Sexualität und Geschlecht

Ergebnisse aus Biologie, Psychologie und Sozialwissenschaften Spezialreport von Lawrence S. Mayer und Paul R. McHugh

Zusammengefasst und kommentiert von Christl R. Vonholdt

Einführung in den Spezialreport

Unter dem Titel „Sexuality and Gender“ (Sexualität und Geschlecht) erschien im Herbst 2016 in der US-amerikanischen Wissenschafts-Zeitschrift „The New Atlantis“ eine umfangreiche Zusammenstellung der Forschungsergebnisse aus den Themenbereichen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität. Die Autoren Lawrence S. Mayer und Paul R. McHugh analysierten dazu weit mehr als 500 wissenschaftliche Artikel und Studien. Auf 142 Seiten mit 373 Fußnoten liegen nun ihre sorgfältig recherchierten Ergebnisse, differenziert, klar und behutsam formuliert, vor.1

Die Autoren

Hauptautor des Literaturüberblicks ist Lawrence S. Mayer, M.B., M.S., Ph.D., langjähriger Medizin- und Psychiatrieforscher, Epidemiologe und Biometriker. Mayer war an zahlreichen US-amerikanischen Universitäten als Professor tätig, auch an der Mayo Clinic. Mayer schreibt: „Vor allem widme ich meine Arbeit an diesem Report der LGBT-Community, die im Vergleich zur Gesamtbevölkerung unter einer überproportional hohen Rate an psychischen Problemen leidet. Wir müssen Wege finden, ihr Leid zu lindern. Ich widme sie auch den Wissenschaftlern, die bei öffentlich kontrovers diskutierten Themen eine unvoreingenommene Forschung betreiben. Mögen sie in den politischen Wirbelstürmen niemals ihren Weg aus dem Auge verlieren.“ 2

Der zweite Autor, Paul R. McHugh, M.D., ist Professor em. für Psychiatrie an der Johns Hopkins Universität in Baltimore/USA. McHugh wurde bekannt, als er nach Durchführung einer Studie 1979 die Gender Klinik an der Johns Hopkins Medical School schloss. Die Klinik hatte „Geschlechtsneuzuweisungen“ bei Patienten mit transgender Problematik vorgenommen und „geschlechtsumwandelnde“ Operationen durchgeführt. Die Studie hatte aber ergeben, dass auch nach den chirurgischen Eingriffen die Patienten im Wesentlichen dieselben Probleme mit ihren Beziehungen, ihrer Arbeit und ihren Gefühlen hatten wie zuvor. „Die Hoffnung, dass sie ihre emotionalen Probleme jetzt hinter sich lassen und seelisch aufblühen könnten, hatte sich nicht erfüllt.“ 3 McHugh behandelte auch den amerikanischen Bestsellerautor Tom Wolfe, der an Depressionen litt. Wolfe widmete ihm eines seiner Bücher: „Für Paul McHugh, dessen Brillanz, Kameradschaft und unerschöpfliche Güte die Rettung war.“ 4

Zusammenfassung des Spezialreports

Im Folgenden sind wesentliche Ergebnisse des Spezialreports (der aus drei Teilen besteht) zusammengefasst, einige ausgewählte Themen sind ausführlicher dargestellt.5

TEIL 1 - Sexuelle Orientierung

Ist die „sexuelle Orientierung“ angeboren, biologisch festgelegt und unveränderbar?

Ausführlich analysieren Mayer und McHugh die Gen-, Hormon-, Hirn-, und Zwillingsforschungen6, die sich mit der Frage befassen, ob eine homosexuelle oder bisexuelle Orientierung angeboren und biologisch festgelegt ist.[^7] Sie erörtern auch, was Molekulargenetik-Forschungen zur Frage komplexen menschlichen (sexuellen) Begehrens und komplexer sexueller Verhaltensweisen überhaupt beitragen können und was nicht. Das Ergebnis der biologischen Forschung fassen sie so zusammen: „Die Vorstellung, dass sexuelle Orientierung eine angeborene, biologisch festgelegte Eigenschaft des Menschen ist - die Vorstellung also, dass Menschen ‚so geboren‘ sind - wird von wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht gestützt.“[^8]

Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung konnte man nicht nachweisen, dass biologische Faktoren einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung einer homosexuellen oder bisexuellen Orientierung haben.[^9] Bestenfalls kann man sagen, so Mayer und McHugh, dass biologische Faktoren[^10] die Wahrscheinlichkeit für eine homosexuelle Entwicklung erhöhen können (im Sinne einer Prädisposition), sie legen diese Entwicklung aber nicht fest. Ein 16-jähriger Junge etwa, der in einen jungen erwachsenen Mann verliebt ist, mit ihm auf einer Party eine sexuelle Begegnung hat, und sich dann fragt, ob er vielleicht „schwul“ sei, wird in seiner biologischen Natur nichts finden, das ihm diese Frage positiv bestätigen könnte.[^11] Selbst wenn es genetische Mit-Faktoren gibt oder geben sollte, hängt die Genexpression bei komplexen Empfindungen und Verhaltensmerkmalen wie dem sexuellen Begehren in aller Regel auch von Umweltfaktoren ab.[^12] Sexuelle Anziehung und Präferenzen „können auch durch eine Anzahl von Umweltfaktoren beeinflusst werden, etwa durch soziale Stressoren wie emotionaler oder sexueller Missbrauch oder körperliche Misshandlung. Für ein ganzheitlicheres Bild davon, wie sich sexuelle Interessen, sexuelle Anziehung und sexuelles Begehren entwickeln, ist es notwendig, die Faktoren Entwicklung, Umwelt, Erfahrung, soziales Umfeld und persönlicher Wille anzuschauen.“[^13]

Spontane Veränderungen

„Es gibt mittlerweile beträchtliche wissenschaftliche Belege dafür, dass sich sexuelles Begehren, sexuelle Anziehung, Verhalten und sogar die Identität im Lauf der Zeit verändern können, und dies manchmal auch tun,“ so Mayer und McHugh.[^14]Umfangreiche, bevölkerungsbasierte Studien zeigen, dass bei einer beträchtlichen Anzahl von Personen das sexuelle Begehren schwankend oder „fließend“ sein kann, also spontanen Veränderungen unterliegt.[^15] Besonders gilt das für die Zeit der Adoleszenz, in der psychosexuelle Reifeprozesse hin zum Erwachsensein stattfinden.

Eine prospektive, bevölkerungsbasierte Langzeitstudie von Ritch Savin-Williams (2007, 2012) [^16]zeigt: 80 % der männlichen Jugendlichen, die im Alter von 16 Jahren eine homosexuelle Anziehung angaben, bezeichneten sich mit 28 Jahren als ausschließlich heterosexuell.[^17]Mehr als 80 % der männlichen Jugendlichen, die mit 16 eine bisexuelle romantische Anziehung angaben, hatten mit 22 Jahren eine ausschließlich heterosexuelle Anziehung.[^18] Savin-Williams weist auf die hohe Stabilität der heterosexuellen Anziehung im Vergleich zu den nicht-heterosexuellen Anziehungen hin: Im Verlauf der Studie „wanderte ein hoher Prozentsatz der Studienteilnehmer mit homosexueller und bisexueller Anziehung und Verhalten in die heterosexuelle Kategorie hinein.“ [^19] Ein viel kleinerer Teil veränderte sich von der Heterosexualität in Richtung Homosexualität. „Alle Anziehungs-Kategorien *außer der heterosexuellen *zeigten im Lauf der Zeit eine geringere Stabilitätswahrscheinlichkeit. Das heißt: Personen mit irgendeiner gleichgeschlechtlichen Anziehung gaben mit größerer Wahrscheinlichkeit später eine Veränderung ihrer Anziehung an als Personen, die nie eine gleichgeschlechtliche Anziehung hatten.“ [^20] [^21]

Aufgrund eigener und zahlreicher anderer Forschung kommt die Psychologin Lisa Diamond (2008) zunächst zu dem Schluss, dass „die Sexualität von Frauen wesentlich fluider als die von Männern ist“.[^22] Neuere Forschungsergebnisse von ihr belegen nun, dass auch bei Männern die sexuelle Orientierung insgesamt weniger festgelegt ist, als bisher angenommen. In einer Befragung (2014)[^23] zeigte sich für Männer zwischen 18 und 35 Jahren, die sich alle als schwul bezeichneten: 35 % von ihnen hatte im vergangenen Jahr auch heterosexuelle Anziehung erlebt. 10 % hatten im vergangenen Jahr auch heterosexuelles Verhalten ausgeübt.[^24]

Grundsätzliche Überlegungen

Mayer und McHugh weisen darauf hin, dass der Begriff „sexuelle Orientierung“ weder klar noch eindeutig definiert ist. Mit „sexueller Orientierung“ und den zugehörigen Konzepten „Begehren“, „sexuelles Begehren“, „Anziehung“ könne gemeint sein: Jemanden anziehend finden, romantisches Schwärmen, unbestimmte Sehnsüchte und Fantasien, bestimmte Erwartungen an eine andere Person, empfundene Bedürfnisse, Wünsche nach Zugehörigkeit, erotisches Interesse an einer anderen Person mit oder ohne körperliche Erregung, der Wunsch nach Sex und vieles mehr. Noch unklarer ist, was es bedeutet, wenn ein Mensch sich mit einer bestimmten „sexuellen Orientierung“ „identifiziert“.[^25] Es gibt reichlich Belege dafür, dass sexuelle Anziehung, sexuelles Verhalten und angenommene Selbst-Identität keineswegs immer miteinander verknüpft sind.[^26]

Das subjektive Verständnis von sexueller Anziehung steht in einem komplexen Zusammenhang mit der Lebensgeschichte jedes Einzelnen und ist nicht einfach (wie fälschlich oft behauptet wird) mit Rechts- oder Linkshändigkeit vergleichbar. Sogar politische Erwägungen können eine Rolle spielen: Der US-amerikanische Autor Benoit Denizet-Lewis, der eine schwule Selbst-Identität angenommen hat und dann eine sexuelle Erregung beim Anschauen eines erotischen Frauenfilms erlebte, sorgte sich darüber, dass seine neue Unsicherheit, ob er vielleicht bisexuell sei, gesellschaftspolitische Auswirkungen haben könnte.[^27]

Die Komplexität, der Forscher heutzutage gegenüberstehen, wenn sie die facettenreichen affektiven und Verhaltens-Phänomene untersuchen wollen, die im Zusammenhang mit sexuellem Begehren stehen - sei es gegen- oder gleichgeschlechtlich - ist immens. Und das Konzept der sexuellen Orientierung ist nur ein vages Konzept; es ist subjektiv, nicht klar definiert und für die Wissenschaft wenig brauchbar.[^28] Weder sexuelles Begehren, noch Anziehung oder Sehnsüchte, noch sexuelle Orientierung, so Mayer und McHugh, sind unveränderliche, für immer festgelegte, biologische oder auch nur für immer festgelegte psychische Eigenschaften eines Menschen.[^29]

Sexueller Missbrauch in Kindheit und Jugend

Da eine homo- oder bisexuelle Orientierung nicht angeboren ist, stellt sich die Frage, welche „Umweltfaktoren“ eine homosexuelle oder bisexuelle Entwicklung begünstigen können. Mayer und McHugh untersuchten insbesondere den Umweltfaktor „sexueller Missbrauch im Kindesalter“ [bis 17 Jahre] [^30]. Umfangreiche Daten belegen: Menschen, die sich als homosexuell oder bisexuell bezeichnen, haben signifikant häufiger im Kindes- und Jugendalter sexuellen Missbrauch erlebt als Menschen, die sich als heterosexuell bezeichnen. Als Erklärung dafür sind drei Szenarien denkbar, so Mayer und McHugh, die sich gegenseitig nicht ausschließen und auch nicht erschöpfend sein müssen: a) Sexueller Missbrauch trägt zur Entwicklung einer nicht-heterosexuellen Orientierung bei; b) Kinder und Jugendliche, die Anzeichen für mögliche nicht-heterosexuelle Tendenzen zeigen, geraten ins Visier von Missbrauchstätern; c) bestimmte Faktoren tragen zu beidem bei, sowohl zu sexuellem Missbrauch als auch zu nicht-heterosexuellen Tendenzen wie etwa das Aufwachsen eines Kindes in einer dysfunktionalen Familie oder mit einem alkoholkranken Elternteil.[^31]

Mark S. Friedman et al. führten eine Meta-Analyse (2011)[^32] von insgesamt 37 Schul-Studien durch, in denen (zwischen 1992 und 2008) die adoleszenten Schüler befragt wurden. Friedman kommt zu dem Schluss: Jugendliche, die sich als homosexuell oder bisexuell bezeichnen, berichten 2,9-mal häufiger, dass sie sexuellen Missbrauch (vor dem Alter von 18 Jahren) erfahren haben. Die Wahrscheinlichkeit für sexuellen Missbrauch in der Vorgeschichte war bei den nicht-heterosexuellen Jungen 4,9-mal höher als bei den heterosexuellen Jungen. Bei den nicht-heterosexuellen Mädchen war sie 1,5-mal höher als bei den heterosexuellen Mädchen.[^33] Die Forscher betonen, dass die höheren Raten an sexuellem Missbrauch in den Jahren von 1992 bis 2008 nicht abgenommen haben.

Emily F. Rothman et al. veröffentlichten (2011)[^34] eine umfangreiche Meta-Analyse von Studien, in denen es um die Frage ging, wie häufig homosexuell oder bisexuell selbstidentifizierte Männer und Frauen sexuelle Übergriffe erlebt haben - in ihrer Kindheit und Jugend, als Erwachsene, insgesamt in ihrem Leben, innerhalb einer intimen Partnerschaft, im Rahmen eines Hassverbrechens. Dazu analysierten die Forscher 75 US-amerikanische Studien, davon 25 mit Wahrscheinlichkeitsstichproben. Insgesamt betrug die Stichprobe 139 635 Männer und Frauen, die sich als homosexuell oder bisexuell identifizierten. Trotz methodischer Einschränkungen zeigt die Meta-Analyse „alarmierend hohe Raten erlebter sexueller Übergriffe, einschließlich sexuellem Missbrauch in der Kindheit [unter 18 Jahren]“[^35] bei den Frauen und Männern, die sich als homosexuell oder bisexuell bezeichnen. Siehe Tabelle 1.

Tabelle 1[^36]

Sexuelle Übergriffe erlebt (in Prozent der Befragten)

homosexuelle / bisexuelle Männer:
in Kindheit und Jugend [bis 17 Jahre] 4,1% - 59,2% (median 22,7%)
als Erwachsene 10,8% - 44,7% (median 14,7%)
im bisherigen Leben 11,8% - 54,0% (median 30,4%)
in einer Intim-Partnerschaft 9,5% - 57,0% (median 12,1%)
im Rahmen eines Hassverbrechens 3,0% - 19,8% (median 14,0%)

Sexuelle Übergriffe / sexuellen Missbrauch erlebt (in Prozent der Befragten)

lesbisch / bisexuell lebende Frauen:
in Kindheit und Jugend [bis 17 Jahre]: 14,9% - 76,0% (median 34,5%)
als Erwachsene: 11,3% - 53,2% (median 23,2%)
im bisherigen Leben: 15,6% - 85,0% (median 43,4%)
in einer Intim-Partnerschaft: 3,0% - 45,0% (median 13,3%)
im Rahmen eines Hassverbrechens: 1,0% - 12,3% (median 5,0%)

In einer umfangreichen, wahrscheinlichkeitsbasierten, retrospektiven Studie untersuchten Judith Andersen et al. (2013) [^37], ob es Unterschiede gibt zwischen selbst-identifizierten heterosexuellen, homosexuellen und bisexuellen Erwachsenen in Bezug auf schwere Kindheitserfahrungen, die sie gemacht haben. Gefragt wurde nach folgenden Faktoren: dysfunktionale Familie[^38], Zerwürfnis der Eltern, körperliche Misshandlung, sexueller Missbrauch, emotionaler Missbrauch.

Die bisexuellen Männer und Frauen hatten im Vergleich mit den heterosexuellen signifikant höhere Raten bei allen gemessenen negativen Kindheitsfaktoren. Die homosexuellen Männer und Frauen hatten signifikant höhere Raten bei allen gemessenen negativen Kindheitsfaktoren außer dem Faktor „Trennung / Scheidung der Eltern“.

Insgesamt gaben die homosexuellen Männer und Frauen fast 1,7-mal häufiger und die bisexuellen Personen 1,6-mal häufiger negative Kindheitserfahrungen an als die heterosexuellen Männer und Frauen. Siehe Tabelle 2.

Die Studie hat den Vorteil, so Mayer und McHugh, dass sie eine selbstidentifizierte heterosexuelle Kontrollgruppe hat. Die Autoren der Studie sehen die Hypothese eines kausalen Zusammenhangs zwischen Kindheitstraumata und homosexuellen Neigungen allerdings kritisch. Sie begründen das unter anderem damit, dass die große Mehrheit der Menschen, die Kindheitstraumata erleiden, nicht homosexuell oder bisexuell wird. „Dennoch ist aufgrund dieser und anderer, ähnlicher Studien die Hypothese glaubhaft, dass negative Kindheitserfahrungen einen bedeutsamen, allerdings keinen determinierenden [festlegenden], Faktor für die Entwicklung homosexueller Präferenzen sein können.“ [^39] Weitere Studien sind zur Klärung erforderlich.

Tabelle 2[^40]

Schwere Kindheitserfahrungen (in Prozent der Befragten)

Sexueller Missbrauch
schwul / lesbisch: 29,7%
bisexuell: 34,9%
heterosexuell: 14,8%
Emotionaler Missbrauch
schwul / lesbisch: 47,9%
bisexuell: 48,4%
heterosexuell: 29,6%
Körperliche Misshandlung
schwul / lesbisch: 29,3%
bisexuell: 30,3%
heterosexuell: 16,7%

In einer Studie von Brendan Zietsch et al. (2012)[^41] mit 9 884 Personen fanden die Forscher „signifikant höhere Raten von Nicht-Heterosexualität bei denjenigen Männern und Frauen, die in der Kindheit sexuellen Missbrauch erlebt hatten oder in einem für Kinder riskanten familiären Umfeld aufwuchsen.“[^42] 41 % der nicht-heterosexuellen Männer und 42 % der nicht-heterosexuellen Frauen berichteten von familiären Dysfunktionen; bei den Heterosexuellen berichteten dies 24 % (Männer) und 30 % (Frauen).[^43] Über sexuellen Missbrauch vor dem Alter von 14 Jahren berichteten 12 % der nicht-heterosexuellen Männer und 24 % der nicht-heterosexuellen Frauen gegenüber 4 % der heterosexuellen Männer und 11 % der heterosexuellen Frauen.

In einer Studie von Marie E. Tomeo et al. (2001)[^44] wurde festgestellt: 46 % der homosexuellen Männer und 22 % der homosexuellen Frauen berichteten über sexuelle Übergriffe in der Kindheit durch eine Person des eigenen Geschlechts. Von den Heterosexuellen gaben dies nur 7 % der Männer und 1 % der Frauen an. [Das mittlere Alter der Mädchen zum Zeitpunkt des homosexuellen Missbrauchs war 13; das mittlere Alter der Jungen zum Zeitpunkt des homosexuellen Missbrauchs war 11 Jahre. Anm. CRV.] 38 % der befragten homosexuellen Frauen bezeichneten sich erst nach dem homosexuellen Missbrauch als lesbisch. Bei den homosexuellen Männern sind die Zahlen widersprüchlich: 68 % der homosexuellen Männer - oder durch Rückschluss an einer anderen Stelle der Studie nur 32 % - bezeichneten sich erst nach dem homosexuellen Missbrauch als homosexuell. Die Stichprobe der Studie war relativ klein, sie betrug 942 Personen, davon waren 267 homosexuelle Personen; alle waren über die Teilnahme an Gay-Pride Veranstaltungen in Kalifornien rekrutiert worden. Zu den Ergebnissen erklären die Forscher: „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass alle vorliegenden Erkenntnisse nur auf homosexuelle Menschen zutreffen, die an Homosexuellen-Paraden teilnehmen und freiwillig bei Studien-Umfragen mitmachen.“[^45]

Die Psychologin Helen Wilson et al. veröffentlichten (2010)[^46] eine prospektive Follow-Up Studie mit dem Ziel, herauszufinden, ob Misshandlung, sexueller Missbrauch oder Vernachlässigung im Kindesalter die Wahrscheinlichkeit erhöht, später im Leben homosexuelle Beziehungen einzugehen. Die Originalstichprobe umfasste 908 Jungen und Mädchen, die im Alter zwischen 0 und 11 Jahren Vernachlässigung, körperliche Misshandlung oder sexuellen Missbrauch erlebt hatten.[^47] 8 % der Stichprobe gab an, eine(n) homosexuellen Partner(in) zu haben oder gehabt zu haben.[^48] Die meisten von ihnen gaben aber auch an, heterosexuelle Sexualpartner zu haben oder gehabt zu haben, so dass man hohe Raten an Bisexualität oder Fluidität der nicht-heterosexuellen Orientierung annehmen muss. Die Studie zeigt: Die Wahrscheinlichkeit, eine homosexuelle Beziehung zu haben oder gehabt zu haben, war bei den Teilnehmern, die sexuellen Missbrauch in der Kindheit (vor dem Alter von 12 Jahren) erlebt hatten, insgesamt 2,8-mal so hoch wie in der Kontrollgruppe. Allerdings war der Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch im Kindesalter und späteren homosexuellen Partnern nur bei den Männern signifikant. Die Studie legt nahe, so Mayer und McHugh, dass Jungen, die sexuell missbraucht wurden, später mit größerer Wahrscheinlichkeit sowohl homosexuelle als auch heterosexuelle Beziehungen eingehen.[^49]

Sexueller Missbrauch im Kindesalter „kann manchmal ein kausaler Beitrag bei der Entstehung einer nicht-heterosexuellen Orientierung sein.“[^50] Ob das tatsächlich so ist oder nicht, so Mayer und McHugh - dazu ist weitere Forschung erforderlich.

TEIL 2 - LGBT: Psychische Gesundheitsprobleme

Mayer und McHugh fassen die Forschung zusammen: „Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung haben nicht-heterosexuelle und transgender Subpopulationen höhere Raten sowohl an psychischen Gesundheitsproblemen wie Ängste, Depressionen, Suizide, als auch an Verhaltens- und sozialen Problemen wie Suchtmittelmissbrauch [Drogen- und Alkoholmissbrauch] und Gewalt innerhalb von Intim-Partnerschaften.“[^51]

Psychische Gesundheitsprobleme, Suizidalität, Suchtmittelmissbrauch

Homosexualität, Bisexualität

Eine umfangreiche Meta-Analyse von Michael King et al. (2008)[^52]mit Daten von 11 971 nicht-heterosexuellen und 214 344 heterosexuellen Personen zeigt: Homosexuelle und bisexuelle Männer und Frauen haben im Vergleich zu den heterosexuellen Kontrollgruppen ein höheres Risiko für Depressionen, Angststörungen, suizidales Verhalten und Suchtmittelmissbrauch (Alkohol- und Drogenmissbrauch). Homosexuell und bisexuell lebende Männer haben ein besonders hohes Risiko für Suizidversuche (4,28-fach erhöhtes Risiko); homosexuelle und bisexuelle Frauen haben ein besonders hohes Risiko für Alkohol- und Drogenmissbrauch (3,42-fach erhöhtes Risiko).

Eine weitere, umfangreiche, bevölkerungs-basierte Studie von Wendy Bostwick (2010)[^53] kommt zu dem Schluss: Frauen, die sich als homosexuell oder bisexuell identifizieren, haben häufiger Depressionen und Angststörungen als heterosexuelle Frauen; das höchste Risiko haben Frauen, die sich als bisexuell identifizieren.[^54]

Männer, die sich als homosexuell identifizieren, haben mehr als doppelt so häufig Depressionen und Angststörungen im Vergleich zu Männern, die sich als heterosexuell identifizieren. Männer, die ein bisexuelles Verhalten oder eine Anziehung „hauptsächlich zu Männern“ angeben, haben die höchste Rate an Depressionen und Angststörungen. Männer, die eine ausschließlich heterosexuelle Anziehung und ausschließlich heterosexuelles Verhalten angeben, haben die niedrigste Rate an Depressionen und Angststörungen.[^55]

Eine umfangreiche, repräsentative Studie aus Holland von Theo Sandfort et al. (2006)[^56]zeigt: Homosexuelle und bisexuelle Männer und Frauen hatten eine höhere Rate an aktuellen psychischen Gesundheitsproblemen und gaben auch generell mehr psychische Gesundheitsprobleme an.

Eine Übersicht über die Forschung von Ann Haas (2011)[^57]zeigt: Bei adoleszenten Jungen und Mädchen, die sich als homosexuell oder bisexuell bezeichneten, war das Risiko für einen Suizidversuch zwei- bis siebenmal höher als bei heterosexuellen Jugendlichen; die männlichen Jugendlichen hatten ein höheres Risiko. Haas verweist unter anderem auf eine Langzeitstudie aus Neuseeland, wonach die Suizidversuchsrate bei homosexuellen und bisexuellen Jugendlichen (zwischen 14 und 21 Jahren) sechsmal höher war als bei heterosexuellen Jugendlichen. Homosexuelle und bisexuelle Adoleszente, die über Suizidversuche berichteten, hatten zudem auch höhere Raten an Depressionen, Angst- und Verhaltensstörungen.[^58] Weltweit zeigen Studien, so Haas, dass bei Personen, die sich als homosexuell oder bisexuell identifizieren, die Raten an psychischen Störungen und Suchtmittelmissbrauch um bis zu 50 % höher sind. Bei homosexuellen/bisexuellen Frauen ist insbesondere die Rate an Suchtmittelmissbrauch erhöht, bei homosexuellen/bisexuellen Männern ist die Rate an Depressionen und Panikstörungen erhöht.[^59]

In einer bevölkerungsbasierten Langzeitstudie aus Dänemark von Robin Mathy et al. (2011)[^60] wurden über zwölf Jahre hinweg alle standesamtlichen Daten in Bezug auf die Todesursache „Suizid“ ausgewertet und mit drei unterschiedlichen Lebensstilen der Männer und Frauen verglichen: a) ob sie verheiratet waren, b) nie verheiratet waren, oder c) in einer eingetragenen homosexuellen Partnerschaft lebten. Bei den Männern waren die Unterschiede hochsignifikant: Männer in eingetragener homosexueller Partnerschaft begingen fast achtmal so häufig Selbstmord wie heterosexuell verheiratete Männer und doppelt so häufig wie Männer, die nie verheiratet waren.[^61] Über homosexuell lebende Männer, die keine eingetragene Partnerschaft eingingen, kann die Studie nichts aussagen.

In einer Studie von Gary Remafedi (1991)[^62] wurden 137 männliche Adoleszente (14 bis 21 Jahre), die sich als homosexuell oder bisexuell bezeichneten, zu ihrem suizidalen Verhalten befragt. 30 % hatten mindesten einen Suizidversuch verübt. Diejenigen, die einen Suizidversuch verübt hatten, hatten ihr Coming-out in jüngerem Alter, häufiger sexuellen Missbrauch erlebt und häufiger illegale Drogen konsumiert. Die Unterschiede waren statistisch signifikant. Je jünger ein Junge beim Coming-out war, desto höher war das Risiko eines Suizidversuchs.[^63]

Transsexualität

Die wenigen Studien zu psychischen Gesundheitsproblemen bei transsexuellen Personen zeigen hohe Raten an psychischen Störungen und Suchtmittelmissbrauch, allerdings ist die Datenmenge gering, in der Regel sind es auch keine wahrscheinlichkeitsbasierten Studien.[^64]

In einer Studie der Harvard-Professorin Sari Reisner (2015)[^65] wurden 180 transgender Personen im Alter von 12-29 Jahren befragt. Sie hatten erhöhte Raten an Depressionen, Angststörungen und Suizidgedanken; sie berichteten fast dreimal so häufig über Suizidversuche und fast viermal so häufig über anderes selbstschädigendes Verhalten im Vergleich zur heterosexuellen Kontrollgruppe. Es gab keine statistischen Unterschiede zwischen Frau-zu-Mann und Mann-zu-Frau transsexuellen Personen.

Eine Studie der „American Foundation for Suicide Prevention“(2014)[^66] zeigt: 41 % der transgender Personen gaben an, schon mindestens einmal in ihrem Leben einen Suizidversuch gemacht zu haben. Das ist weit mehr als die 4,6 % in der Allgemeinbevölkerung und auch deutlich mehr als die 10-20 % bei Menschen, die homosexuell oder bisexuell leben.

Das „sozialer-Stress“-Modell

Häufig wird das „sozialer-Stress“-Modell herangezogen, um die höheren Raten an psychischen Gesundheitsproblemen zu erklären. Es besagt, dass Diskriminierung und Stigmatisierung als „soziale Stressoren“ die Hauptursache für die höheren Raten an psychischen Gesundheitsproblemen bei homosexuell, bisexuell und transgender empfindenden und lebenden Personen ist.[^67] Mayer und McHugh befinden: „Das ‚sozialer Stress‘-Modell verdient weitere Forschung, man sollte aber nicht davon ausgehen, dass es eine komplette Erklärung für die Unterschiede in der psychischen Gesundheit [von homosexuellen, bisexuellen und transsexuellen gegenüber heterosexuellen Personen] liefert.“ [^68] Und: „Anzunehmen, dass ein einziges Modell alle psychischen Gesundheitsgefährdungen von Nicht-Heterosexuellen erklären kann, kann Ärzte und Therapeuten in die Irre führen, wenn sie dieser gefährdeten Subpopulation helfen wollen.“[^69]

Gewalt in homosexuellen Männerpartnerschaften

In verschiedenen Studien wurden die Gewaltraten in homosexuellen Männerpartnerschaften mit denen in heterosexuellen Partnerschaften verglichen. In einigen Studien geht es um die Täter, in anderen um die Opfer. Neben sexueller Nötigung und körperlicher Gewalt wurde auch nach psychischer Gewalt (verbale Angriffe, Drohungen und anderes) gefragt. Die Studien zeigen, dass die Rate an Partnergewalt in homosexuellen Männerpartnerschaften signifikant höher ist als in heterosexuellen Partnerschaften.[^70] Einige der von Mayer und McHugh dazu angeführten Studien sind hier wiedergegeben.

In einer systematischen Durchsicht von 19 Studien fanden die Forscher Ana Buller et al. (2014)[^71]: Im Durchschnitt sagten 48 % der homosexuellen Männer, dass sie schon Gewalt in einer homosexuellen Partnerschaft erfahren haben.[^72] In Bezug auf die letzten fünf Jahre sagten dies 32 %.[^73] Sowohl bei den Tätern als auch den Opfern gab es einen Zusammenhang mit Suchtmittelmissbrauch.

In der Meta-Analyse von Erica Bowen und Sabrina Nowinski (2012)[^74]von 54 Studien, in denen die Häufigkeit von Gewalt in homosexuellen Männerpartnerschaften gegenüber heterosexuellen Partnerschaften untersucht wurde, heißt es: „Eine der besorgniserregendsten Ergebnisse ist die Häufigkeit schwerer sexueller Nötigung und sexuellen Missbrauchs in männlichen homosexuellen Partnerschaften.“[^75]

Eine Analyse von Catherine Finneran et al. (2013)[^76] von 28 Studien ergibt: In jeder analysierten Studie zeigte sich, dass die Partnerschaftsgewalt bei homosexuell lebenden Männern ähnlich hoch oder höher war als die bei allen Frauen, unabhängig von deren sexueller Orientierung.[^77] Die Autoren folgern: „Die hier auftauchenden Belege zeigen, dass Partnerschaftsgewalt - psychische, körperliche und sexuelle - in homosexuellen Männerpartnerschaften in alarmierender Häufigkeit auftritt.“[^78]

In einer wahrscheinlichkeitsbasierten Studie von Gregory Greenwood et al. (2002)[^79] wurden Telefoninterviews mit 2 881 Männern, die Sex mit Männern haben, durchgeführt. Insgesamt gaben 39 % der Männer an, in den letzten fünf Jahren eine Form von Misshandlung in einer homosexuellen Partnerschaft erlebt zu haben. Die jüngeren Männer waren deutlich häufiger die Opfer im Vergleich zu älteren Männern. Die Forscher schreiben: In der Stichprobe von Männern, die Sex mit Männern haben, „war die Prävalenz von Misshandlungen im Kontext intimer Partnerschaften sehr hoch.“ [^80] Da die Lebenszeit-Prävalenzraten für Partnerschaftsgewalt in der Regel höher sind als die Prävalenzraten innerhalb eines 5-Jahres-Zeitraums „ist es wahrscheinlich, dass eine wesentlich größere Anzahl von Männern, die Sex mit Männern haben, Viktimisierung in ihrem Leben erlebt haben als heterosexuelle Männer.“[^81] Die Schätzungen für körperliche Misshandlungen „sind vergleichbar hoch oder höher als die für heterosexuelle Frauen.“[^82]

TEIL 3 - Geschlechtsidentität und Transsexualität

Biologisches Geschlecht, Gender

Das biologische Geschlecht (Mann und Frau, englisch: sex), so Mayer und McHugh, ist angeboren und in der menschlichen Natur festgelegt. Es ist klar definiert, stabil und binär. Grundlage für die Tatsache, dass jemand Frau oder Mann ist, sind die Fortpflanzungsorgane, die zwischen Frau und Mann komplementär aufeinander abgestimmt sind, die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale. Mann und Frau unterscheiden sich also durch ihre jeweils spezifischen Fortpflanzungsstrukturen, selbst wenn diese nicht genutzt werden oder das Ziel der Fortpflanzung nicht erreicht[^83] oder nicht gewünscht wird. Geschlechtstypische oder *untypische *Verhaltensweisen bilden nicht die Grundlage für Frausein oder Mannsein.[^84] Biologisches Geschlecht und soziale Geschlechtsrolle (Gender) stehen in einer komplexen Verbindung miteinander. Anders als das klar definierte Konzept des biologischen Geschlechts sind die soziologischen und psychologischen Konzepte von Gender ( „soziales Geschlecht“) aus wissenschaftlicher Sicht unzuverlässig und vage.

Der Begriff Gender als „soziale Geschlechtsrolle“ wurde 1955 durch den US-amerikanischen Sexualwissenschaftler John Money eingeführt.[^85] Money behauptete, die soziale Geschlechtsrolle, (gender), die Geschlechtsidentität (gender identity), Weiblichkeit und Männlichkeit, habe mit dem biologischen Geschlecht (sex) nichts zu tun. Wenn man bei einem kleinen Jungen die Genitalien chirurgisch verändere und ihn konsequent in einer „weiblichen Geschlechtsrolle“ aufziehe, würde das Kind ein glückliches Mädchen und später auch eine glückliche (wenn auch unfruchtbare) Frau. Beweisen konnte Money seine Theorie allerdings nie. Im Gegenteil: Als dem kleinen Jungen Bruce Reimer (geb. 1965) der Penis bei einer routinemäßigen Beschneidung schwer verletzt und daher abgenommen werden musste, wurden ihm auf Anraten Moneys auch die Hoden entfernt, er wurde als Mädchen aufgezogen. Doch Bruce, der sich später David nannte, blieb Zeit seines Lebens todunglücklich. Mit 39 Jahren nahm er sich das Leben. „David Reimer ist nur ein Beispiel für den Schaden, der durch Theorien angerichtet wird, denen zufolge die Geschlechtsidentität bei Kindern sozial und medizinisch neu zugewiesen werden kann,“ so Mayer und McHugh.[^86]

Intersexualität - Biologische Anomalien

Sehr selten kommt es vor, dass ein Kind mit biologischen Deformierungen der Geschlechtsorgane zur Welt kommt. Man spricht dann von „Intersexualität“[^87]. Dahinter verbergen sich unterschiedliche, immer aber schwere, biologische Defekte.[^88] Meist ist die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt oder nicht vorhanden.

In einer Studie von William Reiner (2004)[^89] wurden sechzehn genetische Jungen befragt. Sie hatten normale männliche Chromosomen (XY), waren aber mit schwer deformierten Geschlechtsorganen zur Welt gekommen. Bei vierzehn von ihnen wurden nach der Geburt die Genitalien „umoperiert“, sie wurden von Anfang an als Mädchen aufgezogen. Dreizehn konnten später befragt werden: Nur fünf von ihnen hatten die Geschlechtszuweisung „Mädchen“ behalten, die Mehrheit also nicht.

Die Studie zeigt, so Mayer und McHugh, dass eine willkürliche Zuweisung des Geschlechts ohne Berücksichtigung der Chromosomen nicht ratsam ist. Selbst bei äußerer biologischer „Unklarheit“ werden Kinder sich wahrscheinlich nicht mit einem Geschlecht identifizieren, das nicht ihrem chromosomalen Geschlecht entspricht - auch nicht, wenn sie frühzeitig „umoperiert“ und in der „sozialen Geschlechtsrolle“ (Gender) des anderen Geschlechts aufgezogen werden. Gender ist nicht einfach etwas Willkürliches, so Mayer und McHugh, die Formbarkeit von Gender hat Grenzen.[^90] Biologisches Geschlecht ist auch mehr als nur die Art, wie die äußeren Geschlechtsorgane aussehen. „Chirurgen sind zwar zunehmend in der Lage, künstliche Geschlechtsorgane zu schaffen, aber dieses ‚Zubehör‘ verändert das biologische Geschlecht der Empfänger nicht; sie können nach den Operationen die Fortpflanzungsrolle des anderen Geschlechts nicht besser wahrnehmen als zuvor. Das biologische Geschlecht verändert sich auch nicht in Abhängigkeit von der Umgebung, die einem Kind geboten wird. So sehr man einen kleinen Jungen darin unterstützen mag, sich selbst als kleines Mädchen zu sehen und dafür zu sorgen, dass er auch von anderen als kleines Mädchen gesehen wird, so wird er biologisch doch kein kleines Mädchen. Die wissenschaftliche Definition für das biologische Geschlecht ist für nahezu alle Menschen eindeutig, binär und unveränderlich und spiegelt eine zugrundeliegende biologische Realität wieder. Diese biologische Realität wird nicht dadurch widerlegt, dass es Ausnahmen von einem für Frauen oder Männer typischen Verhalten gibt, und sie kann auch weder chirurgisch noch durch soziale Konditionierung verändert werden.“[^91]

Transsexualität

Einige Männer und Frauen mit biologisch gesunden Geschlechtsorganen sagen, sie seien „im falschen Körper“ geboren. Sie haben den dringenden und anhaltenden Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören. Ihr psychisches Phänomen wird als Transsexualität oder Transgender bezeichnet.[^92] Gibt es für dieses Phänomen eine biologische Ursache? Mit anderen Worten: Sind einige Menschen tatsächlich „im falschen Körper geboren“, also mit dem Gehirn des einen und dem Körper des anderen Geschlechts?[^93]

Die Forscher Guiseppina Rametti et al. verglichen mithilfe bildgebender Verfahren die Gehirne erwachsener transsexueller Personen mit denen von heterosexuellen Personen, um zu sehen, ob es konsistente Unterschiede zwischen beiden Gruppen gibt. In der ersten Studie (2011)[^94] ähnelten bestimmte Gehirn-Mikrostrukturen von transsexuell lebenden Personen mehr dem gewünschten als dem biologischen Geschlecht. In einer weiteren Studie (ebenfalls 2011)[^95] lagen die Gehirn-Mikrostrukturen aber näher am biologischen als am gewünschten Geschlecht. Das Gehirnvolumen bei Männern, die in einem transsexuellen Lebensstil als Frau leben, stimmte zudem mit ihrem biologischen (männlichen) Geschlecht überein.[^96]

Für die Vorstellung, dass transsexuell empfindende Menschen „so geboren“ sind oder transsexuell empfindende Männer von Geburt an „weibliche“ Gehirne (und umgekehrt) hätten, gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Weder Hirnforschung, noch vorgeburtliche Hormonforschung noch Genetik konnten bisher belegen, dass die Entwicklung einer Geschlechtsidentität, die nicht dem biologischen Geschlecht entspricht, angeboren ist.[^97] „Es gibt keine biologischen Charakteristika, die transgender Personen zuverlässig von anderen Personen unterscheiden würden“, so Mayer und McHugh.[^98]

Sofern bei Erwachsenen doch Unterschiede bei ihren Gehirnmikrostrukturen gefunden werden, sind diese eher das Ergebnis als die Ursache bestimmter Verhaltensweisen. Aufgrund der hohen Neuroplastizität des menschlichen Gehirns formt, strukturiert und verändert sich dieses lebenslang in Abhängigkeit von den jeweils ausgeübten Denk- und Verhaltensgewohnheiten eines Menschen.[^99] In den meisten Fällen haben transgender Personen seit vielen Jahren in bestimmter Weise gedacht und gehandelt, so dass dies auch ihr Gehirn mitgeformt hat.[^100]

Geschlechtsdysphorie

In der US-amerikanischen Diagnoseliste psychischer Störungen DSM-5 wurde die Diagnose einer „Geschlechtsidentitätsstörung“ durch den Begriff „Gender Dysphoria“ (Geschlechtsdysphorie) ersetzt. Beide Diagnosen erfordern, dass die betroffene Person ein „Gefühl der Nichtzugehörigkeit“[^101] zum eigenen biologischen Geschlecht hat, ein Gefühl der „Nicht-Übereinstimmung“[^102]zwischen dem eigenen biologischen Geschlecht und der subjektiv empfundenen Geschlechtsidentität. Für die Diagnose Gender Dysphoria müssen die betroffenen Personen zusätzlich noch deutlichen inneren Stress über ihren Zustand empfinden und sich in ihrem sozialen, beruflichen und sonstigen Leben als beeinträchtigt erleben.[^103]

Eine Geschlechtsdysphorie kann sehr verschieden behandelt werden: Psychotherapeutisch oder hormonell/chirurgisch. Das psychotherapeutische Ziel, Menschen zu helfen, sich mit ihrem biologischen Geschlecht auszusöhnen, wird von Aktivisten und anderen zunehmend geächtet. Nur noch Pubertätsblocker, gegengeschlechtliche Hormone und chirurgische Eingriffe sollen zur Verfügung stehen.

Im Jahr 2004 veröffentlichte „ARIF“ ( „Aggressive Research Intelligence Facility“), eine Forschungseinrichtung der Universität Birmingham, einen Überblick über die Forschung zur Frage, wie hilfreich „geschlechtsumwandelnde“ Operationen eigentlich sind. Im „The Guardian“ heiß es dazu: „ARIF … kommt zu dem Schluss, dass keine der Studien einen schlüssigen Nachweis dafür bringen kann, dass operative Geschlechtsumwandlungen hilfreich für die Patienten sind. Die meisten Studien sind methodisch mangelhaft, wodurch die Ergebnisse zugunsten der ‚Geschlechtsumwandlung‘ verzerrt wurden. Es gab keine Evaluierung, ob eine andere Behandlung wie etwa Langzeitpsychotherapie geholfen hätte, oder ob es im Lauf der Zeit zu einer spontanen Abnahme der Geschlechtsidentitätsverwirrung gekommen wäre. ARIF zufolge sind die Ergebnisse der wenigen Studien, an denen eine größere Zahl von Probanden über mehrere Jahre teilnahm, fehlerhaft, weil die Forscher mindestens die Hälfte der Probanden nicht mehr ausfindig machen konnten. Die möglichen Komplikationen nach Hormon- und chirurgischer Behandlung wie Venenthrombose und Harnblaseninkontinenz wurden nicht gründlich untersucht. Der Direktor des ARIF, Dr. Chris Hyde, erklärt: ‚Es besteht eine riesige Unsicherheit darüber, ob eine Geschlechtsumwandlung etwas Gutes oder Schlechtes ist. Obwohl zweifellos alles dafür getan wird, um sicherzustellen, dass nur geeignete Patienten einer geschlechtsumwandelnden Operation unterzogen werden, gibt es trotzdem immer noch viele Menschen, die auch nach der Operation traumatisiert bleiben und oft sogar Selbstmord begehen.‘“[^104]

Im Jahr 2011 veröffentlichte das Karolinska Institut in Schweden eine umfangreiche, bevölkerungsbasierte Studie[^105] mit 324 transsexuellen Personen[^106], die eine „geschlechtsumwandelnde“ Operation hinter sich hatten. Die Ergebnisse sind alarmierend: Die operierten transsexuellen Personen hatten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine fast 20-fach erhöhte Rate an Selbstmorden. Die Suizidrate stieg rasant erst ab dem zehnten Jahr nach den Operationen an.

In der Übersicht über die Forschung kommen Mayer und McHugh zu dem Schluss: „Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung besteht für transgender Männer und Frauen auch nach den chirurgischen Eingriffen ein hohes Risiko für psychische Erkrankungen.“[^107] Und: „Die wissenschaftliche Beweislage lässt uns an der Behauptung zweifeln, dass geschlechtszuweisende Operationen den erhofften Gewinn bringen oder die tieferliegenden Probleme, die zu den erhöhten psychischen Gesundheitsrisiken in der transgender Population beitragen, lösen können.“[^108]

Geschlechtsdysphorie bei Kindern

Zunächst einige grundsätzliche Vorbemerkungen:

Anders als bei der Diagnose für Erwachsene, müssen beim Kind zusätzlich zu den Anzeichen von Stress auch bestimmte Verhaltenskriterien erfüllt sein, etwa: „starke Vorlieben für Spielzeuge, Spiele und Aktivitäten, die stereotypisch mit dem anderen Geschlecht verbunden sind.“[^109] Doch was heißt das für ein Mädchen, das ein typischer „Wildfang“ ist? Oder für Jungen, die nicht mit Waffen spielen wollen, sondern ruhigere Spiele bevorzugen? Sollen die Eltern beim letzteren denken, dass ihr Junge eigentlich ein Mädchen ist, nur in einem Jungen-Körper „gefangen“?[^110] Eine Definition von Gender und Geschlechtsidentität (gender identity) als unabhängig vom biologischen Geschlecht ist irreführend. Und die DSM-5 Kriterien für Geschlechtsdysphorie bei Kindern, so Mayer und McHugh, sind unzuverlässig, unseriös und unsolide. „Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Auffassung, dass Spielen mit typischen Jungenspielen ein Kind schon als Jungen definiert oder Spielen mit typischen Mädchenspielen ein Kind als Mädchen definiert.“[^111] Ein Kind kann soziale Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die typisch für das andere Geschlecht sind, zeigen, ohne dass es sich mit dem anderen Geschlecht identifiziert. Selbst wenn es sich mit dem anderen Geschlecht identifiziert: Vielleicht hat es Probleme, die Rollenerwartungen seiner Umgebung für sein Geschlecht zu erfüllen. Vielleicht hat es traumatische Erfahrungen gemacht, wodurch es Stress in Bezug auf die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht erlebt.[^112] Zu behaupten, Jungesein (als Gender) würde bedeuten, mit Autos spielen, Ringkämpfe mögen und so weiter, so würde das jeden Jungen ausschließen, der das nicht tut. Oder man würde ihn gleich als Mädchen einordnen, statt als einen Jungen, der einfach andere Interessen hat.[^113] Mädchen, die mit ihrem Mädchensein hadern und ringen und sich „männlich“ verhalten, sind deshalb nicht einfach „transgender“. Wie bereits dargestellt: Die Grundlage von Mädchen- und Jungesein ist die klare Unterscheidung bezüglich des jeweils spezifischen Fortpflanzungssystems und bezüglich der Rolle, die Frau und Mann bei der Fortpflanzung haben, nicht „typische“ oder „untypische“ Verhaltensweisen.

In der „Washington Post“ (2012)[^114]wurde über ein fünfjähriges Mädchen berichtet, das seit dem Alter von zwei Jahren darauf besteht, ein Junge zu sein. „Sie ist im Kopf ein Junge und im Körper ein Mädchen“, wiederholte die achtjährige Schwester die heutzutage politisch korrekte Antwort. Doch alle populärwissenschaftlichen Annahmen, dass die Gehirne von transgender empfindenden Personen anders als die anderer Menschen sind und dies die Ursache für das transgender-Phänomen sei, sind unberechtigt, so Mayer und McHugh.[^115]

Der amerikanisch-kanadische Psychotherapeut und Forscher Kenneth Zucker[^116] arbeitete über viele Jahrzehnte mit Kindern, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht identifizieren konnten. Er bot psychotherapeutische und psychosoziale Hilfe an, um Kinder darin zu unterstützen, sich mit ihrem biologischen Geschlecht auszusöhnen und dieses als Realität auch innerlich anzunehmen. In einer Langzeitstudie beispielsweise (2008)[^117] zeigte sich, dass von den 25 Mädchen, die er therapeutisch über viele Jahre begleitete, nur bei dreien die Geschlechtsdysphorie bestehen blieb.

Nach Zucker können bestimmte Familiendynamiken eine wesentliche Rolle in der Entwicklung einer Geschlechtsidentitätsstörung oder Geschlechtsdysphorie spielen.[^118] Für die Erstellung eines Therapieplans ist es wichtig, herauszufinden, welche Temperamentseigenschaften das Kind hat; ob die Eltern das gegengeschlechtliche Verhalten des Kindes insbesondere in der sensiblen Phase der Geschlechtsidentitätsentwicklung bestätigen und belohnen; welche Familiendynamiken es gibt; ob es Psychopathologien bei den Eltern gibt und wie die Beziehungen des Kindes zu den Gleichaltrigen sind. Zu berücksichtigen ist auch „die Vielzahl an Bedeutungen, die den Fantasien eines Kindes zugrunde liegen, wenn es sich vorstellt, zum anderen Geschlecht zu gehören.“[^119]

Der Ansatz von Zucker wird zunehmend von Aktivisten und anderen abgelehnt. Auf Druck von Lobbygruppen verlor Zucker Ende 2015 seinen Posten als Direktor der Gender Klinik in Toronto, die Klinik wurde geschlossen.[^120] Wenn es nach diesen Gruppen geht, sollen Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsdysphorie (nach DSM-5) in ihrer Fantasiewelt gelassen werden: Sie sollen einen Vornamen des anderen Geschlechts bekommen, in der „sozialen Rolle“ des anderen Geschlechts aufgezogen werden, ab 11 oder 12 Jahren Pubertätsblocker und ab 16 Jahren gegengeschlechtliche Hormone erhalten - und im Erwachsenalter möglicherweise die chirurgischen Eingriffe zur „Geschlechtsumwandlung“. Nach Mayer und McHugh ist diese Entwicklung Anlass zu großer Sorge. Auch ohne die Operationen sind die Folgen der hormonellen Behandlung keineswegs alle rückgängig zu machen.[^121] Zudem: Die Großzahl der Kinder und Jugendlichen, die angeben, dem anderen Geschlecht angehören zu wollen, geben diese Vorstellung im frühen Erwachsenenalter von selbst auf.[^122]

Schluss

Mayer und McHugh haben „beide ‚so geboren‘-Vorstellungen in Frage gestellt - sowohl die Vorstellung, dass eine sexuelle Orientierung biologisch festgelegt und unveränderlich ist, als auch die Vorstellung, dass es eine festgelegte Geschlechtsidentität unabhängig vom biologischen Geschlecht gibt.“[^123] Aber viele Fragen sind noch offen. „[Die Phänomene] ‚sexuelle Orientierung‘und ‚Geschlechtsidentität‘ entziehen sich jeder einfachen Theorie. Es besteht eine große Kluft zwischen der Bestimmtheit, mit der Überzeugungen zu diesen Themen geäußert werden, und dem, was eine nüchterne Beurteilung der Wissenschaft hergibt. Angesichts von Komplexität und Ungewissheit sollten wir in Bezug auf das, was wir wissen und was wir nicht wissen, bescheiden sein. (…) Die Wissenschaft ist keineswegs der einzige Zugang zum Verständnis dieser ausgesprochen komplexen und facettenreichen Themen. Es gibt andere Quellen der Weisheit und des Wissens, dazu gehören Kunst, Religion, Philosophie und gelebte menschliche Erfahrung. (…) Wir legen diesen Überblick über die wissenschaftliche Literatur in der Hoffnung vor, dass er einen gemeinsamen Rahmen für einen intelligenten, aufgeklärten Diskurs in politischen, professionellen und wissenschaftlichen Debatten bieten kann - und dass er zu unserer Fähigkeit als betroffene Bürger beiträgt, Leid zu mindern und menschliche Gesundheit und Aufblühen zu fördern.“[^124]

Nachbemerkung

Viele Fragen sind noch offen. Für die Auffassung, dass das „sozialer-Stress“-Modell die wesentliche Erklärung für die erhöhten Raten an psychischen Gesundheitsproblemen und Suchtmittelmissbrauch bei homosexuell, bisexuell oder transsexuell lebenden Personen liefern kann, spricht wenig. Es kann auch nicht die medizinischen Gesundheitsprobleme bei den Männern und auch nicht die hohe Gewaltrate in den homosexuellen Männerpartnerschaften erklären.[^125] Dass ein behutsamer und langjährig erfahrener Forscher und Psychotherapeut wie Kenneth Zucker von einem Tag auf den anderen seinen Posten als Direktor einer Gender Klinik verliert, weil er den Ansprüchen von pressure groups nicht genügt, und die Klinik geschlossen wird, ist alarmierend. Wie Mayer und McHugh schreiben, braucht es dringend weitere offene und wirklich unvoreingenommene Forschung, auch und gerade im Bereich von Psychologie und Psychotherapie.


  1. Mayer, L.S., McHugh, P.R., Sexuality and Gender - Findings from the Biological, Psychological, and Social Sciences (Sexualität und Geschlecht - Ergebnisse aus Biologie, Psychologie und den Sozialwissenschaften). https://www.thenewatlantis.com/publications/executive-summary-sexuality-and-gender Hier findet sich auch der Link zur deutschen Übersetzung der Studie. Zugriff 28.2.2017. Die im DIJG-Text wiedergegebenen Zitate wurden von uns direkt übersetzt. - In ihrem Spezialreport haben Mayer und McHugh vor allem neuere und methodisch möglichst hochwertige Studien berücksichtigt. Anm. CRV. 

  2. Mayer, McHugh, S. 6. 

  3. McHugh, P., Surgical Sex. First Things 147, Nov. 2004, S. 35. Anm. CRV. 

  4. Wolfe, T., A Man in Full, New York, 1998. Anm. CRV. 

  5. Zitate und andere Hinweise aus dem Spezialreport sind mit „Mayer, McHugh“ gekennzeichnet. Alle Zitate aus den Originalstudien sind nach Mayer, McHugh zitiert. In vielen Fällen und bei Unklarheiten (etwa: welche Altersspanne mit dem Begriff „child abuse“ gemeint ist) wurden auch die Originalstudien zu Rate gezogen. Hinzugefügte Informationen, Anmerkungen, die nicht in dem Spezialreport vorkommen, und Kommentare sind in zusätzlichen Fußnoten untergebracht und mit „Anm. CRV“ gekennzeichnet. Anm. CRV. 

  6. Besondere Relevanz hat die Zwillingsforschung, weil sie Aussagen über mögliche genetische und auch über mögliche vorgeburtlich wirksame Hormone machen kann. Eine der umfangreichsten Zwillingsstudien kommt aus Finnland (Santilla, P., 2008) und ist bei Mayer, McHugh nicht erwähnt. Der neuseeländische Forscher Neil Whitehead hat sie analysiert und befindet: Die Studie setzt den bereits etablierten Trend fort: Je aktueller und methodisch genauer eine Studie ist, desto geringer ist der gefundene genetische Einfluss auf die Entwicklung homosexueller Empfindungen. Zudem ist jeder genetische Einfluss „nur ein indirekter Einfluss, vergleichbar mit der angeborenen Neigung, sehr empfindlich auf die Meinung anderer Menschen zu reagieren.“ „Individuell erlebte Umweltfaktoren tragen am stärk-sten zur Entstehung homosexueller Empfindungen bei.“ Santilla betont, dass aufgrund seiner Forschung Theorien über vorgeburtliche Hormone als Ursache für homosexuelle Neigungen für ihn nicht haltbar sind. Siehe: Whitehead, N., Gleichgeschlechtliche Anziehung und mögliche Ursachen. www.dijg.de/homosexualitaet/wissenschaftliche-studien/zwillingsstudie-genetischer-einfluss Anm. CRV.
    [^7]: Meist ist von „sexueller Orientierung“ die Rede - die biologischen Forschungen konzentrieren sich aber fast immer auf die Frage, ob eine homo- oder bisexuelle Orientierung angeboren ist. Die heterosexuelle Orientierung ist weit weniger im Blick. - Die Langzeitanalyse von Savin-Williams bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen (siehe weiter unten in diesem Artikel) zeigt beispielsweise, dass eine heterosexuelle Orientierung zwar auch nicht „in Stein gemeißelt“ ist, dass sie aber wesentlich stabiler als jede nicht-heterosexuelle Orientierung ist. Anm. CRV.
    [^8]: Mayer, McHugh, S. 7.
    [^9]: Siehe Mayer, McHugh, S. 41.
    [^10]: Vermutet werden auch Faktoren wie: angeborene hohe Sensibilität; kreativ-künstlerische Veranlagung; geringere psychische Robustheit; Neigung, sehr sensibel auf die Umwelt zu reagieren. Anm. CRV.
    [^11]: Das Beispiel bringen Mayer, McHugh, S. 57.
    [^12]: „Unterschiedliche Umweltfaktoren können auch bei gleichen Genen zu unterschiedlichen Phänotypen führen.“ Mayer, McHugh, S. 33.
    [^13]: Mayer, McHugh, S. 33.
    [^14]: Mayer, McHugh, S. 50.
    [^15]: Siehe dazu: Laumann, E.O., The Social Organization of Sexuality: Sexual Practices in the United States, Chicago 1994. Mayer, McHugh S. 24.
    [^16]: Savin Williams, R. et al., Prevalence and Stability of Sexual Orientation Components During Adolescence and Young Adulthood. Arch. Sex. Behavior, 36, 2007, S. 385-394. Savin Williams, R. et al., Prevalence and Stability of Self-Reported Sexual Orientation Identity During Young Adulthood. Arch. Sex. Behavior, 41, 2012, S. 103-110. - Die Langzeitstudie basiert auf bevölkerungsbasierten US-Daten und wurde in vier Wellen durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war 16 Jahre (Welle 1), 17 Jahre (Welle 2), 22 Jahre (Welle 3) und 28 Jahre (Welle 4). Siehe Mayer, McHugh, S. 51 f.
    [^17]: Savin Williams, R., The Dubious Assessment of Gay, Lesbian, and Bisexual Adolescents of Add Health. Arch. Sex. Behavior, 43, 3, 2014, S. 413-422, Tabelle 1, S. 415. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 51.
    [^18]: Ebd. - Die spontanen Veränderungen bei den Mädchen waren ähnlich, aber nicht ganz so auffallend: Mehr als die Hälfte der Probandinnen, die mit 16 Jahren eine bisexuelle Anziehung angaben, hatten mit 22 Jahren eine ausschließlich heterosexuelle Anziehung. Siehe Mayer, McHugh, S. 51.
    [^19]: Savin-Williams, R., 2007, a.a.O., S. 388. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 52.
    [^20]: Savin-Williams, R., 2007, a.a.O., S. 389. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 52. Hervorhebung hinzugefügt.
    [^21]: Savin-Williams: „Die Instabilität von homosexueller romantischer Anziehung und Verhalten ist ein Dilemma für Sexualforscher, die die Nicht-Heterosexualität als ein stabiles Merkmal darstellen.“ Savin-Williams, R., 2007, a.a.O., S. 393. Die spontanen Veränderungen der sexuellen Orientierung in der Adoleszenz waren so erheblich, dass Savin-Williams vorschlägt, das Konzept einer „sexuellen Orientierung“ für Jugendliche völlig fallen zu lassen. Stattdessen solle man sich in der Forschung auf „relevante Bereiche“ wie etwa das sexuelle Verhalten, zwischenmenschliche Beziehungen oder HIV-Übertragung konzentrieren. Savin-Williams, R., 2007, a.a.O., S. 393. Anm. CRV.
    [^22]: Diamond, L., Sexual Fluidity, Cambridge, Mass., 2008, S. 52. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 55.
    [^23]: Diamond, L., „I was wrong! Men are pretty darn sexually fluid, too.“ Vortrag von Lisa Diamond zusammengefasst in: Denizet-Lewis, B., „The scientific quest to prove bisexuality exists.“ The New York Times Magazine, 20.3.2014. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 56.
    [^24]: In einer aktuellen, 2016 veröffentlichten Forschungsanalyse befindet Lisa Diamond: „Argumente, die auf der Unveränderlichkeit von sexueller Orientierung basieren, sind unwissenschaftlich, wenn wir berücksich-tigen, was die heutigen repräsentativen Langzeitstudien sagen …“ Diamond, L., Scrutinizing Immutability: Research on Sexual Orientation and Its Role in U.S. Legal Advocacy for Sexual Minorities. J. Sex Research, March 2016, 1-29, S. 1. Anm. CRV.
    [^25]: Mayer, McHugh, S. 16.
    [^26]: Siehe dazu Laumann, E.O., et al., 1994, a.a.O. Siehe Mayer, McHugh, S. 24.
    [^27]: Siehe Mayer, McHugh S. 15 f.
    [^28]: In diesem Zusammenhang kritisieren Mayer und McHugh auch die „Kinsey-Skala“: „Die Uneindeutigkeit der Begriffe ‚heterosexuell‘ und ‚homosexuell‘ [jemanden anziehend finden oder sexuelle Erregung oder Fantasien oder Verhalten] schränkt die Brauchbarkeit der Kinsey-Skala erheblich ein …“ Mayer, McHugh, S. 22. Anm. CRV.
    [^29]: Siehe Mayer, McHugh, S. 25.
    [^30]: Mit „Child Sexual Abuse“ ist meist das Alter des Kindes zwischen 0 und 17 Jahren gemeint. Sofern möglich werden bei den einzelnen Studien genauere Altersangaben gemacht. Anm. CRV.
    [^31]: Mayer, McHugh, S. 43.
    [^32]: Friedman, M.S., et al., A Meta-Analysis of Disparities in Childhood Sexual Abuse, Parental Physical Abuse and Peer Victimisation Among Sexual Minority and Sexual Nonminority Individuals. Am. J. of Public Health, 8, 2011, S. 1481-1494.
    [^33]: Zur Frage sexuellen Missbrauchs wurden 26 Schul-Studien ausgewertet. Die Prozentzahlen zeigen im Mittel („mean of the absolute prevalence“): 40,4 % der bisexuellen Mädchen, 32,1 % der lesbischen Mädchen und 16,9 % der heterosexuellen Mädchen gaben an, sexuellen Missbrauch erlebt zu haben. 24,5 % der bisexuellen Jungen, 21,2 % der homosexuellen Jungen und 4,6 % der heterosexuellen Jungen gaben an, sexuellen Missbrauch erlebt zu haben. Friedman, M. S., ebd. S. 1483. Anm. CRV.
    [^34]: Rothman, E.F., et al., The Prevalence of Sexual Assault Against People Who Identify as Gay, Lesbian or Bisexual in the United States: A Systematic Review. In: Trauma, Violence, Abuse 12, 2, 2011, S. 55-66.
    [^36]: Siehe Mayer, McHugh, S. 45.
    [^35]: Mayer, McHugh, S. 44.
    [^37]: Andersen, J.P, et al., Disparities in Adverse Childhood Experiences among Sexual Minority and Heterosexual Adults: Results from a Multi-State Probability-Based Sample, PLOS ONE 8, 1, 2013 e54691. doi:10.1371/journal.pone.0054691.
    [^38]: Zum Parameter „dysfunktionale Familie“ gehörten auch: Jemand im Haushalt ist psychisch krank, ist suchtmittelabhängig, ist im Gefängnis, Eltern getrennt oder geschieden, Gewalt in der Familie. Anm. CRV.
    [^39]: Mayer, McHugh, S. 45-46.
    [^40]: Siehe Mayer, McHugh, S. 45.
    [^41]: Zietsch, B. et al., Do shared etiological factors contribute to the relationship between sexual orientation and depression? Psychol. Med. 42, 3, 2012, S. 521-532.
    [^42]: Zietsch, B., ebd., S. 526. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 47.
    [^43]: Bei „riskantes familiäres Umfeld“ wurde erfragt, ob die Männer und Frauen als Kinder zwischen 6-13 Jahren Folgendes erlebt hatten (die Hervorhebungen sind im Original): erlebten oft unangenehme Auseinandersetzungen mit einem oder beiden Eltern; fühlten sich in keiner Weise den Eltern nahe; die Eltern stritten häufig in Gegenwart des Kindes; es gab sehr viele Spannungen zwischen den Eltern; einer der Eltern trank zu viel Alkohol. Die Faktoren korrelierten signifikant untereinander und „jeder einzelne Faktor war signifikant verknüpft mit der nicht-heterosexuellen Orientierung“ der erwachsenen Männer und Frauen. Zietsch, B., ebd. Anm. CRV.
    [^44]: Tomeo, M. E., Comparative Data of Childhood and Adolescence Molestation in Heterosexual and Homosexual Persons. Arch. Sex. Behavior, 30, 5, 2001, S. 538-541. Die Definition für „sexuellen Kontakt“ beim sexuellen Missbrauch war etwas vage, so Mayer, McHugh, S. 47.
    [^45]: Tomeo, M. E., ebd., S. 541. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 47.
    [^46]: Wilson, H. et al., Does Physical Abuse, Sexual Abuse, or Neglect in Childhood Increase the Likelihood of Same-sex Sexual Relationships and Cohabitation? A Prospective Follow-up. Arch. Sex. Behavior, 39, 2010, S. 63-74.
    [^47]: Die Kontrollgruppe umfasste 667 nicht-misshandelte, nicht missbrauchte und nicht vernachlässigte Jungen und Mädchen, die ebenfalls 30 Jahre später befragt wurden.
    [^48]: Die Studie fragte nur nach homosexuellen Partnern/innen. Personen, die lediglich eine homosexuelle Anziehung hatten, aber keine Partner, wurden in der Auswertung möglicherweise nicht erfasst. Siehe Mayer, McHugh, S. 48.
    [^49]: Neben einigen methodischen Schwächen hat die Studie zwei Stärken: Das prospektive Studiendesign eignet sich besser zur Beurteilung möglicher Kausalbeziehungen als das typische retrospektive Studiendesign. Außerdem wurde der Missbrauch in der Kindheit zum Zeitpunkt des Auftretens aufgezeichnet und so eine Erinnerungsverzerrung minimiert. Siehe Mayer, McHugh, S. 48f.
    [^50]: Mayer, McHugh, S. 50.
    [^51]: Mayer, McHugh S. 59.
    [^52]: King, M. et al., A systematic review of mental disorder, suicide, and deliberate self harm in lesbian, gay and bisexual people. BMC Psychiatry, 8, 70, 2008. In der Zusammenfassung heißt es von King: „LGB Personen haben, was psychische Störungen, Suizidgedanken, Suchtmittel-missbrauch und vorsätzliche Selbstschädigung betrifft, ein höheres Risiko als heterosexuelle Personen.“ Anm. CRV.
    [^53]: Bostwick, W., et al., Dimensions of Sexual Orientation and the Prevalence of Mood and Anxiety Disorders in the United States. Am. J. Public Health, 100, 3, 2010, S. 468-475. Die Studie benutzt Daten aus einer nationalen, epidemiologischen Befragung mit 34 653 Interviews.
    [^54]: Die Prozentzahlen betreffen Frauen mit Selbstidentifikation als lesbisch, bisexuell oder heterosexuell: 44,4 % der lesbischen Frauen, 58,7 % der bisexuellen Frauen, 30,5 % der heterosexuellen Frauen berichten, eine Depression gehabt zu haben oder zu haben. Frauen, die keine bisexuelle Identität angenommen hatten, aber bisexuelles Verhalten ausübten, hatten höhere Raten an Depressionen als Frauen mit ausschließlich heterosexuellem oder ausschließlich homosexuellem Verhalten. Frauen, die sich nur homosexuell verhielten oder nur eine homosexuelle Anziehung angaben, aber keine lesbische Identität angenommen hatten, zeigten die geringste Rate an depressiven Störungen und Angststörungen. Siehe Mayer, McHugh, S. 61-62. - Mayer, McHugh: Die Unterschiede in den Gesundheitsergebnissen zeigen, dass die Unterscheidung zwischen sexueller Identität, sexuellem Verhalten und Anziehung (ohne eine homo- oder bisexuelle Identität anzunehmen) wichtig ist. Siehe Mayer, McHugh, S. 129.
    [^55]: Zit. nach Mayer, McHugh, S. 62.
    [^56]: Sandfort, T., et al., Sexual Orientation and Mental and Physical Health Status: Findings from a Dutch Population Survey. Am. J. of Public Health, 96, 6, 2006, S. 1119-1125.
    [^57]: Haas, A. et al., Suicide and Suicide Risk in Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgender Populations: Review and Recommendations. J. of Homosexuality, 58, 1, published online 2011, S. 10-51.
    [^58]: Fergusson, D. et al., Is Sexual Orientation Related to Mental Health Problems and Suicidality in Young People? Arch. Gen. Psychiatry 56, 1999, S. 876-880.
    [^59]: Mayer, McHugh, S. 66.
    [^60]: Mathy, R. M., et al., The association between relationship markers of sexual orientation and suicide: Denmark, 1990-2001. Soc. Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, 46, 2, 2011, S. 111-117.
    [^61]: Nach dem „sozialer-Stress“-Modell sind Diskriminierungen die Hauptursache für die höhere Suizidrate bei homosexuell und bisexuell lebenden Männern. Als Diskriminierung gilt, wenn ein Land keine homosexuelle „Ehe“ anbietet. Diese Studie zeigt aber, dass die registrierte Partnerschaft, die rechtlich der Ehe sehr nahe kommt, die Suizidrate bei homosexuell lebenden Männern in Dänemark offensichtlich nicht senken konnte, im Gegenteil: Sie war besonders hoch. Die Studie weckt Zweifel an der Bedeutung des „sozialer-Stress“-Modells. Siehe auch Fußnote 67. Anm. CRV.
    [^62]: Remafedi, G. et al., Risk Factors for Attempted Suicide in Gay and Bisexual Youth. Pediatrics, 87, 6, 1991, S. 869-875. - 88 % der Jugendlichen bezeichneten sich als schwul, 12 % als bisexuell.
    [^63]: Nach Remafedi kann ein Coming-out in jüngerem Alter ein Suizidrisiko sein: Je älter ein Junge beim Coming-out war, desto geringer war das Risiko eines Suizidversuchs - und umgekehrt. Die Studie kann aber nur statistische Zusammenhänge beschreiben und keine Aussage über kausale Zusammenhänge machen. Remafedi, der sich selbst als homosexuell bezeichnet, befindet: „Die Suizidversuche konnten nicht erklärt werden mit Diskriminierung, Gewalterfahrung, Verlust an Freundschaften oder der derzeitigen persönlichen Einstellung zur Homosexualität.“ (S. 873, Hervorhebung hinzugefügt). Als häufigste Einzelursache für den Suizidversuch gaben die Jugendlichen „Probleme in der Familie“ an: Eheprobleme der Eltern, Scheidung der Eltern, Alkoholprobleme in der Familie. Remafedi, G., ebd. Anm. CRV.
    [^64]: Siehe Mayer, McHugh, S. 65, S. 73.
    [^65]: Reisner, S., et al., Mental Health of Transgender Youth in Care at an Adolescent Urban Community Health Center: A Matched Retrospective Cohort Study. J. of Adolescent Health, 56, 3, 2015, S. 274-279.
    [^66]: Haas, P. et al., Suicide Attempts among Transgender and Gender Non-Conforming Adults: Findings of the national Transgender Discrimination Survey. The Williams Institute, American Foundation for Suicide Prevention, 2014. https://williamsinstitute.law.ucla.edu/wp-content/uploads/AFSP-Williams-Suicide-Report-Final.pdf
    [^67]: Das „sozialer-Stress“-Modell ist umstritten. Der neuseeländische Forscher Neil Whitehead kommt zu dem Schluss, dass die Mehrheit der psychischen Probleme damit nicht erklärt werden kann. Whitehead stellt auch andere Erklärungsmodelle vor: Im Kinsey Institut Report gaben homosexuelle Männer als häufigste Ursache für ihren Selbstmordversuch „Schwierigkeiten mit dem Liebhaber“ an. Bell, A. B., et al, Der Kinsey Institut Report, München 1987, S. 236 f. - Herbert Hendin, Gründer der „American Foundation for Suicide Prevention“ ist der Auffassung, dass bei suizidalen homosexuellen Männern der Auslöser für den Selbstmordversuch oft die Zurückweisung durch den homosexuellen Partner ist. „Die suizidalen Homosexuellen führten typischerweise ihr ganzes Elend darauf zurück, dass sie von anderen zurückgewiesen wurden. In Wirklichkeit waren Unzufriedenheit und Zurückweisung wesentliche Teile ihrer Beziehungen. Wenn diese Studenten in ihren homosexuellen Beziehungen keine Zurückweisung erfuhren, dann waren sie selbst diejenigen, die den Partner zurückwiesen.“ Hendin, H., Suicide in America, New York 1995, S. 137. - Ein weiteres Erklärungsmodell findet sich bei Theo Sandfort: Bei negativen Erlebnissen gibt es drei Haupt-Coping Styles: handlungsorientiert, emotions-basiert und vermeidungs-basiert. Homosexuelle Männer, so Sandfort, wenden vor allem emotionsbasierte und vermeidungsbasierte Coping Styles an. In Sandforts Studie, die bevölkerungsbasierte Daten benutzte, konnten die gesundheitlichen Unterschiede zwischen den homosexuellen und heterosexuellen Männern durch die Unterschiede in den Coping Styles erklärt werden. Sandfort, T. et al., Coping Styles as Mediator of Sexual Orientation-Related Health Differences. Arch. Sex. Behavior, 38, 2, 2009, S. 253-263. Weitere Erklärungsmodelle sind möglich. Siehe: Whitehead, N., Homosexuality and Co-Morbidities: Research and Therapeutic Implications. 2010. www.mygenes.co.nz/whiteheadcomorbid10_2.pdf Anm. CRV.
    [^68]: Mayer, McHugh., S. 85.
    [^69]: Mayer, McHugh, S. 85.
    [^70]: Siehe Mayer, McHugh, S. 71.
    [^71]: Buller, A., et al., Associations between Intimate Partner Violence and Health among Men Who have Sex with Men: A Systematic Review and Meta-Analysis. PLOS Medicine, 11, 3, 2014. e1001609. doi: 10.1371/journal.pmed.1001609.
    [^72]: Die Angaben in den einzelnen Studien waren recht unterschiedlich und reichten von 32 % bis 82 %. Siehe Mayer, McHugh, S. 71.
    [^73]: Die Angaben in den Studien reichten von 16 % bis 51 %. Siehe Mayer, McHugh, S. 71.
    [^74]: Bowen, E, Nowinski, S., Partner violence against heterosexual and gay men: Prevalence and correlates. In: Aggression and Violent Behavior, 17, 1, 2012, S. 36-52.
    [^75]: Nowinski, S. ebd., S. 50. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 71.
    [^76]: Finneran, C., et al., Intimate Partner Violence Among Men Who Have Sex with Men: A Systematic Review. In: Trauma, Violence, Abuse, 14, 2, 2013, S. 168-185.
    [^77]: Siehe Mayer, McHugh, S. 72.
    [^78]: Finneran, C. a.a.O., S. 180. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 72.
    [^79]: Greenwood, G., Battering Victimization Among a Probability-Based Sample of Men Who Have Sex With Men. Am. J. of Public Health, 92, 12, 2002, S. 1964-1969.
    [^80]: Greenwood, G., ebd. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 73.
    [^81]: Greenwood, G., ebd. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 73.
    [^82]: Greenwood, G., ebd. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 73.
    [^83]: Unfruchtbarkeit kann viele Ursachen haben, es ändert aber nichts daran, dass die Reproduktionsorgane ihren Sinn und Zweck in der Reproduktion, in Zeugung, Empfangen und Gebären eines Kindes haben. Siehe Mayer, McHugh, S. 91.
    [^84]: Nur sehr wenige Verhaltensweisen sind geschlechtsspezifisch, etwa das Gebären und Stillen der Frau, sie haben unmittelbar etwas mit den Fortpflanzungsstrukturen zu tun. Anm. CRV.
    [^85]: Eine Einführung in Denken und Handeln von John Money, der bis heute maßgeblich die Gender Theorien und Gender Mainstreaming mitprägt, gibt: Zastrow, V., Der kleine Unterschied. https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/historische-wurzel-geschichte Anm. CRV.
    [^86]: Mayer, McHugh, S. 92.
    [^87]: Intersexualität als biologische Krankheit ist deutlich von Transsexualität zu unterscheiden. Letztere ist nach ICD-10 eine psychische Störung. Anm. CRV.
    [^88]: Beispiele für Intersexualität: Komplette Androgenresistenz: Genetisch bedingter Rezeptordefekt beim chromosomalen Jungen (Chromosomen XY). Turner-Syndrom: Chromosomaler Defekt bei Mädchen (Chromosomen X0). Anm. CRV.
    [^89]: Reiner, W.G. et al., Discordant Sexual Identity in Some Genetic Males with Cloacal Exstrophy Assigned to Female at Birth. New England J. of Medicine, 350, 2004, S. 333-341.
    [^90]: Siehe Mayer, McHugh S. 92.
    [^91]: Mayer, McHugh, S. 93.
    [^92]: Nach dem Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 für psychische Krankheiten, der auch in Deutschland gilt, gehört Transsexualismus zu den Störungen der Geschlechtsidentität. Die Diagnose (ICD-10 F64) kann bei Erwachsenen und Kindern gestellt werden. Mayer und McHugh verweisen auf die in USA gültige Diagnoseliste DSM-5, wo es nur noch die Diagnose Geschlechtsdysphorie (Gender Dysphoria) gibt. Siehe weiter unten. Anm. CRV.
    [^93]: Siehe Mayer, McHugh, S. 97.
    [^94]: Rametti, G. et al., White matter microstructure in female to male transsexuals before cross-sex hormonal treatment. A diffusion tensor imaging study. J. of Psychiatric Research, 45, 2, 2011, S. 199-204.
    [^95]: Rametti, G. et al., The microstructure of white matter in male to female transsexuals before cross-sex hormonal treatment. A diffusion tensor imaging study. J. of Psychiatric Research, 45, 7, 2011, S. 949-954.
    [^96]: „Die Assoziationen zwischen Gehirnstruktur und Transgender-Identität sind klein, methodisch eingeschränkt, nicht schlüssig und teilweise widersprüchlich.“ Mayer, McHugh S. 104.
    [^97]: Mayer, McHugh, S. 105, S. 86.
    [^98]: Mayer, McHugh, S. 105.
    [^99]: Ein bekanntes Beispiel: Bei den Londoner Taxifahrern sind Bereiche des Gehirns, die für die räumliche Orientierung zuständig sind, größer als bei anderen Menschen. – Der deutsche Hirnforscher G. Hüther beschreibt: In den letzten 10 Jahren hat sich bei Jugendlichen derjenige Bereich ihres Gehirns, der für den Daumen zuständig ist, deutlich vergrößert. Grund ist, dass Jugendliche viele SMS schreiben und dazu fleißig den Daumen bewegen. Verhalten, so Hüther, das immer wieder ausgeübt wird, „hinterlässt Spuren im Gehirn“. Hüther, G., in GEO-Kompakt: www.gerald-huether.de/populaer/veroeffentlichungen-von-gerald-huether/zeitschriften/geo-kompakt-interview-gerald-huether Zugriff 28.2.2017. Anm. CRV.
    [^100]: Mayer, McHugh, S. 105, S. 86.
    [^101]: ICD 10 F64. Anm. CRV.
    [^102]: American Psychiatric Association DSM-5, 2013. Gender Dysphoria: „incongruence“. Zit nach Mayer, McHugh, S. 94.
    [^103]: Damit folgt der DSM-5 dem gegenwärtigen Trend, psychische Störungen nur dann noch als psychische Krankheit einzuordnen, wenn die betroffene Person deutlichen Stress und soziale Beeinträchtigung erlebt. Erlebt sie das nicht, gilt Transsexualität nicht mehr als psychische Krankheit. Siehe Mayer, McHugh, S. 94 f. Nach dem ICD-10 gilt Transsexualität grundsätzlich als psychische Krankheit. Anm. CRV.
    [^104]: David Batty, Mistaken Identity. In: The Guardian, 31.7.2004. www.theguardian.com/society/2004/jul/31/health.socialcare Zugriff 28.2.2017. Mayer, McHugh, S. 109.
    [^105]: Dhejne, C. et al., Long-Term Follow-Up of Transsexual Persons Undergoing Sex Reassignment Surgery: Cohort Study in Sweden. PLOS ONE 6, 2, 2011: e16885.Savin-Williams www.dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0016885
    [^106]: Es waren 191 Mann-zu-Frau transsexuelle Personen und 133 Frau-zu-Mann transsexuelle Personen. Siehe Mayer, McHugh, S. 110.
    [^107]: Mayer, McHugh, S. 11.
    [^108]: Mayer, McHugh, S. 112.
    [^109]: American Psychiatric Association DSM-5, a.a.O., S. 452. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 96.
    [^110]: Mayer, McHugh, S. 96.
    [^111]: Mayer, McHugh, S. 96.
    [^112]: Siehe Mayer, McHugh, S. 96.
    [^113]: Mayer, McHugh S. 89.
    [^114]: Dvorak, P., Transgender at five. The Washington Post 21.5.2012 https://live.washingtonpost.com/transgender-120518.html Zugriff: 28.2.2017. Siehe Mayer, McHugh, S. 105f.
    [^115]: Siehe Mayer, McHugh, S. 104.
    [^116]: Zucker, K., et al., Gender Identity Disorder and Psychosexual Problems in Children and Adolescents. New York, 1995. Anm. CRV.
    [^117]: Drummond, K., et al., A follow-up study of girls with gender identity disorder. Developmental Psychology, 44, 1, 2008, S. 34-45.
    [^118]: Siehe dazu auch: Fitzgibbons, R., „Geschlechtsumwandelnde“ Operationen als Lösung für einen psychischen Konflikt? www.dijg.de/transsexualitaet-geschlechtsumwandlung/operation-psychischer-konflikt Anm. CRV.
    [^119]: Zucker, K., Children with gender identity disorder: Is there a best practice? Neuropsychiatrie de l’Enfance et de l’Adolescence, 56, 2008, S. 358-364, S. 363. Zit. nach Mayer, McHugh, S. 107.
    [^120]: Mayer und McHugh (S. 107) verweisen hier lediglich auf folgenden Artikel: Singal, J., How the Fight Over Transgender Kids Got a Leading Sex Researcher Fired. www.nymag.com/scienceofus/2016/02/fight-over-trans-kids-got-a-researcher-fired.html Zugriff 28.2.2017. Zugriff 28.2.2017. Anm. CRV.
    [^121]: Werden Pubertätsblocker in einem frühen Stadium der Pubertät gegeben und anschließend gegengeschlechtliche Hormone, führt das bei den Kindern zur dauerhaften Sterilität, weil sich Keimdrüsengewebe, Eizellen und Spermien nicht entwickeln können. Siehe Cretella, M., Geschlechtsdysphorie bei Kindern und die Unterdrückung einer Debatte. www.dijg.de/transsexualitaet-geschlechtsumwandlung/geschlechtsdysphorie-bei-kindern Anm. CRV.
    [^122]: Nach dem DSM-5 bleibt die Geschlechtsdysphorie bei 2,2 % - 30 % der Jungen und bei 12 % - 50 % der Mädchen bestehen. Siehe Mayer, McHugh, S. 106. Michelle Cretella kommt in ihrer Berechnung zu niedrigeren Prozentzahlen. Siehe Cretella, M., ebd. Anm. CRV.
    [^123]: Mayer, McHugh, S. 116.
    [^124]: Mayer, McHugh, S. 12.
    [^125]: Hohe Raten an HIV-Infektionen, Syphilis und anderen sexuell übertragenen Krankheiten. Siehe Robert Koch Institut, Berlin. Anm. CRV.