geistliche heißt es, dass 14% der Anzeigen auf „pädophile Priester“ hindeuten, denn bei 14% der Anzeigen waren Jungen unter 11 Jahren betroffen. Das ist plausibel. Bei 51% der Anzeigen waren die Jungen aber zwischen 11 und 14 Jahre alt.16 Wenn wir davon ausgehen, dass die Hälfte dieser 11- bis 12-jährigen Opfer noch prä-pubertär waren und die Täter deshalb als Pädophile bezeichnet werden müssen, steigt der Anteil homosexueller Pädophiler an der Gesamtheit der Klagen über gleichgeschlechtlichen Missbrauch auf etwa 25%.

Übrigens: In anderen Kulturen ist Päderastie nicht immer homosexuell motiviert. Möglicherweise dienen Jungen nur als Frauenersatz. Oder man glaubt, durch sexuellen Kontakt mit erwachsenen heterosexuellen Männern würden aus Jungen mannhafte und starke Krieger.

Je nach der körperlichen Entwicklung des Jungen können sich homosexuelle Pädophile also auch zu Jungen hingezogen fühlen, die schon kurz vor der Pubertät stehen. Andererseits kann die erotische Anziehung zu Jungen oder das sexuelle „Anwerben“ solcher Jungen, die um die 12 Jahre alt sind, in vielen Fällen auch ein Beleg für ephebophile Tendenzen sein, nämlich dann, wenn bei den Jungen schon Pubertätszeichen eingesetzt haben.

Pädophil-homosexuelle Entwicklung

Was bedingt nun eine speziell pädophil-homosexuelle Entwicklung?

Nach meiner Auffassung ist es die Selbsteinschätzung des (prä-)pubertären Heranwachsenden, nicht zur Jungenwelt dazuzugehören. Das Kennzeichen pädophiler Homosexueller ist eine mehr als nur durchschnittliche Isolation von anderen und eine große Einsamkeit während der Kindheit. Häufig wurden diese Kinder übermäßig streng erzogen oder von den anderen Kindern in der Nachbarschaft abgeschottet, sodass sie ohne gleichgeschlechtliche Spielkameraden aufwuchsen.

Einsamkeit in der Kindheit (vor einem Alter von 11 Jahren) ist daher in den meisten Fällen ein auffälliges Merkmal. Es geht um den Jungen, der im sozialen Umgang gehemmt ist, oft übermäßig brav, mit gutem Benehmen, aber ohne Freunde, den es sehnsüchtig danach verlangt, an den Spielen der anderen Jungen teilzunehmen, und der deren „echte Jungenhaftigkeit“ neidvoll bewundert. Der pädophile Homosexuelle ist auf dieses Verlangen fixiert, seine Faszination für die typische Jungenwelt zwischen 10 und 12 Jahren bleibt bestehen. So schrieb André Gide über sich: „Ich werde niemals ein erwachsener Mann sein, ich bleibe immer ein alterndes Kind, das spielen will.“17

Das gilt für viele gleichgeschlechtlich ausgerichtete Pädophile. Ein pädophiler Grundschullehrer hatte fortlaufend Fantasien über alle möglichen Jungenabenteuer, die er gemeinsam mit den Jungen in seiner Klasse erleben wollte. Ein anderer Lehrer sagte, er könne nur glücklich sein, wenn er sich nicht wie ein erwachsener Mann fühle, wie der Lehrer, den altersmäßig eine ganze Generation von den Jungen trenne, sondern wenn er als „einer von ihnen“ akzeptiert werde, als eine Person ihres Alters und ihrer Mentalität.

Homosexuelle Pädophile bleiben auch im Erwachsenenalter in ihrem Inneren prä-adoleszente Jungen. Nicht selten bleiben sie der ergebene, nette, angenehm-gefällige Junge mit gutem Benehmen. Sie werden deshalb geachtet und können eine hohe gesellschaftliche Stellung erreichen. Gleichzeitig können sie extrem verantwortungslos sein, wenn sie ihrem erotischen Verlangen nachgeben und dabei nicht selten in sadistische Sexualität abgleiten.18 Es ist hier nicht möglich, auf die Verbindung zwischen Pädophilie und Gewalt einzugehen, nur soviel: Die Ursache liegt häufig in dem aus der Kindheit stammenden anhaltenden Zorn, von den anderen Jungen nicht anerkannt und akzeptiert worden zu sein.

Ephebophilie, Androphilie

Das intensive Verlangen des homosexuellen Pädophilen nach Freunden begann vor der Pubertät. In der (Prä-)Pubertät erhielten seine Freundschafts-Fantasien dann eine erotische Färbung.

Ephebophile Homosexuelle suchen den typischen pubertären Jugendlichen, weil sie sich vor allem während ihrer Adoleszenzzeit von der Welt der anderen männlichen Adoleszenten ausgeschlossen fühlten.

Für die sexuelle Identität von Jungen und Mädchen ist die Phase der Adoleszenz eine sensible Zeit. Die meisten homosexuellen Orientierungen verdichten sich in dieser Zeit, d.h. vor allem im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Von den Fantasien und der inneren Vorstellung des Heranwachsenden hängt es ab, welche bestimmten Wesenseigenschaften und welches Alter er bei seinem sexuellen „Partner“ sucht. Er bewundert vielleicht den sportlichen oder bei allen beliebten Typ in seinem Umfeld und träumt von einer Freundschaft mit ihm. Ist der junge, bewunderte Mann ein paar Jahre älter als er, bleibt das Gefühl der Anziehung für gerade diesen Typus und diese Altersstufe möglicherweise bestehen.

Sehr oft ist der idealisierte Freund ein schon männlich wirkender Adoleszenter oder junger Erwachsener (wie der David von Michelangelo). Prä-Adoleszente und junge Adoleszente bewundern im Allgemeinen junge Männer in der Spätphase der Adoleszenz oder im beginnenden Erwachsenenalter, also solche, die ein paar Jahre älter sind als sie selbst. Für die jungen Adoleszenten sind sie die männlichen Vorbilder. Für den prä-homosexuellen Teenager, der das Gefühl hat, zur Männerwelt nicht dazuzugehören, wird aus dieser an sich üblichen Bewunderung eine idolhafte Verehrung. Dabei ist es wahrscheinlich, dass derselbe Typus von jungem Mann den homosexuell Empfindenden in seiner Fantasie unablässig verfolgt – unabhängig davon, wie alt er selbst mittlerweile geworden ist.19

Es ist sinnvoll, eine ungefähre Unterscheidung zwischen Androphilen, die sich nach jungen erwachsenen Männern (bis etwa 30 Jahre) sehnen, und solchen, deren Interesse reiferen Männern (bis etwa 40-45 Jahren) gilt, vorzunehmen. Unter den letzteren finden sich die meisten feminin wirkenden Männer mit homosexuellen Neigungen und diejenigen mit dem geringsten heterosexuellen Interesse – allerdings gibt es hier viele Ausnahmen.20 Diese Männer suchen einen Freund, den sie wegen seiner „reifen Männlichkeit“ bewundern, den „großen, starken Mann“, ihren Gegenpol, denn als sie Teenager waren, kreisten ihre Fantasien um diesen Typ: den „Befehlshaber“, den „starken Anführer“, den „Mann aus Stahl“ und ähnliches. Aber das Bild vom „starken Mann“ ist ein naives Bild, das sich ein unmännlich fühlender, psychisch unreifer Teenager in seiner Vorstellung vom Mannsein macht.

Homosexuelle Transsexuelle sind nach meiner Auffassung extrem effeminierte Androphile; also eigentlich keine eigene sexuelle Variante, sondern eine Form der Homosexualität. Hier stimme ich dem homosexuellen Forscher Michael Bailey zu, wonach „homosexuelle Transsexuelle ein Typus des schwulen Mannes“ sind.21

Homosexualitäten

Zusammengefasst lässt sich sagen: Die große Mehrheit homosexuell orientierter Männer fühlt sich besonders von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angezogen. Nur bei einer Minderheit stehen geschlechtsunreife Kinder oder eher reifere Männer im Zentrum ihres Interesses. Obwohl sich viele homosexuell empfindende Männer von homosexuellen Pädophilen und effeminierten Männern distanzieren, müssen diese doch als Varianten desselben Phänomens gesehen werden. Denn die Trennlinien zwischen den verschiedenen Homosexualitätsformen sind nicht eindeutig; die Gruppen überschneiden sich und haben auch zu viele Gemeinsamkeiten: ähnliches Erleben in Kindheit und Jugend in Bezug auf die Beziehung zu ihren Eltern und zur gleichgeschlechtlichen peer group, gehemmte oder fehlende jungenhaft-männliche gesunde „Aggressionskraft“, ein Minderwertigkeitsempfinden im Blick auf das eigene Selbst und die eigene Männlichkeit und zwanghaftes (sexualisiertes) Verlangen nach Partnern. Dies führt zu Promiskuität und zur Verführung anderer, sobald der Betroffene in den homosexuellen Lebensstil eingetaucht ist.

Trotz gewisser Spannungen ist historisch gesehen die homosexuelle Pädophilie mit der „Schwulenbewegung“ verflochten. In den Niederlanden beispielsweise haben homosexuelle Pädophile immer eine wichtige Rolle in der Führungsriege der Homosexuellenbewegung gespielt. Als es darum ging, der Öffentlichkeit Homosexualität als normal zu „verkaufen“, wurde diese Verbindung verschleiert, aber in den 1980er Jahren trat sie wieder in den Vordergrund. Theo Sandfort, der in den 1980er Jahren Co-Direktor an der Abteilung für „Schwul-lesbische Studien“ der Universität von Utrecht war, befand: „Indem [die Organisation] die Affinität zwischen Homosexualität und Pädophilie anerkannte, hat sie… die schwule Identität erweitert.“22

Ich beziehe mich hier vor allem auf die aus den USA bekannt gewordenen Daten, da nur dort eine systematische Datenerhebung erfolgte. Es spricht aber alles dafür, dass der Missbrauch an Jungen, wie er jetzt in Europa bekannt wurde, strukturell genauso einzuordnen ist. Bspw. wurden an der Odenwaldschule in Deutschland Jungen bis zum Alter von 16 Jahren sexuell missbraucht.

Für die Missbrauchsskandale in den USA siehe: The nature and scope of the problem of sexual abuse of minors by Catholic priests and deacons in the U.S. Washington DC: John Jay College of Criminal Justice, 2004.


  1. Im Deutschen sind die Begriffe Prä-Adoleszenz und Adoleszenz unbekannter als der Begriff der Pubertät. Prä-Adoleszenz: Alter etwa 10-12 Jahre. Adoleszenz: Alter 13 Jahre bis zum vollen Erwachsenenalter. 

  2. Giese, H. Der homosexuelle Mann in der Welt. Enke, Stuttgart, 1958; Freund, K. Die Homosexualität beim Mann. Hirzel, Leipzig, 1963. Gieses Gruppe bestand aus 393 deutschen Männern, die von Freund aus 211 tschechischen Männern. Ihre Erkenntnismethoden (Fragebögen) waren unterschiedlich, die wichtigsten Ergebnisse sind jedoch sehr ähnlich. 

  3. Freund, 1963. 

  4. Giese, 1958; Freund, 1963. 

  5. Giese, 1958. 

  6. Giese, 1958; Freund, 1963. 

  7. Hierbei wird das Blutvolumen im Penis mit der erotischen Erregung gleichgesetzt. Ich bin skeptisch, ob diese Methode wirklich so exakt ist, wie behauptet wird, denn die Testsituation ist sehr künstlich und löst bei den meisten Probanden, die dieser unwürdigen Prüfung unterzogen werden (ich würde sie als „tiermedizinische“ Methode bezeichnen), sicherlich eine Abwehrreaktion aus. Es muss sich noch erweisen, ob diese physiologische Testmethode zu objektiveren Ergebnissen führt als eine psychologische Befragung, die in zurückhaltender und respektvoller Weise durchgeführt werden kann und muss. 

  8. Freund, K. et al. Heterosexual interest in homosexual males. Archives of Sexual Behavior, 1975, 4, 5, 509-517. 

  9. Bell, A.P. & Weinberg, M.S. Homosexualities: A study of diversity among men and women. New York: Simon & Schuster, 1978. 

  10. Jay, K. & Young, A. The Gay report. New York: Summit, 1979. 

  11. Giese, 1958. Damals lag die Grenze für Minderjährigkeit bei 21 Jahren. 

  12. Zebulon, A. et al. Sexual partner age preferences of homosexual and heterosexual men and women. Archives of Sexual Behavior, 2000, 29, 1, S. 67-76. 

  13. Giese, 1958. In einer Beziehung mit einem älteren Freund leben, bedeutet nicht unbedingt, dass auch der Idealpartner des Betroffenen ein älterer Mann ist. 

  14. van den Aardweg, G.J.M. Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen, Holzgerlingen 1985. 

  15. Gide, A. Journal, 1918. Paris: NRF Gallimard, 1951. 

  16. John Jay College of Criminal Justice, berechnet anhand Tabelle 3.5.4. Siehe Fußnote 1. 

  17. Gide, A. Journal, 1906. Paris: NRF Gallimard, 1951. 

  18. Gallwitz, A. & Paulus, M., Grünkram: Die Kinder-Sex Mafia in Deutschland. Hilden, Dt. Polizeiliteratur, 1998. 

  19. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass der sich für die Akzeptanz von Homosexualität und Pädophilie einsetzende Sexualwissenschaftler John Money davon redet, dass Menschen angeblich allgemein eine innere „lovemap“ („Liebeslandkarte“) hätten, in der das Alter des Sexualpartners festgelegt und fixiert ist und diese lovemap sich nicht ändert, auch wenn der Betroffene älter wird. Siehe: Interview John Money, in: Paidika, The Journal of Paedophilia, Vol. 2, Nr. 3, 1991, S. 2-13. 

  20. Miller, P.R. The effeminate passive obligatory homosexual. Archives for Neurology and Psychiatry, 1958, 80, 602-618; Freund, K., Blanchard, R., Feminine gender identity and physical aggressiveness in heterosexual and homosexual pedophiles, Journal of Sex and Marital Therapy, 13, 1, 1987, S. 25-33; Freund 1963, S. 80. 

  21. Bailey, J.M. The man who would be queen: the science of gender bending and transsexualism. Washington DC: Joseph Henry Press, 2003. 

  22. Sandfort, Th. Pedophilia and the gay movement. The Journal of Homosexuality, 1987, 7, 13, 89-110 (Kursiva hinzugefügt).